• Stolz präsentiert Ueli Flückiger sein fotorealistisch gemaltes, fünf Meter langes Alpenpanorama. · Bild: zvg

07.07.2017
Langenthal

Im Alter die wahre Leidenschaft entdeckt

Der Langenthaler Ueli Flückiger war Käser, Marketing- und Werbefachmann sowie Unternehmer, doch seine wahre Leidenschaft entdeckte er erst nach der Pensionierung. Kürzlich hat er ein fünf Meter langes Alpenpanorama, vom Hochänzi bis zum Gantrisch, fertiggestellt. Das fotorealistisch in Acryl gemalte Bild ist seit Anfang Juli im SRO Spital in Langenthal zu sehen.

 

Ueli Flückiger war zeitlebens ein umtriebiger Geist, der nicht nur tausend Ideen im Kopf hatte, sondern auch viele dieser Ideen umsetzte und dadurch ein bewegtes, kreatives und vielfältiges berufliches Leben hatte. Der in Sumiswald aufgewachsene Flückiger erlernte ursprünglich den Beruf des Käsers. Viele Jahre war er in der Milchwirtschaft tätig, liess sich zum Eidgenössisch diplomierten Handelsreisenden sowie zum Marketingplaner ausbilden. Anschliessend wechselte er in die Hygiene-Papierindustrie Tela, wo er mehrere Jahre als Leiter Werbung/Verkaufsförderung tätig war. 1988 machte er sich zusammen mit seiner Frau selbständig und eröffnete in Langenthal ein Marketing- und Grafikatelier (Studio UF), das er bis zur Pensionierung vor sechs Jahren führte.
In Ueli Flückiger schlummern viele Talente: «Schon als Kind habe ich sehr gerne gezeichnet.» 1983 habe er begonnen zu malen, anfänglich seien es Aquarell-Bilder gewesen, die er angefertigt habe. «Aber eigentlich hatte ich neben Geschäft und Familie viel zu wenig Zeit, um mich diesem Hobby zu widmen, mit dem ich mich höchstens in den Ferien und spärlich in der Freizeit beschäftigen konnte.» Das hat sich seit der Pensionierung vor fünf Jahren geändert. Doch sein erstes Projekt war nicht etwa ein Bild, das entstand, sondern ein Alphorn, das er aus einem im Wald gefundenen Holzstück formte. Das Alphorn habe er vollkommen autodidaktisch angefertigt, mit Wissen und Informationen aus dem Internet, berichtet der heute 70-jährige Pensionär. Das Alphorn funktioniert tadellos und wird von Ueli Flückiger gespielt.

Zweifel sorgten für Marschhalt
Danach hat sich der Vater von drei Töchtern und Grossvater von drei Buben in einem gemieteten Bastelraum ein Malatelier eingerichtet. Hier entstehen nun diverse Acryl-Bilder. Ueli Flückiger malt fotorealistische Bilder, die er aufgrund von Bildaufnahmen nachzeichnet, aber auch Stimmungen oder Ortsansichten. Bevorzugte Motive hat er nicht. «Ich male grundsätzlich alles gerne, kenne mich mit der Perspektive aus und experimentiere oft», erzählt er. Am 20. Februar 2014 habe er vom Aussichtspunkt Meienacher/Schneideregg bei Affoltern die einmalige Berner Bergkulisse fotografiert. «Die Bilder liessen mich nicht mehr los und ich beschloss, diese als Panoramabild fotorealistisch in Acryl zu malen», berichtet der Langenthaler.
Doch das Projekt gestaltete sich nicht einfach und stellte den Hobby-Maler vor grosse Herausforderungen. «Nachdem ich die wichtigsten Konturen auf den fünf Bildteilen von jeweils fünfmal 100x30 cm durchgezeichnet und den Himmel auf allen Bildern in einem Zuge gemalt hatte, begann ich an
meinem Können zu zweifeln, weil ich grossen Respekt vor der kommenden Aufgabe hatte.» Flückiger musste einen zehntägigen Marschhalt einlegen und neue Kraft und Sicherheit gewinnen. «Gestärkt und meiner Sache wieder sicher, begann ich gleich mit den prominentesten Bergen mit Eiger, Mönch und Jungfrau», erzählt er weiter. Das gute Gelingen motivierte und beflügelte Ueli Flückiger, das Gesamtwerk mit den vielen Bergen, Wäldern, Eggen, Häuser und Gehöften in einer Halbjahres-Fleissarbeit fertig zu stellen. Stolz ist er darauf, «dass sich jedes Bauernhaus und alle Wälder exakt am richtigen Platz befinden.» Das fertige Bild habe ihn begeistert, «aber ich hatte keine Wand, um das ganze Bild in einem Stück zu betrachten», sagt er. Er habe deshalb überlegt, was er damit tun könnte. Ueli Flückiger fand einen Abnehmer. Dass sich das Bild heute im SRO Spital in Langenthal befindet, praktisch neben seinem Atelier, freut den Maler ganz besonders. Das gelungene Alpenpanorama sei für ihn ein zusätzlicher Motivationsschub, um weitere Projekte in Angriff zu nehmen. So steht ein dreidimensionales Bild einer Grotte kurz vor der Vollendung. Das Bild besteht aus diversen Stoffresten, die mit Acrylfarbe bemalt wurden. Weiter ist im Herbst von Oktober bis Dezember in der Stiftung Uetendorfberg und im nahegelegenen Restaurant Alpenblick eine Bilderausstellung geplant. Ueli Flückiger hat im Alter seine wahre Leidenschaft entdeckt. «Das Malen macht mir wahnsinnig Freude. Es ist für mich die vollkommene Erfüllung und Befriedigung», bestätigt er. Beim Malen würden auch seine Schmerzen in den Hintergrund rücken, berichtet er, leidet doch Ueli Flückiger seit 20 Jahren an Weichteilrheuma. Das lässt ihn zur Erkenntnis kommen, «dass ich momentan eine wahnsinnig schöne Zeit erleben darf.»

Von Walter Ryser


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