• Istrien besticht durch die wunderbare Küstenlandschaft, die bewaldeten Hügel und die Sauberkeit auf der ganzen Halbinsel. · Bilder: ljw

  • Istrien besticht durch die wunderbare Küstenlandschaft, die bewaldeten Hügel und die Sauberkeit auf der ganzen Halbinsel. · Bilder: ljw

  • Istrien besticht durch die wunderbare Küstenlandschaft, die bewaldeten Hügel und die Sauberkeit auf der ganzen Halbinsel. · Bilder: ljw

31.05.2017
Emmental

«Mein Land – meine Stadt – meine ‹Campagna›»

Im Reiseprogramm von Reist Reisen war die Wanderwoche in Istrien ein Novum: Es war die erste Wanderwoche im Frühjahr, welche das Wasener Reise- und Transportunternehmen durchgeführt hat. Die Tage hätten kaum schöner sein können. Die Teilnehmenden erhielten tiefe Eindrücke von den Schönheiten, der Kultur und der Geschichte der kroatischen Halbinsel.

Wasen/Gutenburg · 800 km lagen vor dem Reisecar, als Chauffeur Fritz Rupp früh morgens, am Donnerstag, 13. Mai 2017, von Huttwil aus in Richtung Porec, Istrien, startete. Von ihm und der Reisebegleiterin Rosmarie Bührer waren die 36 Teilnehmenden freundlich empfangen worden. Auf den vielen, vielen Autobahn-Kilometern wurde das «Verwöhnt werden» von Rosmarie Bührer besonders gerne entgegen genommen. In den bequemen Sesseln konnten die Reisegäste die immer wieder wechselnde, ständig südlicher werdende Landschaft geniessen. Neben Süssigkeiten und Getränken gab es auch spannende Informationen zu den jeweiligen Gegenden.
Am frühen Abend traf die Gruppe in Porec, der istrischen kleinen Küstenstadt, ein. Es blieb nur kurze Zeit, um sich für das Abendessen frisch zu machen – und sich im grossen Hotel und in seinem luxuriösen Angebot zurecht zu finden. Das Buffet rund um die offenen Kochinseln war – und blieb auch für die restlichen Tage – fast unergründlich. Die Wahl aus der schier unvorstellbaren Vielfalt fiel schwer; die vor den Gästen frisch zubereiteten Speisen sahen verlockend aus und schmeckten denn auch köstlich, und bereits wurden die ersten Lobesworte über die freundlichen Zimmer getauscht.

Von der Geschichte geprägt
Am folgenden Tag galt es, die Wandergruppen zu bilden und abzuschätzen, wer sich was zutrauen konnte. Beim Car wurden die Reist-Reisenden von Maslinka, der Reiseleiterin, empfangen, welche sie die nächsten vier Tage begleiten sollte. Vorerst war ein Aufenthalt in der südlichen Stadt Pula, ungefähr 50 km von Porec entfernt, angesagt. Das Kolosseum aus der Zeit der Römer, ältere, teils recht ärmlich wirkende Häuser, neue, schöne Stadtteile, grüne Pärke und ein grosser Gemüsemarkt erwartete die Schweizer Gruppe. Auffallend war die tadellose Sauberkeit in der ganzen Region; kaum ein «Fötzeli» lag auf der Strasse, und teilweise wurde sogar der öffentliche Abfall getrennt.
Die einst wichtige Hafenstadt hat allerdings längst nicht immer so ausgesehen, war unter anderem im Zweiten Weltkrieg arg zerbombt worden. Die heutigen grünen Pärke verbergen Trümmer und viele Tragödien.
Im Kamenjak-Naturschutzgebiet, auf einem der südlichsten Teile Istriens, genoss die Gruppe das milde Meeresklima, die Pflanzen, die Bucht und das tiefblaue Meer. Wie herrlich war es, in der idyllischen Bucht Schuhe und Strümpfe auszuziehen und die Füsse im Salzwasser zu kühlen. Denn bereits hatte die Temperatur fast 25 Grad erreicht – das Wetter war, nach einem offenbar trüben und verhältnismässig kühlen Frühling, erstmals sommerlich und einfach nur fantastisch. Die Wanderung führte anschliessend zu einem Bauernhof mit fortschrittlichem Agro-Tourismus. Nur nicht fortschrittlich waren die alten Geräte, die einfach draussen verrosteten – andere Länder, andere Sitten! Für die Bauern in der Reisegruppe aber waren die «Museumsstücke» ein Schmunzeln Wert.

Lebensqualität und «Plan B»
Unter Maslinkas Leitung durfte am folgenden Tag die Gegend um und oberhalb der Termalquellen von Istarske Toplice, im Tal der malerischen Mirna, erkundet werden. Der Aufstieg zum mittelalterlichen Kastell, dem Montcastello, war recht happig. Die Sonne brannte unerbittlich, und die Wandergruppe war froh, wenn wieder Bäume und Büsche Schatten spendeten. Der Blick auf Istriens überwaldete Hügel war fantastisch und entschädigte für allen Schweiss. Die Gebirgszüge in der Ferne erinnerten an das Jura-Massiv. Wer mochte, wanderte zurück ins Tal; die andern durften sich im Car chauffieren lassen.
Maslinka liebt, wie alle Istrier, ihr Land («wir nennen uns Istrier, nicht Kroaten!»), ihre Stadt und ihren Boden. Mit persönlichen Erzählungen verstand sie es, den Schweizer Gästen diese Liebe zu übermitteln, zu verstehen. Besonders beeindruckte die folgende Tatsache:  Ihr Grossvater wurde in Österreich geboren, ihr Vater in Italien, sie selbst in Jugoslawien und ihr Sohn in Kroatien. Wohlverstanden alle vier im selben Haus in der selben Ortschaft. Der von 1918 bis 2003 bestehende Staat Jugoslawien bildete bis 1941 ein Königreich und wurde dann kommunistisch. Unter der Herrschaft des Diktators Tito entwickelte sich das Land stark; das Bildungsniveau der Bewohnerinnen und Bewohner war hoch. Als wohl einziger kommunistischer Herrscher erkannte Tito, dass er sein Land mit Tourismus vermarkten konnte. Er hielt sein Volk an, die Gäste «anzulächeln». Zuerst diejenigen aus anderen kommunistischen Staaten, bald einmal auch die «Westlichen». Nach Titos Tod verfiel das Land innert weniger Jahre, teilte sich schliesslich in die sechs allgemein anerkannten jugoslawischen Nachfolgestaaten Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro und Mazedonien. Der völkerrechtliche Status des Kosovo ist nach wie vor strittig.
Die beiden Weltkriege trafen auch Istrien hart; von den Jugoslawienkriegen aber blieb die Halbinsel weitgehend verschont. «Unsere Nationalität hat immer wieder geändert; Istrier aber waren wir immer», stellte Maslinka fest. Man sei sich der Schönheit, dem fruchtbaren Boden Istriens bewusst. «Die Istrier haben eine sehr enge Beziehung zum Boden. Boden verkauft nie jemand. Wer ein Haus baut, hat irgendwo auch ein bisschen Land, seine ‹Campagna›. Das ist Lebenqualität!». Aber es ist auch ein «Plan B» für Istriens Bewohner. Von vielen Kriegen geprägt, ist es für das Volk von grosser Bedeutung, sich im Notfall selbst versorgen zu können. Dies ist sichtbar; junge Olivenhaine und Weingüter, Bergdörfer mit Gemüseplantagen und zypressenumsäumte Alleen prägen die Landschaft zwischen den bewaldeten Hügeln. Die lebhaften Erzählungen der Reiseleiterin trugen viel dazu bei, dass sich die Reist-Reisenden mit dem wunderbaren Land eng identifizieren konnten.
Der «Tag mit dem Schiff» führte sie entlang der istrischen Küste ins ehemalige Fischerdorf Rovinji. Viel zu schnell vergingen in den schmalen, mittelalterlichen Gassen die zwei Stunden Aufenthalt. Durch den blaugrünen Limski-Kanal ging die Schifffahrt weiter zum Hügelstädtchen Vrsar und abends zurück nach Porec.
Der Wanderweg des Heiligen Simeon durch das abwechslungsreiche Landschaftsschutzgebiet bildete den Abschluss der Wanderwoche, bevor die Gruppe wieder an die Heimreise denken musste. Wunderbare Flora, darunter zahlreiche Orchideenarten, bereicherten die Wanderung durch die nur wenig berührte Natur, vorbei an oft überwachsenen, halb zerfallenen Dörfern – gleich einem Dornröschenschloss –, Kirchen, Kapellen und an einem der schönsten Wasserfälle Istriens, dem Sopot.
Es war die erste Wanderwoche, die Reist Reisen im Frühjahr angeboten hat. Sie ergänzte das vielfältige Angebot des Reise- und Transportunternehmens aus Wasen und wurde ins Ferienprogramm aufgenommen, weil die traditionelle Herbst-Wanderwoche immer wieder auf grosse Nachfrage und viele positive Reaktionen trifft.
Dank der ins kleinste Detail durchdachten Organisation und der umsichtigen, liebevollen Betreuung gelingt es Reist Reisen immer wieder, die Reiseprogramme auf mehr und auch auf weniger mobile Gäste auszurichten. Die warmen Dankesworte der Teilnehmenden bewiesen, dass auch diese Reise sie alle begeistert hat.

Von Liselotte Jost-Zürcher


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