• Marc Kämpf hat sieben Jahre für den SCL gespielt. In dieser Zeit stand er zweimal als Meister auf dem SCL-Balkon (im Hintergrund) und wurde dreimal Dritter. · Bilder: Leroy Ryser

  • Einer der Transfers beim SC Langenthal: Ex-La-Chaux-de-Fonds-Stürmer Robin Leblanc.

  • Verlässt den SC Langenthal in Richtung Rapperswil: Josh Primeau.

  • Nach besonders starken Playoffs wird Arnaud Montandon im nächsten Jahr in Ajoie stürmen.

21.07.2017
Sport

«Ich habe selbst nicht mehr daran geglaubt»

Swiss League: SC Langenthal – Marc Kämpf hat den SC Langenthal in diesem Sommer eishockeytechnisch in Richtung Bern verlassen, dem Club und der Region aber keineswegs den Rücken zugewendet. Einerseits bleibt er in seiner zweiten Heimat, dem Oberaargau, wohnhaft, mit dem Club will er andererseits verbunden bleiben – auch wenn der sportliche Fokus auf seiner einmaligen Chance beim SC Bern liegt.

Eishockey · Er ist der Spieler, der dem SC Langenthal und seinen Fans nach der Meistersaison am meisten fehlen wird: Marc Kämpf hat nach der letzten Spielzeit den SCL verlassen und hat zum SC Bern gewechselt. Eigentlich hatten die Hauptstädter schon nach der vorletzten Saison Interesse am SCL-Stürmer, der zuvor mit den Bernern als Aushilfsspieler den Titel im Jahr 2016 gewann. Vertragstechnisch war ein Wechsel damals aber nicht möglich. Im Nachhinein darf man durchaus sagen zum Glück, denn Marc Kämpf hat mit dem SC Langenthal die letztjährigen Playoffs gewonnen und sich mit «dem Chübu» verabschieden können. «Wenn ich schon ein Jahr früher gegangen wäre, nach dem frühen Ausscheiden gegen Martigny, dann hätte es da irgendwie ein Loch gegeben. Mit dem Titel den SCL verlassen – besser geht es kaum», sagt der 26-Jährige. Insbesondere mit dem Blick zurück auf die Playoffs. Kämpf zeigte eine enorm starke Leistung und durfte sich zuletzt als jenen Spieler feiern, der das entscheidende Assist zum Titelgewinn lieferte. Den Vertrag mit dem SCB habe er vor den Playoffs unterschrieben. Der Wunsch, den Titel nach 2012 noch einmal zu gewinnen, wurde dadurch noch stärker.

Ein harter Teil vom Business
Marc Kämpf hat in den letzten sieben Saisons für die Oberaargauer gestürmt und in dieser Zeit drei Mal den dritten und zwei Mal den ersten Playoffrang erreicht. Entsprechend schwer sei es ihm gefallen, seinen langjährigen Kollegen auf Wiedersehen zu sagen. «Beispielsweise mit Stefan Tschannen, Brent Kelly oder Jeff Campbell habe ich schon fast Ewigkeiten zusammengespielt. Das ist schon hart, auch wenn Transfers ein Teil vom Business sind.» Letztlich habe er aber nicht nur das Eishockey erlebt. Als Praktikant auf der SCL-Geschäftsstelle lernte er viele Leute kennen und erkannte, wie viel der SC Langenthal der Region bedeutet. «Für mich ist der Oberaargau eine zweite Heimat geworden. Ich habe hier einen grossen Teil meines Lebens verbracht und ich, sowie meine Freundin, fühlen uns sehr wohl hier», erklärt der gebürtige Bündner. Zügeln sei derzeit kein Thema, er werde seine Wohnung in Bützberg behalten. Auch das gebe ihm die Möglichkeit, hin und wieder ein SCL-Spiel zu besuchen und den Werdegang des Vereins zu verfolgen. «Für den SC Langenthal wünsche ich mir ein neues Stadion», sagt er und schliesst dabei keineswegs aus, irgendwann einmal selbst darin zu spielen. «Man weiss nie, was die Zukunft bringt. Aber als ich den Vertrag in Bern unterschrieben hatte, sagte ich in Langenthal, dass diese Playoffs nicht unbedingt die letzten gemeinsamen Erlebnisse sein müssen.»

Selbst nicht mehr daran geglaubt
Vorerst wird sein Fokus aber voll und ganz beim SC Bern liegen. Ausgerechnet jener Mannschaft, für die er als kleiner Bündner (!) Junge entgegen all seiner Kollegen immer mit Schal und Trikots geschwärmt hatte. Und die aktuell so etwas wie der Branchenprimus im Schweizer Eishockey ist. Auf die nahende Saison freut er sich deshalb sehr, die erhaltene Chance macht ihn nicht zuletzt auch stolz. «Ich habe selbst nicht mehr so richtig daran geglaubt», sagt Marc Kämpf und spricht offen darüber, dass er bereits geplant hatte, so lange es geht beim SC Langenthal zu bleiben. «Einfach so holt man keinen 26-Jährigen. Irgendwie muss ihnen mein Spielstil gefallen haben», sagt «Kämpfi» mit einem zufriedenen Lachen. Geschafft habe er aber noch nichts, die Saison hat schliesslich noch nicht begonnen. «Ich will mich durchsetzen und mir den Stammplatz erkämpfen. Und dann will ich einen Teil vom ‹Wieso› sein, dass der SC Bern den dritten Titel in Folge gewinnt.»

Zwei Ex-NLA-Spieler für Langenthal
Neben Marc Kämpf werden im SCL-Kader der nahenden Saison noch weitere Spieler fehlen. Arnaud Montandon wechselte zum HC Ajoie, Josh Primeau zu den Rapperswil-Jona Lakers, Vincenzo Küng zum HC La Chaux-de-Fonds, Helder Duarte zum EHC Olten und während Bernd Wolf weiterhin zum Kader des SC Bern gehört, gab Marco Schüpbach seinen Rücktritt bekannt. Das Kader auf die neue Saison dürfte aber nicht unbedingt schwächer sein. In der Verteidigung haben die Langenthaler sogar an Breite gewonnen. Mit Luca Christen haben die Oberaargauer einen Perspektivspieler aus der eigenen Jugend in die erste Mannschaft integriert und mit Tom Kohler stösst ein weiterer talentierter Spieler aus Übersee zum SCL. Einzig in der Offensive haben die Langenthaler ein bisschen an Grösse, aber nicht unbedingt an Breite verloren. Mit Robin Leblanc und Patrick Schommer haben die Oberaargauer zwei Ex-NLA-Spieler verpflichtet und mit Giacomo Dal Pian wurde ein weiterer junger Spieler mit Potenzial zum SCL transferiert. Gian Kämpf ist auch deshalb überzeugt, dass die Langenthaler eine konkurrenzfähige Mannschaft stellen können. «Unsere neuen Spieler haben viel Potenzial. Wir sind ähnlich aufgestellt wie im letzten Jahr», erklärt der SCL-Geschäftsführer. Gerade Robin Leblanc, der in Davos einst das entscheidende Tor zum Meistertitel schoss, und auch ZSC-Meisterspieler Patrick Schommer sind bekannte Namen und entsprechend wichtige Zuzüge für die Oberaargauer.
Daneben stehen weiterhin diverse Eigengewächse im Einsatz, welche in der kommenden Saison gefördert werden sollen. Dieses Ziel hat auch Per Hånberg, der neue SCL-Trainer, bereits geäussert.

Mühsamer Spielplan
Die im September beginnende Spielzeit wird derweil mit einem etwas speziellen Modus aufwarten, weil Martigny während der Sommerpause Konkurs ging und die Mannschaft zurückziehen musste. Mit elf Mannschaften musste der Spielplan regelrecht «gebastelt» werden. Das Resultat: Ajoie und La Chaux-de-Fonds treffen insgesamt 10 Mal (!) aufeinander, Langenthal wird neben einem Cupspiel gegen den EHC Olten sieben Meisterschaftsderbys austragen. «Ein Modus mit 11 Mannschaften ist immer mühsam. Es gibt wirtschaftliche Interessen, die Interessen der Fans und allem kann man nicht gerecht werden», kommentiert Gian Kämpf. Beginnen wird die Saison für den SC Langenthal am Mittwoch, 13. September, mit dem ersten Auswärtsderby gegen den EHC Olten. Jene Partie wird als erste Begegnung auf dem neuen Fernsehsender «MySports» übertragen.

Von Leroy Ryser


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