• Eine ganz besondere Disziplin des Nationalturnens ist der Hochweitsprung. Er ist eine der sechs Disziplinen, die ein Nationalturner im Vornotenprogramm absolvieren kann. · Bild: Keystone

31.05.2017
Sport

Interessante Vielseitigkeit zum «Warm-up»

Bernisch-Kantonaler Nationalturntag in Affoltern – Das Bernisch-Kantonale Schwingfest in Affoltern umfasst aus sportlicher Sicht zwei Wettkampftage. Neben dem grossen Highlight, dem Schwingfest am 9. Juli, findet eine Woche zuvor bereits der Bernisch-Kantonale Nationalturntag statt. Dieses Wettmessen ist vielseitig und deshalb äusserst interessant.

Nationalturnen · In Affoltern steht der erste Juli-Samstag  im Zeichen des Nationalturnens. Neben dem grossen Schwingfest eine Woche später kann das Publikum auch diese interessante Sportart mit mehreren Disziplinen in Affoltern verfolgen.
 
Gute Ausgangslage schaffen
Am Vormittag werden die Nationalturner rund um die Schul- und Turnanlage das Vornotenprogramm absolvieren. Dabei handelt es sich um Disziplinen aus dem Turnen, der Leichtathletik und dem Nationalturnen. Im Vornotenprogramm versucht der Nationalturner, sich eine möglichst gute Ausgangslage für den Zweikampfteil zu schaffen. Dieser besteht aus Ringen und Schwingen. Und dieser zweite Teil im Nationalturnen wird in Affoltern auf dem Schwingplatz des Bernisch-Kantonalen Schwingfests stattfinden. Damit kommen auch die «Natifuger», wie die Absolventen dieser traditionsreichen und nur in der Schweiz ausgeübten Sportart betitelt werden, in den Genuss, auf optimaler Infrastruktur und vor wünschenswert viel Schaulustigen ihren Sport ausüben zu können.

Vielseitigkeit ist wertvoll
Nationalturnen ist eine traditionsreiche Sportart, die geistig und körperlich viel Beweglichkeit, Vielseitigkeit und Flexibilität abverlangt. Bereits seit rund 500  Jahren bestreitet man diesen Wettkampf. Voraussetzungen zu einem erfolgreichen Nationalturner sind: Schnelligkeit, Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer sowie taktisches und technisches Flair. Dadurch haben in der Regel vielseitige Athleten mehr Erfolg als Spezialisten in einer Disziplin. Anders ausgedrückt: Ein Kranzschwinger hat keine Garantie, auch im Nationalturnen ganz vorne mitzumischen.

Damian Gehrig will an beiden Wettkämpfen glänzen
Die Nationalturner haben dieses Jahr ein ganz grosses Highlight. Die besten 400 Turner aus der ganzen Schweiz messen sich im September beim «Eidgenössischen» auf den Sportanlagen Lindenfeld im luzernischen Eschenbach. Dieser Anlass wird nur alle drei Jahre ausgetragen. So werden zahlreiche Spitzen-Nationalturner in Affoltern antreten, um Anhaltspunkte über den Formstand zu erhalten. Der erfolgreichste regionale Nationalturner wird ebenfalls an den Start gehen. Damian Gehrig aus Wasen strebt sogar einen Spitzenplatz an. Der ausgezeichnete Schwinger wird dann eine Woche später auch am «Kantonalen» in den Sägemehlring steigen. Beide Wettkämpfe sind Gehrig gleich wichtig. Für beide bereitet er sich seit Wochen seriös vor. Neben den geübten Nationalturnern Gustav und Konrad Steffen – wie Gehrig Mitglieder beim Schwingklub Sumiswald – wird auch der erfolgreichste regionale Schwinger, Matthias Aeschbacher aus Rüegsauschachen (Schwingklub Sumiswald), am 1. Juli beim Nationalturnen in Affoltern antreten.

Eigenes Wettkampfprogramm wählen
Speziell am Nationalturnen ist, dass der Wettkämpfer wählen kann, wieviele Disziplinen (siehe Kasten) des Vornotenprogramms er bestreitet. In der Elitekategorie sind vier bis sechs Vornotendisziplinen möglich. Da es sich um einen Zehnkampf handelt, besteht der «Kampfteil» dann noch aus vier bis sechs Gängen Ringen und Schwingen. Damian Gehrig beispielsweise schöpft den Vornotenwettkampf voll aus. Er bestreitet meist sechs Disziplinen und erhofft sich in diesen, möglichst nahe an die Maximalnote 10,00 zu kommen. Diese Gewähr hat er bei den Zweikämpfen nicht. Verliert er im Schwingen oder im Ringen einen solchen, erhält er höchstens die Note 8,50. Ein Nationalturner setzt seinen Wettkampf nach seinen Fähigkeiten zusammen, achtet aber immer auch darauf, wie der Wettkampf besetzt ist. Treten beispielsweise viele Spitzenschwinger an, ist die Variante vier Vornotendisziplinen und sechs Gänge Zweikampf eher eine Knacknuss.    

Disziplinen

Auswahlmöglichkeiten
Im Nationalturnen wird in verschiedenen Alterskategorien ein Vier- bis Zehnkampf ausgetragen. In der Elite findet ein Zehnkampf statt. In jeder Disziplin beträgt die Maximalnote 10,00. Der Wettkämpfer kann wie folgt wählen: 6 Vornotendisziplinen und 4 Gänge Zweikampf, 5 Vornotendisziplinen und 5 Gänge Zweikampf, 4 Vornotendisziplinen und 6 Gänge Zweikampf. Die beiden Disziplinen des Zweikampfs sind Schwingen und Ringen. Aus nachfolgenden Disziplinen können sich die Wettkämpfer ihr Vornotenprogramm zusammenstellen.

Steinheben
Mit der linken und rechten Hand wird ein Stein (22,5 kg) ab Kniehöhe bis zur vollen Streckung des Körpers möglichst oft hochgestemmt.

Weitsprung
Mit freiem Anlauf wird von einem Sprungbalken aus so weit wie möglich gesprungen.

Schnell-Lauf
Je nach Kategorie wird ein 60-, 80- oder 100-Meter-Lauf so schnell wie möglich zurückgelegt.

Freiübung
Eine vorgegebene oder selbstgewählte Bodenübung wird dem Kampfgericht vorgestellt. Die Freiübung im Nationalturnen ist in ihrer Form ähnlich gestaltet wie die Bodenübung beim Geräteturnen.

Hochweitsprung
Mit geradem Anlauf wird ab dem Weitsprungbalken über eine Hochsprunglatte gesprungen. Die Höhe wählt der Wettkämpfer selber. Die zu springende Weite ergibt sich daraus. Sie beträgt dabei in der Elitekategorie immer einen Meter mehr als die Höhe. Beispiel: Bei der Höhe 1,15 m muss der Wettkämpfer 1,15 m hoch (über die Latte) und anschliessend auch noch 2,15 m weit springen, damit der Versuch zählt.

Steinstossen
Der Stein (12,5 kg) wird mit freiem Anlauf ab einem Balkensegment so weit wie möglich gestossen.

Stefan Leuenberger

 

 

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