• Überzeugen mit Mimik, Gestik und Wortwitz: Heinz (Matthias Kunz, links) und Ruedi (Rhaban Straumann). · Bild: Hans Mathys

12.04.2017
Langenthal

«Kafifahrt» voller Humor und Wortwitz

Mit dem Jubiläumsprogramm «Kafifahrt» sorgt Strohmann-Kauz (Rhaban Straumann und Matthias Kunz) als kultiges Senioren-Duo Ruedi und Heinz in der randvollen Alten Mühle für einen heiteren Theaterabend. Pausenloses Lachen und Schmunzeln sind angesagt.

Das Theaterkabarett Rhaban Straumann (Olten) und Matthias Kunz (Oberaargau) tritt seit 2006 auf Bühnen auf und entzückt das Publikum mit Humor von A bis Z, unüberbietbarer Mimik sowie erfrischendem Wortwitz – aktuell mit dem Jubiläumsprogramm «Kafifahrt». 

Nach der Premiere am 16. Januar 2017 in Olten sind die beiden Satiriker in der Alten Mühle in Langenthal zu Gast. Im Nu ist die 199-Plätze-Tribüne ausverkauft. «Schön, wenn das immer der Fall wäre», sagt Ruth Kormann, zuständig für die Theaterkasse. Strohmann-Kauz ist ein Begriff. Die Auftritte animieren zum Lachen und zum Schmunzeln. Beste Unterhaltung ist garantiert. Viele kennen den Oberaargauer Matthias Kunz auch als Dr. Walter B. Grünspan, Gastredner aus Bundesbern.  


Geschichten, die das Leben schreibt

Wie bei der «Milchbüechlirächnig» analysiert das toll eingespielte Bühnenpaar mit der «Kafifahrt», dem Jubiläumsprogramm, kritisch und schlagfertig Geschichten, die das Leben schreibt. Straumann tritt erneut als lebensfroher Senior Ruedi auf, der immer wieder vom griesgrämigen Kollegen Matthias Kunz alias Heinz gebremst wird. Nicht alle Texte stammen von Strohmann-Kauz. Zu ihrem 10-Jahr-Jubiläum klopften sie nämlich bei Künstlerkolleginnen und -kollegen an, die für die «Kafifahrt» witzige Texte schrieben: Paraderollen für Ruedi und Heinz. Diese blättern sich durch Franz Hohlers Fotoalbum, schwelgen in skurrilen Erinnerungen und süffisanten Frauengeschichten mit Christoph Simon sowie Urs Mannhart und planen eine Reise mit Frölein Da Capo. Dank schön&gut trimmen sie sich und lassen sich von Gilbert & Oleg verzaubern. Gefrühstückt wird lustvoll mit Lisa Christ. Stürmisch wird es bei Michel Gsell von Schertenlaib & Jegerlehner. Paul Steinmann lässt sie reden, Matto Kämpf dem Handel von Kleinkram frönen. Mit Valsecchi & Nater erheben sie ihre Stimmen. Grandios, wie Rhaban Straumann und Matthias Kunz die Ideen der Schreiberlinge als kultige Senioren umsetzen – als Ruedi und Heinz. 


Frauen, mit denen es sich gut «Kaffee trinken» liess

«Bi hässig», sagt Heinz schon in der ersten Szene, weil das Telefon läutet, er aber – als Senior eher langsam als flink – zu spät kommt. «E Tubu het mi gschprängt», kommentiert Heinz. Seine Miene verdeutlicht seinen Ärger. Weit besser gelaunt ist Ruedi, der in einem alten Hochzeitsfoto-Album blättert und beim Anblick der Bilder zuweilen herzhaft lacht. Dies nervt Heinz: «Das sollte diskreter gehen.» Ruedi blättert nun die Seiten mit «Fingerspitzengefühl» um, verlangt aber, dass auch Heinz die Tageszeitung leiser umblättert. 

Nun schwärmt Ruedi von früheren Zeiten – von seiner Theres. Schnell kommen auch andere Frauen ins Spiel, mit denen sich damals gut «Kaffee trinken» liess. Heinz will sich und Ruedi für den «Schweizer Talente»-Wettbewerb anmelden. Auf dem Fragebogen kreuzt Heinz unter «Art der Darbietung» schon mal «Zauberei» an. Fleissig üben sie Jasskarten-Tricks. Beide stellen sich aber wenig souverän an, und alle Versuche basieren auf Zufall. Das amüsierte Publikum quittiert dies mit spontanem Zwischenapplaus. Ruedi entdeckt einen Knopf im Taschentuch, der ihn an etwas erinnern soll. Woran? Vergessen. 


«Heinz taucht auf»

Nach der Pause erfährt das Publikum, dass ein Car auf einer Kafifahrt verunfallt sei. Der Unfall sei jedoch glimpflich abgelaufen, weil die vielen Heizkissen und Wolldecken im Car den Aufprall gedämpft hätten. Ob wohl das Bahnfahren weniger gefährlich ist? Bald schon sitzen Ruedi und Heinz im Zug. Gesprächsstoff gibt es jede Menge. Bemängelt wird der teure Kaffee der Mini-Bar: 4.60 Franken. Im Altersheim reklamiere Huber bereits, weil ihm die 2.50 Franken in der Cafeteria zu viel erscheinen. Heinz packt Rüebli aus seinem Rucksack und schmiert vor dem Abbeissen noch Mayonnaise drauf. Das sei ungesund, moniert Ruedi. Die Gesundheit ist denn auch das nächste Thema, das beide ausreizen. Dies zum Gaudi des Publikums, das beim Anblick von Heinz erneut Grund zum Lachen hat. Dieser erscheint nämlich mit einer Taucherbrille und begründet dieses Outfit mit der Anweisung aus der Regie: «Heinz taucht auf.»

Dass weder Ruedi noch Heinz der Computersprache mächtig sind, zeigt sich, als der eine dem andern von seinen Erfahrungen im Internet erzählt – immerhin mit einem Volltreffer beim dritten Versuch: «Ich habe im Internet gesegelt, äh gerudert, nein gesurft». Ein weiteres verbales Highlight – verbunden mit nicht zu übertreffender Mimik und Gestik – liefert Ruedi, als ihn ein lästiger Telefonanruf aus einem Callcenter erreicht. Hier wird er mit der Materie des Prämiensparens durch einen Krankenkassenwechsel konfrontiert. Der rüstige Senior, der zuweilen mit dem Rollator umherkurvt, ist aber – oha lätz – keineswegs verlegen. Die beiden Satiriker streuen auch Besinnliches in ihr Jubiläumsprogramm. Es geht ums Sterben. Heinz singt «Stunde schlöh, Fründe göh». Ruedi stimmt mit ein. Eine ergreifende Szene. Beide beweisen mit diesem sentimentalen Lied, was sie neben humoristischen Wortgefechten sonst noch drauf haben. 

Mit einem amüsanten Kurzfilm und einer erklatschten Zugabe verabschieden sich Rhaban Straumann und Matthias Kunz vom Publikum, das diese köstliche Kafifahrt nicht so schnell vergessen wird – dieses Feuerwerk an Humor mit zwei liebenswürdigen Senioren, die so richtig im Element und dabei kaum zu bremsen sind. 
Von Hans Mathys

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