• Stefan Wälchli und Andreas Zwygart (von links) am Finanzanlass der Clientis Bank Oberaargau in Langenthal. · Bild: Hans Mathys

24.11.2016
Langenthal

«Kurze Röcke, heisse Kurse»

Am Finanzanlass der Clientis Bank Oberaargau stellte Andreas Zwygart, Leiter Private Banking, Strategien zur Geldvermehrung vor. Er verriet Zyklen mit hoher Treffsicherheit – und weshalb Börsianer auf Miniröcke stehen.

Stefan Wälchli, stellvertretender Direktor der Clientis Bank Oberaargau, konnte zum Finanzanlass «Diese Methoden überlassen nichts dem Zufall – Strategien zur Geldvermehrung» 155 Interessierte im Geschäftshaus Jurapark in Langenthal begrüssen.
«Wir wollen nicht nur zufriedene, wir wollen begeisterte Kunden», lautete sein Werbespot für die Clientis Bank Oberaargau, ehe er auf die «prägnantesten Ereignisse» von 2016 zurückblickte und dabei die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels, den Brexit, die Fussball-Europameisterschaft in Frankreich, den Terror in Europa und die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro erwähnte. Die Auswirkungen auf diesen Brexit, den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU, zeigte Stefan Wälchli anhand einer «Fieberkurve». Danach hat das Britische Pfund innert Jahresfrist rund 15 Prozent an Wert verloren. In der gleichen Zeitspanne ist der Goldpreis um rund 18 Prozent gestiegen.
Referent Andreas Zwygart, Mitglied der Direktion der Clientis Bank Oberaargau mit Hauptsitz in Huttwil, verglich mit dem Zitat «Früher war alles besser» den damaligen «Sparbatzen», den man mit Zinserträgen vermehrte und dann für Reisen oder fürs Studium einsetzte, mit der aktuellen Situation. «Heutzutage funktioniert diese Anlagestrategie nicht mehr», so Zwygart. «Ich werde Ihnen nun einzelne Strategien vorstellen, die Ihnen ein Schmunzeln entlocken, weil sie skurril und wirksam sind», sagte der Referent und erhöhte damit die Spannung im Publikum. «Es gibt einen verblüffenden Zusammenhang zwischen Wirtschaftskonjunktur und schwer zu entschlüsselnden Signalen, die uns die Mode gibt», verkündete Andreas Zwygart. «Kurze Röcke, heisse Kurse», hätten dies Forscher des Allensbach Instituts für Demoskopie auf einen Nenner gebracht. Demnach bedeuten Miniröcke gute Börsenzeiten, lange Röcke einen Abwärtstrend an den Märkten. Weil an der Berliner Fashion Week für 2017 Midiröcke präsentiert wurden, sei dies als «unentschlossene Märkte» zu deuten. «Für 2017 keine freudigen Börsenaussichten» prognostizierte Zwygart auch aufgrund des «US-Präsidentschafts-Zyklus» und des «Dekaden-Zyklus». Danach seien die ersten zwei Jahre nach dem US-Wahljahr oft unterdurchschnittliche Börsenjahre – und jetzt komme noch ein Siebenerjahr hinzu. Zwygart: «Nuller- und Siebenerjahre schnitten oft enttäuschend ab. Hingegen waren Jahre, die auf eine Fünf enden, in der Regel besonders gute Börsenjahre.»

Kuriose Kalendereffekte
Der Leiter Private Banking bei der Clientis Bank Oberaarau nannte weitere «kuriose Kalendereffekte». So habe sich die Aussage «Wie der Januar, so das ganze Jahr» seit 1943 beim Dow Jones Index zu 90 Prozent bewahrheitet. Auch liefere die «Fünf-Tage-Regel» in den Jahren seit 1999 eine spektakuläre Traumquote von 80 Prozent. Hier gibt die Kursentwicklung der ersten fünf Handelstage des neuen Jahres die Richtung fürs ganze Jahr an.
Im US-Markt erreiche die «Weihnachts- oder Santa Claus Rally» eine ähnlich hohe Treffsicherheit: 77 Prozent. Diese Rally umfasst den eng begrenzten Zeitraum der letzten fünf Handelstage im Dezember sowie die ersten beiden Handelstage im Januar. Zwygart kam auch auf den «Halloween-Effekt» zu sprechen. Der erste Handelstag nach Halloween eigne sich statistisch gesehen für den Kauf von Aktien, weil in der Folge die stärkste Phase eines Bösenjahres folge. Seit 1971 habe der «Halloween-Effekt» von November bis April ein Börsen-Plus von 7,1 Prozent ergeben, während es von Mai bis Oktober bloss 1 Prozent war. Zum Schluss des Referats nutzten verschiedene Interessierte die Gelegenheit, um Andreas Zwygart Fragen zu stellen, die sich teils um den überraschend zum neuen US-Präsidenten gewählten Donald Trump drehten. Überraschend war hier, dass sich die Börse nach einem massiven Einbruch gleich zu Beginn der Bekanntgabe des Wahlergebnisses mehr als nur erholte. «Es folgte die beste Börsen-Woche seit 2011», so Zwygart.

Musikalische Umrahmung durch die Musikschule
Als Zeichen der Verwurzelung mit dem Oberaargau hatte die Clientis Bank Oberaargau Streicher der Oberaargauischen Musikschule Langenthal eingeladen, die nun das Publikum mit Werken von Johann Sebastian Bach und Antonio Vivaldi erfreuten. Dabei wirkten Rainer Walker als Leiter der Musikschule ebenso mit wie Arrangeur Andreas Heiniger. Für den beeindruckenden virtuosen Auftritt gab es am Schluss einen verdienten, kräftigen und lange anhaltenden Applaus.
Bei dem von der Bank offerierten Apéro riche war vorerst der sympathische, genussvolle Aufritt der Streicher das Hauptthema. Allmählich aber drehten sich die angeregten Gespräche und der Small Talk um die von Andreas Zwygart präsentierten, teils wirklich skurril anmutenden und zum Schmunzeln anregenden Strategien.

Von Hans Mathys

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