• Auf der Schwimmbrücke wurden die Fahrzeuge ans diesseitige Ufer transportiert. · Bilder: Liselotte Jost-Zürcher

  • Trotz dem nassen und kalten Wetter und trotz dem langen, anstrengenden Tag blieb die Laune bei der Truppe gut. · Bilder: Liselotte Jost-Zürcher

  • Trotz dem nassen und kalten Wetter und trotz dem langen, anstrengenden Tag blieb die Laune bei der Truppe gut. · Bilder: Liselotte Jost-Zürcher

11.08.2017
Oberaargau

«Ich bin stolz, ein Pontonier zu sein»

In kurzer Zeit kann das Pontonierbataillon 26 Fluss- und Hindernisüberquerungen aufbauen und betreiben. Mechanisierte Verbände, Kampfbataillone und weitere Truppen können so in kürzester Zeit verschoben werden. Gegenwärtig findet in der Region ein WK statt; die Kompanie 3 ist in Huttwil stationiert. Der «Unter-Emmentaler» war für einige Stunden bei einer Übung zu Gast.

Oberaargau · 10 Grad kühl und strömender Regen. Das änderte nichts am Tagesplan der Kompanie 3 des Pontonierbataillons 26. Am Morgen hiess es aufbrechen zum Erstellen einer schwimmenden Brücke über die Aare im solothurnischen Flumenthal. Allerdings nicht ohne vorher akribisch alle Einzelheiten des Bauablaufs besprochen und die Hauptmittel auf ihre Einsatzfähigkeit und Funktion überprüft zu haben. Die nächste solche Flussüberquerung sollte Punkt halb drei Uhr nachmittags in Berken bereit sein – ein sportliches Programm, sowohl zeitlich als körperlich. Die Fährbrücke in Flumenthal abzubrechen und auf dem Strassenweg zu verschieben wäre in den wenigen zur Verfügung stehenden Stunden nicht möglich gewesen; also stellte Kommandant Simon Mühlemann den Antrag, zur Verschiebung den Wasserweg zu wählen. Das wurde gestattet. So wurden die Pontoniere auf den beiden Fähren, das heisst der Schwimmbrücke 95 (SB 95) sowie diejenigen in den Rettungs- und Transportbooten in Berken beidseits des Flusses von ihren Kameraden des Sicherheitsdienstes erwartet.

Traglast bis 70 Tonnen
Die SB 95 vermag einen Panzer mit einem Gewicht von bis zu 70 Tonnen problemlos über einen Fluss zu transportieren. Übungen gemeinsam mit der Panzerbrigade sind laut dem Kommunikationsbeauftragten PIO Pont Bat 26 Dario Wohlgensinger allerdings selten – ihre Vorbereitung und Koordination ist überaus aufwändig. Die letzte solche Übung fand 2014 in Büren a. Aare statt. Vorgestern Donnerstag wurden deshalb etwas leichtere motorisierte «Kunden» (der Armee) von einem Ufer ans andere befördert.
Vor dem Eintreffen der Pontoniere hatte Dario Wohlgensinger den «Unter-Emmentaler» bereits über Grundsätzliches im Alltag des Pontonierbataillons informiert. So stand nun genügend Zeit zur Verfügung, auch mit Soldaten und mit dem Kommandanten zu sprechen – ohne Zensurierung. «Ich bin für offene Kommunikation», stellte Wohlgensinger fest. Denn er finde es wichtig, dass Nähe zwischen Armeeangehörigen und der Bevölkerung geschaffen werde. Diese Haltung wirkt sich ganz offensichtlich auch auf die Soldaten aus. Offen und freundlich berichteten die Interviewten über ihre Gründe, weshalb sie sich bei der Rekrutierung für das Pontonierbataillon entschieden haben.

Gute Leute
«Es sind gute Leute», stellte Dario Wohlgensinger fest. Sie seien die körperliche Betätigung gewöhnt. Ohne viel zu hinterfragen und motiviert würden sie ihren Dienst erledigen – auch bei misslichen Wetterverhältnissen wie dies am Donnerstag der Fall war. «Es beeindruckt mich, mit welch guter Laune sie trotzdem an der Arbeit sind.» Die Arbeit kennt er aus dem Effeff; bis er zum Stab trat war er selbst ein Pontonier.
Bevor die SB 95 eingebaut werden konnte, musste – wie in jedem Fall – die Sicherheit für alle Beteiligten gewährleistet sein. Im Fluss und am Ufer. So hat beispielsweise die Flusswache fortlaufend den Fluss nach Objekten abzusuchen, welche den Einsatz oder Beteiligte gefährden könnten – ein privates Gummiboot etwa oder auch ein treibender Baumstamm.
Ist es nicht möglich, das Objekt an Land zu bringen, wird die Brücke in der Mitte geöffnet damit es ohne Schaden zu nehmen oder zu verursachen passieren kann. Reibungslos und unter dem Kommando des Fährchefs wurde die Rampe auf das Ufer gelegt. Die Fahrzeuge fuhren auf die Schwimmbrücke, wurden anschliessend über die Aare transportiert.
Die Fahrer verliessen für die Überfahrt ihre Fahrzeuge – zu ihrer eigenen Sicherheit, damit sie bei einem Unfall nicht in Gefahr geraten würden, im Fahrzeug eingesperrt zu bleiben. Ebenso reibungslos konnten sie am andern Ufer dann wieder an Land fahren.

«Etwas Schlaues machen»
Anstrengung, Regen und Kälte war den Soldaten nicht anzumerken; mit viel Interesse waren sie bei der Übung dabei.»Ich bin von Beruf Landschaftsgärtner und arbeite deshalb jeden Tag draussen. Regentage, wie heute einer ist, gibt es höchstens drei bis fünf pro Jahr», stellte Soldat Martin Bättig aus dem luzernischen Kleinwangen fest. Auch er nahm das «Hudelwetter» gelassen. Er habe sich zu den Pontonieren rekrutieren lassen, «weil diese etwas Schlaues machen», meinte er im Gespräch mit dem «UE».
Es mache halt Spass, mit Maschinen zu arbeiten, etwas zu konstruieren. Die Aufgaben seien vielfältig, die Stimmung in der Kompanie gut; «es macht wirklich Freude.» Martin Bättig absolviert bereits den vierten WK. «Nun kennt man sich schon gut. Es ist jetzt auch ein bisschen weniger streng als in der RS oder in den ersten WKs. Das wirkt sich positiv auf das Kameradschaftliche aus.» Das Verhältnis zu den Vorgesetzten sei kollegialer geworden. «Stand man früher untereinander, arbeitet man jetzt miteinander.»

Eine der schönsten Unterkünfte
In Huttwil stehe der Kompanie die schönste Unterkunft zur Verfügung, die er je angetroffen habe. Ländlich und schön sei das Städtli, freundlich das Volk, und in der Unterkunft stehe grosszügig Platz zur Verfügung, «das macht viel aus». Abends treffe man sich zu einem Bier; das sei immer sehr gemütlich. Überbordet werde dabei nicht: «Die Leute wissen, dass sie am Morgen wieder früh ausrücken müssen; sie halten sich daran.»
Sein Kamerad Cyril Alder ist ein «See-Kind», stammt aus dem St. Gallischen Rheineck. Der gelernte Schreiner sei zwar nicht Mitglied eines Pontoniervereins, sei aber bei der Rekrutierung direkt zu den Pontonieren eingeteilt worden. «Sie nehmen dort halt gerne Handwerker». Und vor allem solche, welche mit dem Element Wasser vertraut sind. Cyril Alder, der am Donnerstag das Transport- oder Rettungsboot führte, musste dazu die militärische Schiffsführerprüfung ablegen, dank welcher er auch privat Motorboote fahren darf – für ihn ein positiver Nebeneffekt und «ein bisschen auch der Grund, zu den Pontonieren zu gehören.» Die Unterkunft in Huttwil? «Die ist perfekt – so toll, wie wir bisher kaum eine hatten.»

Familientradition
Kommandant Simon Mühlemann bestätigte die Motivation seiner Kameraden. «Die meisten packen gerne an.» Er stellt jeweils den Wochenplan für die 220 Soldaten der Kompanie 3 zusammen, ist auch dafür verantwortlich, dass dieser eingehalten wird. Er versuche dabei, Abwechslung ins Programm zu bringen, welches streng und gedrängt sei. «Die Leute müssen auf Achse bleiben, aber sie machen ihre Sache gut.»
Simon Mühlemann stammt aus Weinfelden, ist am Wasser aufgewachsen. Der Polygraf, welcher im Familienbetrieb seiner Eltern arbeitet, ist gerne beim Hochsee-Segeln unterwegs. Sein Vater war während der Militärdienstzeit ebenfalls bei den Pontonieren. «Oft bleibt dies eine Familientradition», meint er. «Es ist eine dankbare Arbeit in der Armee, wenn man etwas Sinnvolles bauen kann.»
Dario Wohlgensinger brachte es auf den Punkt: «Ich bin stolz, ein Pontonier zu sein. Und die Leute unserer Kompanie sind ebenfalls stolz, zu den Pontonieren zu gehören.»

Von Liselotte Jost-Zürcher

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