• Aaron Hess, Oeschenbach: Als junger Automobil-Mechatroniker ist er ein Meister seines Fachs …

  • … und hat sich zusammen mit seinem Berufskollegen aus Sumiswald, Silas Reist, für die SwissSkills qualifiziert. Bilder: Elsbeth Anliker

09.08.2018
Emmental

Junge Meister ihres Fachs

Im September messen sich die beiden jungen Automobil-Mechatroniker Aaron Hess aus Oeschenbach und der Sumiswalder Silas Reist mit über 1000 weiteren Berufsleuten an den SwissSkills in Bern. Ein Besuch an ihren Arbeitsplätzen.

EMMENTAL/OBERAARGAU · In der grossen Werkstatthalle der Garage Oetterli AG in Langenthal ist an diesem frühen Nachmittag einiges los: Kunden gehen ein und aus und Mitarbeitende suchen nach Defekten bei den Autos. So auch Aaron Hess. «Der Seilzug des Scheibenhebermotors dieses Mazdas MX-5 Roadster ist defekt», erklärt der junge Berufsmann. Das Auto sei ein Kultfahrzeug von Mazda, sagt er. Dabei strahlen seine Augen und man spürt gleich, wie sehr der Automobil-Mechatroniker seinen Beruf liebt. Das ist sicherlich auch ein Grund, weshalb Aaron Hess im Raum Oberaargau/Emmental mit der Bestnote seine Lehre abgeschlossen hat. Nun wird er im September an den SwissSkills in Bern teilnehmen. 

Zuerst war es ein Töffli

«Autos sind meine grosse Leidenschaft», erklärt Aaron Hess, der mit seiner Familie in Oeschenbach daheim ist. Begonnen hat es aber mit einem Töffli, das ihn schon als kleiner Bub faszinierte. «Als 14-Jähriger hatte ich mein erstes Töffli», erzählt der heute 20-Jährige. «Es gab für mich nichts Schöneres, als stundenlang daran herumzuschrübelen.» Rasch sind es dann zwei und mehr Töfflis geworden. Seine Liebe zu diesen Fahrzeugen war gross. Deshalb entschied er sich dann auch für eine Lehre als Automobil-Mechatroniker, «und habe es bis heute nicht bereut.» Die vierjährige Lehre bei der Garage Oetterli AG in Langenthal sei sehr abwechslungsreich gewesen – «und wir sind ein tolles Team.» Werkstattleiter Othmar Schwizer freut sich: «Es ist eine Ehre für uns, dass Aaron Hess an den SwissSkills teilnehmen wird – wir sind sehr stolz auf ihn.» Er sei der erste Lernende der Garage Oetterli AG in Langenthal, der an einen solchen Anlass gehen könne. 

Sein erstes Auto

Ein junger Meister seines Fachs ist auch Silas Reist. Der 20-Jährige lebt mit seiner Familie in Sumiswald. Seit seiner frühsten Kindheit faszinieren ihn Autos. Vor kurzem hat er seine Lehre als Automobil-Mechatroniker mit der zweitbesten Note im Raum Oberaargau/Emmental abgeschlossen. Kein Wunder, dass auch er an den SwissSkills teilnehmen wird. An diesem Nachmittag trifft man ihn an seinem Arbeitsplatz in der Garage S. Flückiger AG in Auswil. 

Der junge Berufsmann sucht nach einem elektronischen Fehler am Motor eines Toyotas. Nun legt er das Werkzeug aus der Hand und erklärt: «Ich mag meinen Beruf sehr – und ich habe einen tollen Arbeitsplatz.» Gerade nach elektronischen Fehlern zu suchen, sei spannend und gefalle ihm ganz besonders, begeistert er sich. Silas Reist erzählt, sein erstes Auto sei ein Aixam gewesen. Mit diesem Kleinmotorfahrzeug habe er bereits als 16-Jähriger fahren dürfen. Heute wünscht er sich: «Einmal einen Lexus zu besitzen – Toyotas Premiummarke.» 

Bei der Vorausscheidung für die SwissSkills konnte er von den Erfahrungen seines Werkstattchefs Janik Leuen-berger profitieren. 

Ist doch der 22-jährige Madiswiler amtierender Schweizermeister der Automobil-Mechatroniker und er sagt: «Gerne würde ich diesen Titel an Silas weitergeben.» Doch allein schon, sich an den SwissSkills mit anderen messen zu können, sei ein Erlebnis – «wir sind stolz auf Silas Reist.» 

Die beiden jungen Berufsmänner werden an den SwissSkills zusammen mit 20 Mitstreitern gefordert sein: Sie müssen sich mit allen möglichen Fahrzeugsystemen auskennen und ihr Können unter anderem mit technischen Arbeiten unter Beweis stellen.

Das Berufsbild des Automobil-Mechatronikers habe nicht mehr viel mit dem einstigen Mechaniker-Beruf zu tun, sind sich beide einig. 

Heute müsse ein guter Mechaniker beides können: gut schrauben und Software bedienen. «Ausserdem wird getestet, wie man unter Druck arbeiten kann – und die Zeit ist knapp bemessen», sagt Silas Reist. 

«Da kommt einem dann sicherlich auch die mentale Stärke zugute», ergänzt Aaron Hess. 

Erfahrungen sammeln

Wie sehen die beiden ihre Chance an den SwissSkills: «Natürlich wünschte ich mir einen Platz auf dem Podest», so Silas Reist. Weil es ja schon grossartig wäre, 2019 dann in Kazan (Russland) an den WorldSkills dabei zu sein. Dem stimmt Aaron Hess zu. 

Noch kennen sie allerdings keine Details. Deshalb sei es für sie auch schwierig, ihre Chancen einzuschätzen. Daher wollen sie beim Anlass vor allem viele neue Erfahrungen sammeln. Und beide freuen sich riesig, «überhaupt an den SwissSkills mitmachen zu können». 

Neue Herausforderungen

Silas Reist arbeitet weiterhin bei der Garage S. Flückiger AG in Auswil. Nächsten Februar wird er als Fliegersoldat die Rekrutenschule absolvieren. «Darauf bin ich gespannt», sagt er. Und gut kann er sich vorstellen, sich dereinst zum Automobil-Diagnostiker weiterzubilden. 

Aaron Hess wird diese Weiterbildung berufsbegleitend gleich in Angriff nehmen – und er erfüllt sich einen Bubentraum: Mitte August beginnt seine neue Arbeit bei der Firma Stalder, Motorsport AG in Reinach. Dort werde er unter anderem Autos für Renneinsätze vorbereiten und diese dann auch während des Rennens vor Ort auf Rennstrecken in ganz Europa betreuen, begeistert er sich. 

Von Elsbeth Anliker

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