• «Wasserhäiseli» sagt Micheli im Lusbad seine Zukunft voraus (von links): Fritz Wüthrich, Andreas Lüthi, Andreas Staub und Sandra Leuenberger. · Bild: Barbara Graber

05.12.2016
Huttwil

Mit den Jodlern auf Brautschau

«Der Micheli uf der Gschoui» heisst das Lustspiel, welches der Jodlerklub Schwarzenbach anlässlich seiner diesjährigen Konzert- und Theaterreihe präsentiert. Nach einem erfolgreichen Auftakt mit gelungenem Schauspiel und berührendem Gesang wird der Anlass noch dreimal wiederholt.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer blicken gespannt auf die Bühne, wo sich gleich der Vorhang heben und das Theaterspiel beginnen soll. Plötzlich erklingt Jodelgesang – jedoch aus ungewohnter Richtung. Der Jodlerklub Schwarzenbach hat sich hinten im ausverkauften Städtlisaal des Hotels Kleiner Prinz formiert. Mit «Ds Bärnbiet» von Jakob Ummel eröffnet er  Hans Corrodis Lustspiel «Der Micheli uf der Gschoui».

Musik, die von Herzen kommt    
Doch zu Micheli und seiner Geschichte später mehr. Am Wochenende brachten die Schwarzenbacher Jodlerin und Jodler einen gelungenen Auftakt ihrer diesjährigen Konzert- und Theaterreihe auf die Bühne. Im ersten Teil ihres Traditionsanlasses präsentierten sie ihren Gästen einen bunten Strauss Jodlerkost. «Singe tue i jede Tag, wiu i ds Singe eifach mag», hiess es im Lied «Zum Singe zmuet», dessen Komponist Ruedi Thöni der langjährige Dirigent des Jodlerklubs ist. Dass die Schwarzenbacher leidenschaftlich gerne singen, ist für den Zuhörer deutlich spürbar, ihr Gesang kommt
von Herzen. In Ueli Moors «Läbes­gschicht», einem klangvollen Naturjutz, kam das Zusammenspiel der klaren Oberstimmen und der tragenden, kräftigen Bässe schön zur Geltung. «Was i gspüre» stammt ebenfalls aus der Feder von Ueli Moor. Die Sängerin und die Sänger überzeugten mit berührender Dynamik und bewiesen, dass sie auch leise Töne anschlagen können. Ein Höhepunkt bildete Adolf Stählis «Es Lied wo s Härz erfreut». «Älplerzyt» von Neldi Ming sowie «Bärnerland bhüet Gott» von Johann Rudolf Krenger und Karl Grunder ergänzten das abwechslungsreiche Konzertprogramm.
Der frischgebackene Präsident Fritz Wüthrich schloss seine Jodlerkameraden aktiv ins Programm ein. Jeder Liedblock wurde von einem Jodler aus einer anderen Stimme angesagt. Drei Örgelischülerinnen von Jodlerin Marianne Kämpfer rundeten den Konzertteil des Unterhaltungsabends mit ihren Darbietungen ab. Nadine Gisler sowie Patricia und Eveline Bernhard sorgten mit ihren Instrumenten für gute Stimmung im Städtlisaal.

«Gwybet muess sy»    
Im zweiten Teil des Abends entführten die Laienspielerinnen und Spieler ihre Gäste in das Jahr 1812 und damit in die Zeit von Napoleons Russlandfeldzug. «Der Micheli uf der Gschoui» ist ein humorvolles Lustspiel von Hans Corrodi. Er hat es frei nach Jeremias Gotthelfs Erzählung «Michels Brautschau» gestaltet.     
Der Knubelbauer Micheli hat genug davon, zum Narren gehalten zu werden. Seine Pflegemutter Anni behütet ihn immer noch wie eine «Gluggere» ihre Küken, weshalb im Dorf über ihn gelacht wird. Micheli sieht nur zwei Möglichkeiten, um dem Dilemma zu entrinnen. Entweder er zieht für Napoleon in den Krieg oder er heiratet. Micheli entscheidet sich entgegen der Warnung von Anni, die jungen Frauen seien heutzutage nichts mehr Wert, schliesslich für das Zweite. Er und sein Bruder Sami sind sich einig: «Gwybet muess sy», und zwar am liebsten eine arbeitsame und häusliche Dame, die alles so macht, wie Anni. Und so macht der junge Bauer sich auf zur ­«Gschoui». In den Wirtshäusern stellen der Knubelbauer und sein Bruder Sami die potentiellen Bräute auf die Probe. Sie lassen sie lange warten und Michelis Hund Bäri bekommt die grössten Bratenstücke. So stellt sich auch die junge Käthi, die in Begleitung ihrer gehässigen Gotte im Lusbad erscheint, als schlechte Partie raus. Ein Wahrsager schickt Micheli schliesslich ins Chuttlebad. Ob er dort seine grosse Liebe finden wird?

Lebendiges und humorvolles Spiel
Die Darstellerinnen und Darsteller überzeugten mit lebendigem und humorvollem Spiel in einer passenden Rollenverteilung. Bäri alias Obelix, der Berner Sennenhund von Hauptdarsteller Fritz Wüthrich, sorgte für zusätzliche Lebendigkeit auf der Bühne.
Regisseurin Madeleine Rickenbacher meisterte ihr «Gesellenstück» mit Bravour. Licht- und Toneffekte brachten Abwechslung in die humorvolle Inszenierung. Die schöne Maske und die stilvolle Kostümierung verliehen den Geschehnissen im Städtlisaal zusätzliche Authentizität.

Tanz mit verschiedenen Gästen    
Das Schwyzerörgeliquartett Lüderegruess spielte im Anschluss an das Theater zum Tanz auf. An der Vorstellung vom Samstag, 10. Dezember, in Wyssachen wird das Ländlertrio Has gib Gas zu Gast sein. Mit einem Ständli zur Geisterstunde rundete der Jodlerklub Schwarzenbach seinen unterhaltsamen Konzert- und Theaterabend ab. Aufgrund des guten Vorverkaufs findet am Mittwoch, 14. Dezember, um 20 Uhr im Hotel Kleiner Prinz eine Zusatzaufführung statt (weitere Daten unten).

Weitere Aufführungen
Morgen Mittwoch, 7. Dezember, und Samstag, 10. Dezember, 20 Uhr, im Kirchgemeindehaus Wyssachen. Ab 18.30 Nachtessen möglich. Zusatzaufführung: Mittwoch, 14. Dezember, 20 Uhr im Hotel Kleiner Prinz, Huttwil. Vorverkauf/Reservation für alle Aufführungen bei der Papeterie Blatter, Huttwil, Tel. 062 962 21 20. Mehr unter www.jodler.ch/schwarzenbach

Von Barbara Graber