• Er kann mit dem Velo ans Cupspiel gegen Lugano fahren: Der Huttwiler Michael Kovac will die Partie gegen den grossen HC Lugano vor allem geniessen. · Bild: Marcel Bieri

17.09.2018
Sport

Huttwiler Hockey-Nerd hofft auf ein Wunder

Swiss Ice Hockey Cup 2018/19, 1/16-Final: Hockey Huttwil–HC Lugano – Heute Abend um 19.45 Uhr wird im Huttwiler Campus Perspektiven eine spezielle Eishockeyparty steigen. Dank dem Swiss Ice Hockey Cup hat das Huttwiler Publikum die Möglichkeit, den ­Vizemeister Lugano in einem Spiel gegen die örtlichen Hockeycracks zu bestaunen. Auch für den jungen Huttwiler Michael Kovac eine erstmalige und vielleicht einmalige Gelegenheit.

 

Eishockey · Ob man den kanadischen Heisssporn Maxim Lapierre wirklich so einfach provozieren kann? Ob der Handgelenkschuss von Nationalteam-Stürmer Gregory Hoffmann tatsächlich so gut ist? Und ist Torhüter Elvis Merzlikins vielleicht doch nicht so unüberwindbar? Es sind Fragen, die morgen Abend die Mannschaft von Hockey Huttwil selbst beantworten kann. In einem Cup-Match darf sich das My-Sports League-Team nämlich mit dem Vizemeister Lugano duellieren. «Es wird spannend sein, zu sehen, wie sie spielen. Sie trainieren jeden Tag und machen sonst nichts anderes. Diesen Unterschied zu spüren – darauf freue ich mich», sagt Michael Kovac mit voller Vorfreude. Der junge Flügelstürmer spielt seit dieser Saison bei den Huttwilern und hat deshalb ebenfalls die Möglichkeit, bei diesem Cup-Fight teilzunehmen.

Selbst dieses Spiel will er gewinnen
Gerade für ihn dürfte dies speziell sein. Noch im letzten Jahr spielte er in der ersten Liga mit Zuchwil, dort hätte er eine solche Gelegenheit gar nie gehabt. Dementsprechend wird es für ihn der erste Match gegen ein National-League-Team sein, gegen Lugano spielte er zwar auf Elite-Junioren-Level, gegen die ganz grosse Bianconeri hat er aber noch keine Erfahrungen sammeln können. «Ich hof0fe auf gute Stimmung, freue mich aber auch auf diesen Gegner. Das ist etwas, das man nicht jeden Tag erleben kann.» Spezieller macht dies nur noch der Umstand, dass er diesen Event wenige Meter vor seiner Haustüre erleben darf. «Ich kann mit dem Velo ins Training und zum Spiel fahren», sagt er begeistert. «So gut haben es wohl nur die wenigsten Eishockeyspieler in der Schweiz auf diesem Niveau.» Nur zu gerne würde er deshalb für seine Heimatgemeinde mithelfen, wenn morgen Abend ein kleines Wunder geschehen wird. «Vielleicht haben sie einen ganz schlechten Tag und wir einen ganz guten», hofft Kovac, weil er als Sportler grundsätzlich jedes Spiel gewinnen will – egal gegen welchen Gegner. Dass jener im Cup wahrlich übermächtig ist, weiss Kovac aber ebenso. «Mauern wird gegen sie wohl nicht weiterhelfen. Sie sind sich solche Situationen gewohnt und haben bestimmt ihre Möglichkeiten, in jeder Situation einen Sieg zu erzwingen.»

Mit Köpfchen
Verhindern will dies Kovac vor allem mit Köpfchen. Er selbst studiert nämlich Physik mit den Nebenfächern Math und Astronomie und ist deshalb so etwas wie der Huttwiler Hockey-Nerd. Ein bisschen kann man ihn sogar mit dem Astrophysiker Rajesh Koothrappali aus der Kult-Serie «The Big Bang Theory» vergleichen. Ganz so weit ist er aber noch nicht, hat er seine Doktor-Arbeit schliesslich noch nicht geschrieben und auch noch keinen Masterstudiengang absolviert. «Ich bin aktuell erst im dritten Jahr beim Bachelor. Da versuchen wir noch einfache Dinge zu verstehen und zu erklären», sagt Kovac. Viel sei theoretisch, praktisch werde in erster Linie viel experimentiert. Seinen Weg in den Gebieten der Physik genauer festlegen muss er dann erst später. Dass der am 23. September 1997 geborene Eishockeyspieler ein cleverer junger Mann ist, äusserst sich nicht zuletzt auch auf dem Feld, Kovac reagiert schnell und spielt noch schneller. Seine grösste Stärke dürfte das eigene Tempo sein, damit will er natürlich gegen Lugano und auch sonst in der kommenden Saison überzeugen und sich einen Stammplatz sichern.
Obwohl gestern das neue Studienjahr für Michael Kovac begann, wird in seinem Kopf wohl trotzdem vor allem das morgige Hockeyfest im Campus Perspektiven präsent sein. Während er auf ein ausverkauftes Haus mit bester Stimmung hofft, sind die Verantwortlichen etwas passiver und hoffen zumindest auf eine vierstellige Zuschauerzahl. «Morgen Abend geht es auch ein bisschen ums Geniessen», sagt Michael Kovac. Das gilt für die Spieler, aber auch für die Zuschauer. Eine kurze Anreise mit dem Auto, oder wie beim bald 21-Jährigen sogar mit dem Velo, ist etwas anderes als ein Drei-Stunden-Trip ins Tessin, um dieses Starensemble spielen zu sehen. Es bleibt zu hoffen, dass die Hockeyfans der Region sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und ein spezielles Hockeyfest entstehen kann.

Von Leroy Ryser

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