• Geschäftsführer Ruedi Minder und Verwaltungsratspräsident Stefan Costa (stehend, von links) von der Kunsteisbahn stellen sich den Problemen der Anwohner. · Bild: Leroy Ryser

14.11.2017
Langenthal

Kunsteisbahn AG geht auf Anwohner zu

Beim ersten «Schore Kafi», einem Treffen zwischen der Betreiberin der Kunsteisbahn AG und den Anwohnern, haben sich viele Emotionen entladen. Die Kunsteisbahn AG ist bestrebt, die Probleme, die rund um die Spiele der NLB-Mannschaft des SC Langenthal entstehen, einfacher und besser zu lösen.

Mit dem Ziel, miteinander zu diskutieren und Probleme zu bewältigen, hat die Kunsteisbahn AG die Anwohner des Langenthaler Eisstadions zu einem ersten «Schore Kafi» eingeladen. Geschäftsführer Ruedi Minder und VR-Präsident Stefan Costa haben die zahlreichen Besucher zuerst auf einen Rundgang eingeladen und die Neuerungen im Stadion aufgezeigt. Deutlich wurde dabei, dass die Sicherheit im Stadion sowie in unmittelbarer Stadionnähe deutlich verbessert wurde. Neben der modernen Überwachung konnte derweil auch das Gastronomie-Angebot mit dem Ausbau der Meex-Lounge verbessert werden. Gerade rund um den Garderobentrakt wurde auf der Führung aber auch klar, dass die Situation an mehreren Stellen im alten Stadion prekär ist. Nach Kaffee und Gipfeli wurden in einer Diskussionsrunde vor allem Probleme und Anregungen aufgenommen, um diese anzugehen. Vieles betraf aber nicht die Kunsteisbahn AG als Gastgeberin und Betreiberin, sondern auch den SC Langenthal als Veranstalter der publikumsintensiven NLB-Spiele.

Autos geben Anlass zur Diskussion
Ein Problem, welches den Anwohnern stark auf dem Magen liegt, ist die Parksituation im Langenthaler Schoren. Weil ein Parkhaus fehlt, kann das Quartier während NLB-Spielen nur einspurig befahren werden, damit auf den Trottoirs parkiert werden kann. Daraus entstehen einerseits Gefahrensituationen, andererseits verkehrstechnische Herausforderungen. In Einzelfällen wird die Strasse bereits früh gesperrt, Anwohner können deshalb nur noch in eine Richtung das Quartier verlassen, obwohl das Spiel erst Stunden später startet. «Solche Probleme nehmen wir auf», sagte Ruedi Minder und versprach, diese mit dem SC Langenthal zu besprechen und nach geeigneten Lösungen zu suchen. Ebenfalls diskutiert wurde das Nadelöhr beim Waldeingang, wo parkierte Autos und Fans aufeinandertreffen und die Durchfahrt gefährlich und erschwert ist. An anderen Orten wird sogar an Parkverboten gehalten, weil solche Verstösse in letzter Zeit zu wenig konstant gebüsst wurden.

Rüpel ohne Kinderstube sind Problem
Das grösste Problem ist leider jedoch die fehlende «Kinderstube» der anreisenden «Fans». Rüpel, die an Wände urinieren, Autofahrer, die Zäune beim Ausparkieren beschädigen ohne den Schaden zu melden und Littering ist bei publikumsintensiven Spielen zum Übel der Anwohner an der Tagesordnung. «Ich musste bereits mehrere Male meine Hauswand neu streichen», mokierte ein Anwohner, «mein Zaun wurde erst beim letzten Spiel gegen Olten zum x-ten Mal umgefahren», bemängelte ein weiterer. Nicht nur diese Faktoren alleine bringen die grössten Probleme mit sich, sondern vielmehr die Tatsache, dass es bisher weder einen Lösungsweg noch Hilfe für die Anwohner gab. «Ich habe versucht, mich zu beschweren, kam aber scheinbar nie bis zur entscheidenden Stelle», sagte ein frustrierter Anwohner, der für den Schaden letztlich selbst aufkam. «Gerade dafür haben wir dieses Schore Kafi eingeführt», konterte VR-Präsident Stefan Costa und begründete: «Diese Stelle gibt es mit Ruedi Minder mittlerweile in einer Person. Probleme können über ihn koordiniert und somit einfacher gelöst werden. Denn gerade für solche Fälle hat der SC Langenthal als Organisator eine Versicherung, die bei Sachbeschädigungen aufkommen muss.»

Zukunft dauert womöglich länger
Ausgetragen wird der Frust rund um verzogene Rüpel nicht zuletzt auf dem Rücken der Organisation des SC Langenthal mit zahlreichen Junioren, die rund um die aktuelle Stadionfrage sogar plant, womöglich längerfristig im Schoren Eissport zu betreiben (siehe Kasten). Ein Standortentscheid soll bis Ende Jahr von der Politik gefällt werden und Licht ins Dunkel bringen. Frustrierte Anwohner kündeten aber bereits an, gegen ein mögliches Projekt aufgrund der aktuellen Ausgangslage zu opponieren. «Ich glaube, wir sollten uns fragen, ob unsere Probleme wirklich so gross sind, dass wir ein solch tolles Projekt verhindern wollen. Letztlich geht es darum, Eishockey zu spielen», stellte ein weiterer Anwohner fest. Nicht zuletzt damit wurde den Beteiligten klar, dass im Schoren ein Aufeinanderzugehen endlich und unbedingt nötig ist, damit Probleme gelöst und zugleich der Eissport in Langenthal – womöglich am jetzigen Standort – aufrechterhalten werden kann.  Die Kunsteisbahn AG hat mit diesem Kaffeetreff einen wichtigen Schritt zur Hilfeleistung getan. Die zahlreichen Emotionen, die von frustrierten Anwohnern und SCL-Sympathisanten geäussert wurden, zeigen aber, dass zur Lösung des Problems weitere Efforts nötig sind. «Wir werden das Schore Kafi auch künftig durchführen, in der Hoffnung, es spricht sich im Quartier herum, damit wir Lösungen finden können», konstatierte Stefan Costa und versuchte damit ein «Aufeinanderzugehen» weiter zu fördern.

Womöglich längerfristig in Schoren?
Ebenfalls Thema beim Schore Kafi war die Zukunft rund um die Eishalle Schoren. Klar ist bislang, dass der Schoren bis über 2021 auf dem aktuellen Standort in Betrieb bleibt. Der Baurechtsvertrag beinhaltet die Möglichkeit, die aktuell auf 2021 beschränkte Dauer einmalig um 10 Jahre zu verlängern – diese Klausel dürfte die Kunsteisbahn AG im Jahr 2019 aktivieren. Zugleich ist es aber auch möglich, dass der Schoren bald zur langfristigen Lösung wird. «Wir haben mit einer Machbarkeitsstudie geprüft, inwiefern das möglich wäre und haben Ideen gesammelt», informiert der Geschäftsführer der Kunsteisbahn AG, Ruedi Minder. Diese Ideen reichen weit. Zweistöckiger Bau mit zwei Eisfeldern und einer Curlinghalle mit vier Spielfeldern, Sportartikelladen, Vergrösserung der Haupthalle mit 5000 Zuschauerplätzen, deutlich mehr Garderoben und verbesserte Parkplatzsituation durch Vergrösserung des Parkfeldes vor der Eishalle. «Es gibt darin ein paar kritische Punkte. Beispielsweise haben wir zehn Meter Wald zurückgebaut – etwa 2500 Quadratmeter. All das muss noch abgeklärt werden, aktuell haben wir einfach Ideen gesammelt und mögliche Szenarien ausgedacht.» Entscheidend, ob diese Szenarien überhaupt weiterverfolgt werden, ist der Gemeinderatsentscheid über die Standortfrage. Dieser soll bis Ende Jahr zumindest definieren, wo die neue Eissportinfrastruktur in Langenthal stehen soll. Damit wäre auch klar, ob das Eisstadion Schoren bis über das Jahr 2031 bestehen bleibt. Der Vorteil davon wäre der Preis. An anderen Standorten (Reitplatz oder Hard) dürfte das Projekt deutlich teurer werden.

Von Leroy Ryser

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