• Fritz von Gunten: Die Emme, die Geschichte ihres weitläufigen Tals, die Landschaften, welche sie prägt, faszinieren ihn seit Jahrzehnten. · Bild: Liselotte Jost-Zürcher

03.03.2017
Region

«Ich bin Berner ...»

Mit dieser Aussage lag Fritz von Gunten stets richtig, nicht erst seit er am Rand der Stadt Bern wohnt. Im ganzen Kanton fand er Tradition, Heimat, Geschichte, das Positive des Einst und Jetzt. Aus vielfältigen Zusammenhängen heraus verfasste er in den letzten Monaten tiefgreifende Kolumnen zum Verhältnis Stadt – Land oder eher Bern – Emmental, welche der «Unter-Emmentaler» dieses Jahr in zwölf Folgen veröffentlichen wird.

Bern-Emmental · In jungen Jahren wohnte der gebürtige Berner Oberländer Fritz von Gunten in Rüdtligen-Alchenflüh. Diese Region gehörte damals noch zum Oberaargau. Seine Arbeitsorte waren erst  in Langnau und später in Lützelflüh, also im Herzen des Emmentals. Biel und das Seeland waren seine «militärische Heimat». «Alles ist endlich – auch die geografischen Zuteilungen», stellt er im Gespräch mit dem «Unter-Emmentaler» fest. Mit der Aussage «ich bin Berner» konnte er sich im Laufe der Jahre mit allen Kantonsteilen identifizieren, in denen er lebte und arbeitete. Der Kanton selbst hat seine ursprüngliche Form als «Bär» längstens verloren, glich über eine gewisse Zeit eher einem Schneemann. Mit der Abspaltung des Juras verlor der Schneemann allerdings den Kopf, und schon wieder, im Rahmen der aktuellen Diskussionen um die Kantonszugehörigkeit von Moutier, droht er «abspecken» zu müssen.
Fritz von Gunten hat sich mit allen Facetten des «Berner Bären» befasst. Er ging auf den Spuren von Menschen, die den Kanton massgeblich geprägt hatten; wie etwa derjenigen des einstigen Bundesrats Friedrich Traugott Wahlen («ein Vorbild von mir»). Er durchleuchtete die Hintergründe von Denkmälern, hinterfragte Bräuche und Kulturen.
Ab und zu liess er die Geschichte ruhen und widmete sich in seinem geliebten Heimatkanton den Schönheiten der Natur. Mit dem Emmental pflegt er seit Jahrzehnten eine besonders enge Beziehung.
Zuweilen aber führten ihn seine Interessen auch über die Kantonsgrenzen hinaus. Aus reichem Fundus und grosser Recherchierarbeit heraus entstanden Bücher und wertvolle Nachschlagewerke, unter anderem «Denk mal – ein Denkmal», «O du Fröhliche – Prosit Neujahr» oder «Sagenhaftes Emmental».

Bewusster durch die Welt
«Ich glaube, heute laufe ich noch bewusster durch die Welt als jemals zuvor», sagt Fritz von Gunten gegenüber dem «Unter-Emmentaler». «Wir leben im Jetzt, in der Realität, in einem Land, das unvergleichlich reich an geschichtlichen und landschaftlichen Schönheiten ist.» Er vergleicht die Gegenwart mit der Vergangenheit, erkennt den Wandel und ebenso Zusammenhänge, analysiert die Beziehungen zwischen Stadt und Land. Die Historie hat ihn gelernt, dass viele Begebenheiten, welche für die einen Menschen positiv sind, anderen Leiden bereiten. Und ebenso, dass sich dies kehren kann: «Nichts ist unendlich», betont er nochmals.
Von seinem reichen Wissen, aber auch von seinen Philosophien wird er in diesem Jahr den Leserinnen und Lesern des «Unter-Emmentaler» etwas weitergeben. In zwölf Serien werden seine bebilderten Kolumnen unter dem Motto «Bärner Gringe und Ämmitaler Füscht» bis Ende 2017 im «UE» erscheinen.
«Seit nunmehr vier Jahren darf ich meinen ‹aktiven Ruhestand› geniessen. Damit verbunden ist unter anderem die Tatsache, dass sich mein Wirkungskreis nicht mehr ausschliesslich auf das Emmental konzentriert, wo ich über dreissig Jahre in wirtschaftlichen, touristischen und kulturellen Belangen tätig war. Heute ist die Stadt Bern mein Wohn- und Tätigkeitsumfeld.
Meine Optik hat sich von der seinerzeitigen  Land-Stadt-Sicht zur jener der Stadt-Land-Richtung gewandelt. So fallen mir unterdessen mehr und mehr Ereignisse oder Objekte wie bestimmte Gebäude, Denkmäler, Kirchen, Strassen- und Schulhausnamen in der Stadt auf, die einen direkten Bezug zur Vergangenheit und Geschichte der Stadt Bern mit dem Emmental haben. Dazu kommen auch die aktuellen Jubiläen wie 500 Jahre Reformation oder 600 Jahre Rathaus Bern. Aber auch das sonderbare ja beängstigende Gebaren des neuen US-Präsidenten Donald Trump mit seiner Haltung etwa zu Migrationsfragen oder zur Wiedereinführung der Folter wecken bei mir Gedanken an einstige Geschehnisse zwischen Bern und der Region rund um den Napf. Ich bin dankbar, dass mir die Redaktion vom UE Gelegenheit gibt, in monatlichen Beiträgen das Thema ‹Bern – Emmental› in historischer, kultureller und gesellschaftlicher Hinsicht zu beleuchten und dabei Vergangenes mit Heutigem zu hinterfragen und zu vergleichen.» (Fritz von Gunten).

Gut zu wissen
Die erste Kolumne von Fritz von Gunten «Bärner Gringe u Ämmitaler Füscht» erscheint in der Ausgabe des «UE» vom kommenden Donnerstag, 9. März. www.fritzvongunten.ch

Von Liselotte Jost-Zürcher

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