• Ezio Cescato im neuen Schiessstand der Anlage Fischbächli. Diese wurde in den letzten Jahren komplett erneuert. · Bild: Leroy Ryser

10.05.2017
Oberaargau

Modernisierung bietet Grund zum Feiern

Die Arbeit ist getan, jetzt ist das Vergnügen angesagt: Die Schützengesellschaft Melchnau und die Feldschützengesellschaft Altbüron feiern gemeinsam mit einem Standerneuerungsschiessen in der Anlage Fischbächli. Diese haben sie in den letzten Jahren zu einer der besten Schiessanlagen der Region erneuert.

Melchnau · Im Jahr 2007 hat die Schützengesellschaft Melchnau begonnen, die Schiessanlage Fischbächli kontinuierlich zu erneuern. Damals wurde ein Raum angebaut, der heute das Büro beheimatet und Platz für einen Munitionsraum bietet. Während früher das Büro mitten im Schiessraum stand, gibt es dort seither genügend Platz für den Rücklauf wartender Schützen. Im Jahr 2013 wurde dann gemäss den nationalen Vorgaben ein neues Kugelfangsystem eingebaut und nun, im vergangenen Jahr, haben die Melchnauer Schützen auch noch die Scheibenanlage mitsamt Elektronik komplett ersetzt. «Wir haben jetzt eine der besten Anlagen in der Umgebung», sagt Ezio Cescato, der 40 Jahre lang als erster Schützenmeister tätig war, mit Stolz. Die komplette Anlage in dieser Grösse, mitsamt Clubhaus und Büroräumlichkeiten, ist höchstmöglicher Standard. Insbesondere die Technologie kann zurzeit nicht getoppt werden. «Das macht uns attraktiver. So kommen vielleicht noch mehr Vereine und schiessen bei uns», hofft Ezio Cescato.

Rund 20 000 Franken fehlen noch
Bereits jetzt sind die Schiessevents der Melchnauer gut besucht. Das hat nicht zuletzt auch mit der eigenen Aktivität der Mitglieder zu tun. Weil die Melchnauer oft auswärts schiessen, kommen andere Vereine ebenso. Ein Rücklauf entsteht, der nicht zuletzt auch die Kassen füllt. «Wir haben seit 20 Jahren pro Schuss jeweils 15 Rappen in einen Erneuerungsfonds flies-sen lassen», erklärt Ezio Cescato. Dieser Fonds hätte für die Erneuerung der Scheibenanlage genügt, wäre nicht der Parkplatz erneuert und der Büroanbau gebaut worden. «Deshalb sind wir auf weitere Mittel angewiesen», so Cescato weiter. Die SG Melchnau und die FSG Altbüron, die beide im Fischbächli schiessen, haben sich deshalb entschieden, ein Standerneuerungsschiessen abzuhalten, welches weitere Mittel generieren soll. «Bereits jetzt haben wir 50 000 Franken an Sponsoring-Geldern einnehmen dürfen. In den letzten Jahren haben wir jeweils keine Anfragen gestartet, so konnten wir uns dieses Mal trauen, möglichst viele Sponsoren anzufragen.» Die Antworten seien jeweils sehr positiv gewesen. Das Schiessbüchlein für den Event, der am letzten April-Wochenende begann und am kommenden Wochenende endet, ist mit Sponsoring-Inseraten entsprechend gut gefüllt. Das genügt letztlich aber noch nicht ganz. «20 000 Franken fehlen uns schon noch. Dafür hoffen wir auf rund 2000 Schützen, dann sollte es genügen», erklärt Ezio Cescato, der das OK-Präsidium des Festes übernommen hat. Mit einem erfolgreichen Fest sollte die Rechnung für die SG Melchnau mit einer schwarzen Null aufgehen. Dann ist die Anlage schätzungsweise für die nächsten 25 Jahre auf mehr als genügend gutem Stand. Jene Elektronik-Anlage zuvor hatte dieselbe Einsatzdauer. Nicht zuletzt haben aber auch die Mitglieder einen grossen Beitrag zur Renovation geleistet, alleine 20 000 Franken wurden von Mitgliedern der SG Melchnau gesprochen, auf der Sponsoren-Suche haben sich weitere Beiträge ergeben. «Auch die Gemeinden Melchnau und Altbüron haben uns einen Beitrag gesprochen», so Cescato weiter. Die Gesamtkosten für die Erneuerung beliefen sich auf 250 000 Franken.

Bald schon ein Zuschauersport
Das neue System trägt den Namen «Sintro 300» und wurde zuvor vor allem von der Armee gebraucht. In Schiessanlagen war dieses zuvor eher unbekannt, Melchnau hat sich somit an einen unbekannten Anbieter gewagt. Dieser unterscheidet sich vor allem auch wegen den Druckern. «Andere Systeme bieten nur Thermodrucker an. Das wird beim Fasnachtsschiessen schwierig, weil wir da manchmal Minus-Temperaturen haben, den Drucker aber dennoch brauchen», erklärt Ezio Cescato. Im Vorfeld des Kaufs wurden die unterschiedlichen Anlagen unter die Lupe genommen, ehe der Entscheid fiel. Gebraucht wurde die neue Anlage bereits sieben Mal. Vier Mal wurde im Rahmen der Wintermeisterschaften geschossen, drei Mal unter dem Deckmantel des Fasnachtsschiessens. «Die Anlage hat sich nicht nur bewährt, sie hat bei vielen sogar Staunen ausgelöst», sagt Ezio Cescato. Andere Vereine hätten sich interessiert für die Neuerung, insbesondere jene, die selbst eine Renovation planen. Hauptveränderungen in Melchnau sind die elektronischen Neuheiten. Fortan sieht nämlich nicht nur der Schütze selbst, wie gut er schiesst, sondern auch die Zuschauer. Oberhalb des Schützen wird auf einem weiteren Bildschirm das Resultat sofort nach dem Schuss angezeigt. Ebenso werden im Clublokal – eine Etage tiefer – auf einem Fernseher die Resultate abgebildet. «Die Leute hängen
im Clublokal weniger am Handy», schmunzelt Ezio Cescato und hängt an: «Dafür schielen sie öfter in Richtung Fernseher.» Das Standblatt gibt es derweil nur noch als Quittung für den Schützen. Wer sich nämlich beim Eintritt erfassen lässt, der wird auch automatisch und ohne Zutun des Schützens abgerechnet. Eine vollautomatisierte Anlage, welche die Arbeit vereinfacht und die Nutzer begeistert. Ausserdem wird das Schiessen damit auch für die Zuschauer interessanter.

Gut zu wissen
Wer den rundum neuen Bau beim Standerneuerungsschiessen testen will, hat dieses Wochenende noch zwei Möglichkeiten: Freitag, 12. Mai, und Samstag, 13. Mai. Genaue Daten, Öffnungszeiten und weitere Details gibt es auf der Website der Schützengesellschaft Melchnau: www.sg-melchnau.ch. Geschossen wird auf «Luzerner» und «Berner» Art. Während bei der Berner Art der Gruppenwettkampf im Vordergrund steht, wird bei den Luzernern das Vereinsresultat für den Wettkampf «Luzerner Meisterschütze» (LMS) gewertet. Die Schützen dürfen aber auch beide Wettkämpfe schiessen.

Von Leroy Ryser

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