• Dieses Auto wird auf der Rennstrecke für Aufsehen sorgen. Viele Besucher bestaunten das Werk von Künstler Reto Bärtschi. · Bild: war

28.04.2017
Langenthal

Mit dem Filzstift ein Rennauto bemalt

Während 14 Tagen hat Künstler Reto Bärtschi in der Eingangshalle des Juraparks in Langenthal eine Fahrzeug-Carrosserie verziert. Dabei konnten ihm Kunden und Besucher des Juraparks bei seiner Arbeit über die Schultern schauen. Das Spezielle an seiner künstlerischen Tätigkeit war, dass die Arbeit mit einem wasserfesten Filzstift ausgeführt wurde und die Carrosserie zu einem historischen Rennauto gehört, mit dem Besitzer Hansruedi Howald aus Heimenhausen in den kommenden Wochen Renneinsätze bestreiten wird.

Begonnen hat die aussergewöhnliche Geschichte mit einer Anfrage der Firma Faber-Castell beim Oberaargauer Künstler Reto Bärtschi. Bei Faber-Castell handelt es sich um ein traditionsreiches deutsches Unternehmen, das seit 1660 in der Herstellung von Bleistiften, später auch Füllfederhaltern, Buntstiften und Kugelschreibern tätig ist. «Sie haben mir ihre Produkte gezeigt, insbesondere den neuen, wasserfesten Filzstift, und haben mich gefragt, ob ich damit etwas malen könne», erläutert Reto Bärtschi und gibt lachend zu verstehen: «So etwas muss man mich doch nicht fragen.»
Der Betreiber des Kunsthofs in Wangenried hatte nämlich bereits ein Objekt im Kopf, wie er gegenüber dem «Unter-Emmentaler» erzählte. «Ich wusste, dass der Heimenhausener Hobby-Rennfahrer Hansruedi Howald ein historisches Rennauto besitzt, dessen Carrosserie vollkommen weiss ist», beginnt Bärtschi zu erzählen. Natürlich habe er ihn sofort kontaktiert und gefragt, ob er ihm sein Rennauto verzieren soll. Dieser habe spontan eingewilligt. Einfach auf eine Leinwand ein Bild zu malen, sei ihm für dieses Vorhaben zu simpel erschienen, und «ehrlich gesagt, finde ich das auch ein wenig langweilig», betonte Künstler Reto Bärtschi.

Grosses Interesse an Bärtschis Arbeit
Doch damit war der Ideenreichtum des 46-Jährigen noch nicht erschöpft. Bärtschi wollte viele Leute an diesem Projekt teilhaben lassen, deshalb fragte er die Clientis Bank Oberaargau an, ob er die Arbeit in der Eingangshalle des Juraparks in Langenthal vorne­h­men dürfe. Die Bank willigte ein, und so hat der Künstler während 14 Tagen die Carrosserie des historischen Rennautos hier verziert. Anschliessend wird dieses wieder am Chassis des Rennautos befestigt, mit dem Howald im Sommer dann erneut Rennen bestreiten wird.
Bärtschi findet es toll, dass seine Arbeit nicht als reines Ausstellungsobjekt dient, sondern praktische Verwendung findet. Das Interesse an seiner Tätigkeit im Jurapark sei erfreulich gross gewesen, berichtet der Künstler. «Ich bin von Besuchern und Kunden sehr oft angesprochen worden und habe erstaunt zur Kenntnis genommen, dass sich die Leute nicht nur für meine Arbeit, sondern auch für das historische Fahrzeug interessiert haben, das fand ich sehr schön und spannend.»

Keine Fehlstriche erlaubt
Die Arbeit am Rennauto habe grossen Spass gemacht, sei aber zugleich auch sehr anspruchsvoll gewesen, führt Reto Bärtschi weiter aus. Viele Ornamente und Verzierungen habe er nur mit der Lupe anfertigen können. Das sei enorm anstrengend und ermüdend gewesen. Spätestens nach 20 Minuten habe er jeweils eine Pause einlegen müssen. Denn eines war sich Reto Bärtschi von Anfang an vollauf bewusst: Mit einem wasserfesten Filzstift zu zeichnen, erlaubt keinen einzigen Fehler. «In der Tat», bestätigt er, «wenn ich einen Fehlstrich gemacht hätte, wäre ich am A… gewesen», fügte er herzhaft lachend hinzu.

Erfreuliches Echo
Das Resultat ist beeindruckend und dürfte nicht nur auf den Rennstrecken für Aufsehen sorgen. Auch Faber-Castell sei mit seiner Arbeit sehr zufrieden, betonte der Künstler. Das Unternehmen habe sogar einen Image-Film gedreht. «Das Rennauto dient als tolles Beispiel dafür, dass man mit den Filzstiften von Faber-Castell sogar ein ganzes Auto bemalen kann.» Vielleicht werde er seinen Fiat auch noch anmalen, scherzte Bärtschi zum Schluss. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er damit noch warten muss, weil noch andere auf den Geschmack kommen und sich bei Reto Bärtschi melden könnten, weil sie gewisse Gegenstände bemalen oder verzieren möchten.

Von Walter Ryser

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