• Julia geht nochmals mit Inzane nach New York – mit Koffer und Stadtplan. · Bild: Hans Mathys

09.12.2016
Langenthal

Magische Inzane-Abschiedsshow vor 700 Fans

«Die letzte Nacht» – unter diesem Motto verabschiedete sich die Langenthaler Tanzgruppe Inzane um Chista Rytz nach 15 äusserst erfolgreichen Jahren mit einer fulminanten Show von der Bühne – für immer.

Dabei sein, wenn der letzte Vorhang fällt. Das wollten am Samstagabend 700 Inzane-Fans. Zwar dominieren auf dem schon bald randvollen Parkplatz des Langenthaler Parkhotels die Berner Nummernschilder, aber auch Zürcher und Basler sind stark vertreten. Inzane steht für 15 erlebnisreiche Jahre Dance Company, 60 Mitglieder und über verschiedene 40 Showthemen an über 600 Auftritten. Begonnen hatte alles 2001 mit der «Fliegenshow». Euphorisch heizt Moderator Robin Rehmann die Stimmung an. «Lasst euren Emotionen freien Lauf», fordert er und lässt das Publikum schon mal den «freudigen Applaus», dann «Standing Ovations» sowie zuletzt «die Welle» üben. Er verspricht allen eine «gigantische Show».

«Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist»
Mit kurzen Showeinlagen stellen sich die 14 aktuellen Inzane-Tänzerinnen und Tänzer dem rhythmisch klatschenden und frenetisch jubelnden Publikum vor – gefolgt von einem Interview, das der Moderator mit Christa Rytz führt. Er will von ihr wissen, weshalb dieser Auftritt der allerletzte von Inzane ist. Christa Rytz: «Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Ich wollte den Generationenwechsel nicht mehr mitmachen, denn danach wäre es nicht mehr dasselbe.» Auf der Leinwand sind Erinnerungen an Reisen nach New York, Sardinien, Los Angeles und Mallorca zu sehen. Der Zusammenhalt habe ihn tief beeindruckt, verkündet der Vater eines Tänzers. Inzane werde man nach diesem Abend vermissen.
Nun befragt Moderator Robin Rehmann die Tänzerinnen und Tänzer nach der Gefühlslage so unmittelbar vor dem definitiven Ende. «Schade, denn für uns war Inzane wie eine zweite Familie», lautet der Grundtenor. Tänzer Guy fordert alle in der Halle auf, dem tollen Anlass «Masters on Stage» weiterhin die Treue zu halten – «auch wenn wir nicht mehr selber auf der Bühne stehen werden.»
Christa Rytz ruft den grossen Einsatz in Erinnerung, den Inzane allein für diese Schlussshow geleistet hat: «Am Wochenende vor der Abschlussshow haben wir gleich 16 Stunden geprobt.» Ein «Zufallsgenerator» bestimmt jetzt für alle 14 Tänzerinnen und Tänzer, welcher Wunsch von drei geäusserten Wünschen in Erfüllung gehen soll. Klar, dass sich der manipulierte «Zufallsgenerator» jeweils für jene Dinge entscheidet, die zum Bühnenspektakel und damit zum Vergnügen des oft kreischenden Publikums beitragen. Nichts ist also mit «Auf Weltreise gehen» oder «Jasskönig werden».

Fulminante Tanzshow
Alle 14 Wünsche werden sogleich in die Tat umgesetzt. Gloria tanzt mit ihrem Pyjama auf der Bühne, Valentina in einem Glamour-Outfit. Kevin darf Inzane regieren, Julia nochmals mit Inzane nach New York reisen – was sie mit Koffer und Stadtplan in der Hand symbolisch tut –, und Guy darf eine Gaga-Show inszenieren. Mara inszeniert mit Inzane eine Breakdance-Choreo. Auch der Wunsch von Christophes, einmal von Frauen auf Händen getragen beziehungsweise hochgehoben zu werden, geht in Erfüllung. Marlène erfüllt sich den Wunsch nach einer Bollywood-Choreo mit Inzane. Noëlle gewährt Inzane Einblicke in ihren Kopf, während sie angeblich schläft. Nicolas darf als Disney-Prinzessin auftreten. Javier äus-sert den Wunsch, mit Inzane auf der Bühne singen zu dürfen. Dabei übernimmt er gleich den Part des Dirigenten und legt sich mächtig ins Zeug. Das angestimmte Lied tönt trotz teils guten Ansätzen eher durchzogen. «Zum Glück sind wir eine Tanzgruppe und kein Gesangsverein», kommentiert Javier und beweist damit positives Denken. Jetzt ist Christa an der Reihe, die ihre Katze liebt und ihre dünnen, feinen Haare hasst. Sie wünscht sich, in einem Choreo mit langen, vollen Haaren zu tanzen und setzt dies – begleitet vom donnernden Applaus des Publikums – gekonnt um. Action pur mit Lichteffekten bietet Noëmi, der es gelingt, Inzane fürs Jumping zu begeistern. Nadira schliesslich darf den Song für die Abschlusschoreo wählen. Das Finale naht unausweichlich. Jasmin Weder und Curtis Burger – beide begleiten Inzane seit der ersten Show – sorgen für die Laudatio.

Adieu Inzane!
Curtis erzählt, was Inzane einzigartig gemacht hat und bezeichnet Christa Rytz als «fleissiges Bienchen, dem man heute Workaholic sagen würde». Jasmin über Christa Rytz: «Bei allem Ehrgeiz konnte sie über sich selber lachen. Wir werden den frischen Wind vermissen. Es ist Zeit, nochmals danke zu sagen.» Das Dankeschön gilt wohl Christa persönlich wie Inzane generell. Bei so schönen Worten fliessen Tränen – selbst bei der Laudatorin. Christa Rytz ist sichtlich gerührt und dankt Klaus Stauffer, dass sie damals dessen Tanzschule übernehmen konnte und dankt der Schweizer Tanzszene, die an dieser denkwürdigen Abschiedsshow so zahlreich vertreten ist. Ein spezieller Dank geht an ihre Eltern und ihren Lebenspartner Giovanni, den sie ihres grossen Engagements wegen oft alleine lassen muss. Der allerallerletzte Programmpunkt von Inzane heisst «Memories». Letztmals tanzt jene Tanzgruppe auf der Bühne, die während 15 Jahren stets positive Schlagzeilen geliefert und bei allen Auftritten sich selber sowie ihre Fans erfreut hat. Um 22.17 Uhr ist Inzane Geschichte, der letzte Auftritt vorbei, das letzte Gruppenbild geschossen und der letzte Applaus nach einer mitreissenden Show verklungen. Adieu Inzane!

Von Hans Mathys

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