• Die Nachwuchs-Erfassungsstufe des SC Langenthal ist neu im Campus Perspektiven in Huttwil zu Hause. Der Leiter der SCL-Erfassungsstufe, Marco Schüpbach (hinten links), und der Projektleiter Eis im Campus Perspektiven, Dino Stecher, freuen sich auf die neue «Eiszeit» in Huttwil. · Bild: zvg

01.09.2017
Sport

«Ich muss viel mehr denken als früher»

Marco Schüpbach, Leiter Erfassungsstufe SCL Nachwuchs AG – Verteidiger Marco Schüpbach ist zwar als Spieler zurückgetreten, doch dem Eishockey und dem SC Langenthal bleibt er treu. Der 38-jährige Melchnauer ist als Leiter Erfassungsstufe bei der SCL Nachwuchs AG tätig, die neu im Campus Perspektiven in Huttwil beheimatet ist. Bereits hat er festgestellt, «dass ich heute viel mehr denken muss als früher».

Eishockey · Er habe sich ein anderes Ende seiner Karriere als Spieler gewünscht, erzählt Marco Schüpbach. «Ich wäre gerne auf dem Eis zurückgetreten.» Doch dazu kam es nicht. Ein ganzes Jahr lang versuchte der Verteidiger nach einer Knorpelverletzung im rechten Knie den Anschluss wiederherzustellen und aufs Eis zurückzukehren. Vergeblich. «Ich habe viel über meine Situation nachgedacht», sagt der 38-jährige Verteidiger, der in seiner Karriere viermal Schweizermeister wurde (zweimal mit Visp und je einmal mit Langenthal und Bern). Am Ende kam er zum Schluss, dass der Aufwand und das Risiko, das er für einen Comebackversuch einging, in keinem Verhältnis stand mit dem möglichen Ertrag. Schüpbach entschloss sich zum Rücktritt, aber gleichzeitig auch dazu, weiterhin im Eishockey-Business tätig zu sein.

Aufbau Standort Huttwil
Er, der in diesen Tagen das Trainer-A-Diplom abschliesst und gleich anschliessend das Nationaldiplom in Angriff nimmt, ergriff die Chance, als er von SCL-Ausbildungschef Olivier Horak angefragt wurde, ob er das Amt als Leiter Erfassungsstufe übernehmen wolle. Diese Aufgabe hat er bereits seit letzter Saison ausgeübt. Mit der Vollzeitanstellung bei der SCL Nachwuchs AG kommen noch zusätzliche Aufgaben hinzu.
Denn nicht zuletzt das neue Eisangebot in Huttwil hat die Ausgangslage für den SCL-Nachwuchs verändert. So ist Schüpbach neu auch verantwortlich für den Aufbau einer Nachwuchsabteilung am neuen Standort im Campus Perspektiven in Huttwil. Dazu hilft er dienstags und donnerstags über Mittag auch bei den Talent-Trainings mit. Schüpbach hätte aber auch nach Visp zurückkehren können, denn auch die Walliser waren am gebürtigen Stadtberner interessiert und hätten es gerne gesehen, wenn er in ihrer Nachwuchsabteilung tätig geworden wäre. Doch für den dreifachen Familienvater stand ein Wechsel nicht zur Diskussion. «Meiner Familie gefällt es hier im Oberaargau sehr gut, und ich fühle mich im SCL-Trainerteam sehr wohl», bemerkt er. Das Hauptaugenmerk bei seiner neuen Tätigkeit liegt zweifellos auf dem neuen Nachwuchsstandort Huttwil. Hier soll eine Hockeyschule entstehen, der traditionelle Sennen-Cup und neu die Postfinance-Trophy stattfinden. Mit den beiden Turnieren wolle man in der Region Huttwil in erster Linie Werbung für den Eishockey-Nachwuchs machen. Längerfristig strebe man an, dass aus der Hockeyschule in Huttwil weitere Bambini- und Piccolo-Teams rekrutiert werden können, sodass auf der Erfassungsstufe eine noch breitere Basis entstehe.

Vom Spieler zum Planer und Organisator
Seine neue Eishockey-Laufbahn sei nicht einfach über Nacht entstanden, bemerkt Marco Schüpbach. Es sei schon längere Zeit sein Ziel gewesen, nach der Karriere im Eishockey-Business zu verbleiben. Bereits als Spieler in Visp habe er sich beim Nachwuchs engagiert. Beim SCL habe er diese Tätigkeit nahtlos weitergeführt und übe diese nun vollamtlich aus. Schüpbach spricht von einer spannenden Aufgabe, die ihm sehr viel Spass mache, aber gleichzeitig auch enorm fordere. «Ich muss viel mehr denken als früher», gibt er lachend zu verstehen und erwähnt, dass er als Spieler jeweils nur die Ausrüstung habe anziehen müssen und schon sei es auf dem Eis losgegangen. «Heute bin Planer und Organisator. Ich bin verantwortlich, dass die Schiedsrichter vor Ort sind, das Eis reserviert ist und ich muss die Funktionärs-Einsätze planen.» Auch müsse er Trainings und Spiele der Nachwuchs-Teams besuchen und es gelte, zahlreiche Abklärungen zu treffen.

Spass im Vordergrund
Doch der Spass an der Arbeit stehe ganz klar im Vordergrund, versichert Marco Schüpbach. «Es macht unheimlich Freude, wenn ich sehe, wie die Kinder Fortschritte machen. Das ist für mich oft schöner als ein Turniersieg», sagt er. Deshalb habe er sich als Leiter der Erfassungsstufe auch zum Ziel gesetzt, die Kinder so weit wie möglich zu entwickeln, «damit wir später ganz oben im NLB-Team profitieren können.» Aus eigener Erfahrung weiss Schüpbach aber auch, dass nicht nur der Verein, sondern auch die Spieler von dieser Entwicklung profitieren können. Denn beim Blick zurück auf die eigene Spielerkarriere erwähnt er die vielen tollen Erfolge, aber auch Misserfolge, aus denen er sehr viel gelernt habe. «Ich kann jedem Kind nur empfehlen, eine Mannschaftssportart auszuüben, hier absolvieren sie nämlich eine tolle Lebensschule, in der sie lernen, sich durchzusetzen, ein- und unterzuordnen und manchmal auch auf die Zähne zu beissen.» Der Leiter Erfassungsstufe beim SC Langenthal weiss ganz genau, auf was es bei der Ausbildung des Eishockey-Nachwuchses ankommt und kann den vielen eishockeybegeisterten Knaben und Mädchen hilfreich zur Seite stehen und sie auf ihrem Weg mit wertvollen Tipps unterstützen.

Von Walter Ryser


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