• Lässig trotz grosser Anstrengung: Chris Böhm ist einer der besten BMX-Fahrer der Welt. · Bild: Leroy Ryser

22.11.2017
Sport

Mit dem BMX-Rad in eine bessere Welt

Chris Böhm, BMX-Fahrer aus Langenthal – Chris Böhm ist Entertainer und BMX-Athlet. Hinter seiner Fassade aus lässigem Lifestyle und coolen Sprüchen steckt aber mehr als Unterhaltung auf zwei Rädern. Der gelernte Kinderkrankenpfleger begeistert Menschen mit Worten und Taten und hilft psychisch kranken Kindern, sich einen Weg in der für sie rauen Welt zu finden. Der aus Bitterfeld, Leipzig, stammende 34-Jährige ist damit beruflich vielschichtig erfolgreich.

 

Radsport · Wild gestikulierend diskutiert Chris Böhm. Am liebsten über Gott und die Welt, Politik und die Menschen. Mal gibt er sich energisch, und wenn er dann einen Witz aus dem Nichts zaubert, lacht er selbst, steht auf und umrahmt seine Begeisterung mit noch mehr Gestik. Und manchmal wird er ganz ernst und fügt in typischem Deutschen Jugend-Slang Ausdrücke wie «weißt du Digga?» oder «ist doch klar oder?» hinzu. Egal was er tut, der aus Bitterfeld, Leipzig, stammende 34-Jährige zieht Menschen um ihn herum in seinen Bann.
Das gelingt ihm aber nicht nur mit Worten. Am besten gelingt es ihm auf seinem BMX-Rad. Chris Böhm arbeitet nämlich vollberuflich als Entertainer und BMX-Athlet. Auf Facebook folgen ihm über 100 000 Menschen, dazu darf er drei Deutsche Meistertitel im «BMX Flatland» und zwei Guiness-World-Records sein Eigen nennen, ausserdem hat er bei «Wetten dass ...?» in Holland gewonnen, und von der «Bravo» wurde er als spektakulärster BMX-Fahrer ausgezeichnet. Seit er 14 ist, fährt er mit dem Motocross-Velo um die Häuser, macht Strassenshows oder studiert Tricks ein, die er auf Youtube veröffentlicht. Immer wieder Neues zu erfinden spornt ihn an. Der Sport, der sich stetig wandelt, begeistert ihn genauso wie seine Familie, mit der er in Langenthal an seinem zweiten Wohnsitz daheim ist.

Auftritte vor über 30 000 Zuschauer
Langweilig wird ihm mit seiner Passion nicht. Er zelebriert Shows auf der ganzen Welt, tritt in Pausen von gros-sen Sportevents auf oder unterhält gleich mit einem eigenen Programm unzählige Zuschauer in Hallen mit über 30 000 Zuschauer. «Ich habe irgendwann bemerkt, dass ich das gut kann und ich damit ein positives Feedback erhalte», erinnert sich Chris Böhm an die Anfangszeit seiner Karriere. BMX-Fahren sei für ihn immer schon Freiheit gewesen. Mit Strassenshows habe er Menschen begeistert und hin und wieder auch Geld verdient, um sein Rad und die dazugehörigen Reparaturen überhaupt bezahlen zu können. Heute ist aus dem zeit-intensiven Hobby ein vielschichtiger Beruf geworden.

45 Minuten Unterhaltung und Action
Mittlerweile übt der Vater von Cathaline – wenn er rund um die zahlreichen Auftritte genügend Zeit hat – bis zu fünf Stunden am Tag auf dem Gelände der Firma Bösiger, die ihn auch finanziell als Sponsor unterstützt. Um sich herum hat er ein grosses Künstlernetz aufgebaut, sodass er zu einer Ein-Mann-Agentur geworden ist. Wird er für eine Show gebucht, sucht er sich seine Mitkünstler gleich selbst aus. Je nach dem, was passend ist, nimmt er mal eine Geigenspielerin mit, eine Rhythmische Sportgymnastikerin oder aber einen Breakdancer, mit dem er das selbst erfundene «BreakMX» – eine Mischung aus Breakdance und BMX-Show – aufführt. Insgesamt können seine Shows auch mal 45 Minuten dauern, mit ganz viel Action und Balance-Tricks hält er die Zuschauer an der Stange. «Bei einer solchen Show habe ich auch meine heutige Freundin kennengelernt», verrät Chris Böhm. Celine, die in Herzogenbuchsee geboren und in Langenthal aufgewachsen ist, ist der Grund, dass Böhm mittlerweile ein Oberaargauer geworden ist. «Ich würde gerne noch mehr in der Schweiz arbeiten», sagt er, weshalb er stetig versucht, hierzulande seinen Bekanntheitsgrad zu vergrössern. Grosse Projekte führte er aber auch schon in der Schweiz durch, so war er während zwei Jahren mit Christa Rigozzi in «Das Zelt» zu sehen, ebenso tritt er bei den «ZugSports» als Headliner auf, und für Rivella und G-Shock ist er in der Schweiz ebenfalls auf Tour. Zweifellos hat er aus seinem Hobby etwas Bleibendes entwickelt.

Therapie auf dem BMX-Rad
Chris Böhm aber nur auf sein BMX-Rad zu reduzieren, wäre falsch. Ursprünglich gelernt hat er Kinderkrankenpfleger, wonach er sich im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie spezialisierte. Gerade Kinder liegen ihm am Herzen, so hat er auch ein Therapieprogramm entworfen, bei welchem Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen durch das BMX-Training Ablenkung und Per-spektiven erhalten. Das zeigt, dass es bei ihm nicht nur um Nehmen, sondern auch um Geben geht – insbesondere beim Nachwuchs. «Ich bin ohne Vater aufgewachsen und meine Oma war eine wichtige Figur in meiner Kindheit», erklärt Chris Böhm. «Auch wegen ihr weiss ich, dass es auf der Welt vor allem um Liebe, Empathie und Barmherzigkeit geht.» Wenn er BMX fährt, will er deshalb nicht nur unterhalten, sondern auch begeistern. «Jeder kann etwas gut. Und das will ich den Kindern zeigen. Denn so haben sie eine Zukunft – egal woher sie kommen.» Bei vielen habe das nichts mit BMX zu tun, das Zweirad kann aber zweifellos als Türöffner fungieren.

Einen Weg aufzeigen
Im Gespräch wird immer mehr klar, dass es gewollt ist, die Menschen in seinen Bann zu ziehen. Leute faszinieren und etwas für sie tun, ist Chris Böhm wichtig. Noch heute besucht er vier Mal monatlich das Lörracher Krankenhaus und trainiert mit psychisch kranken Kindern in deren Freizeit. So kann er auch etwas zurückgeben, fördern und helfen. «Heutzutage haben Kinder keine Helden mehr, an denen sie sich orientieren können. Oder sind etwa die Teilnehmer von Adam sucht Eva Helden? Oder die Dschungel-Camp-Teilnehmer?», fragt Böhm provokant. Er selbst will deshalb nicht unbedingt ein Held sein. Aber er will einer sein, der Kindern einen Weg aufzeigt, wie man das Leben meistern kann. Und einen solchen Weg gibt es für jeden, ist der Wahl-Langenthaler überzeugt. «Meine Oma sagte immer: ‹Reden ist Silber, Taten sind Gold›. Und ich rede zwar viel», sagt er mit einem Grinsen, ehe er mit lässiger Geste wiederum ernst wird «aber ich tue auch etwas.» In seinem Fall geht das zweifellos über einfache Unterhaltung hinaus. Auch wenn sein BMX-Rad der Türöffner in diese für ihn bessere Welt gewesen ist.

Gut zu wissen
Alle Infos im Web unter www.bmx-show.ch oder auf Facebook unter dem Namen «Chris Böhm BMX». Sein Youtube-Channel heisst «Chris Böhm», auf Instagram heisst er «ChrisBMX83».

Von Leroy Ryser

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