• Schneiderin Jasmin Hugentobler in der Oberaargauer Tracht. · Bild: Silas Bitterli

15.06.2017
Oberaargau

Nach dem Lied nun die Tracht

Wenn ein Sekundarlehrer ein Lied perfekt auf die Bühne bringt, ist das noch kaum etwas Ausserordentliches. Wenn dieser Lehrer aber zusammen mit einem kompetenten, auserlesenen Team die Oberaargauer Tracht aus dem Jahre 1933 zur völlig neuen Blüte auf die Bühne bringt, lässt das schon eher hinhorchen.

Oberaargau · Dem Herzogenbuchser Musikklehrer Ueli Liechti ist dies jedoch dank seiner Begeisterung und Beharrlichkeit und in Zusammenarbeit mit dem Langenthaler Art Designer Silas Bitterli sowie der jungen Trachten-Schneiderin Jasmin Hugentobler, Herzogenbuchsee, gelungen. Einen nicht unwesentlichen Anteil zum Gelingen, die Oberaargauer Tracht aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken, trug auch Regierungsstatthalter Marc Häusler bei. Der Vizepräsident des Vereins Identität Oberaargau zeigte von Beginn weg Begeisterung für die Sache. Er war es dann auch, der vergangene Woche im Schloss Wangen a. A. die Macher und die zahlreichen geladenen Gäste zur Präsentation der neuen Tracht begrüsste. Die in einem speziellen Grünton gehaltene neue Tracht fand durchwegs grossen Anklang. Sie soll nach der Präsentation im Schloss Wangen a. A. einen Platz bekommen und anschliessend an verschiedenen Orten im Oberaargau ausgestellt werden.

Tracht mit Musik vereint
Nachdem nun «ds oberaargouer lied» aus dem Jahr 1946 in vier verschiedenen Versionen seit 2012 neu auf einer CD existiert, hat sich Ueli Liechti diese Melodie zur musikalischen Inspiration für die Präsentation der neuen Tracht genommen. Am Schwyzerörgeli Thomas Aeschbacher, Walter Lüthi und Ueli Liechti selber, mit der Gitarre begleiteten Ueli Lüthi, Marc Häusler und Silas Bitterli den Veilchen-Walzer, in welchem die Trägerin des neuen Kleides Jasmin Hugentobler selber mittanzte. Die Präsentation der neuen Tracht nahmen mit Beat Kobel – der wohl grösste Trachtenkenner landesweit –  und Jasmin Hugentobler höchst persönlich vor. «Sie wuchsen während den Anfertigungsarbeiten zu einem prächtig harmonierenden Duo zusammen», sagt Ueli Liechti.

«Sehr spannend für mich»
Aus einem Gespräch mit Projektleiter Ueli Liechti geht hervor, dass die Idee einer neuen Oberaargauer Tracht bereits vor gut zwei Jahren im Kopf des Herzogenbuchseer Lehrers gereift ist. Nach den verschiedenen erforderlichen Abklärungen schritt man vor einem Jahr zur Tat. Liechti kontaktierte den Langenthaler Art Designer Silas Bitterli, mit dem er bereits seit längerer Zeit vorwiegend auf musikalischer Basis zusammenarbeitet. «Ich kam mir vor wie ein Ausserirdischer, als er mich um die Mithilfe beim Trachtenprojekt bat, es interessierte mich und ich sagte zu.» Seither ist Bitterli mit dem Projekt längt verwurzelt und hat auch bereits eine prächtige Broschüre zum Thema «Oberaargouer Tracht» verfasst. Während zweier Tage bereiste das Projektteam den Oberaargau, machte Landschaftsbilder, fotografierte Schürzenstoffe, Nähateliers, Webstühle und immer wieder Modelle der neuen Tracht. Ein kleines Werk entstand, in welchem auch ein Abschnitt über die Historie des Trachtenwesens Platz fand. Ein Werk, das äus-serst sehenswert ist. «Es war eine spannende Arbeit für mich, mit diesen Trachtenleuten zusammenzuarbeiten», sagte Bitterli anlässlich der Präsentation im Schloss von Wangen a. A.

Hilfe vom Fachmann erhalten
Das kleine Projektteam hatte in der Person von Beat Kobel aus Schüpfen  einen der wohl prädestiniertesten Trachtenfachleute der Schweiz zur Seite. «Wir haben während dem ganzen Auswahlverfahren auch kleine Tipps und Hinweise ernst genommen und sorgfältig geprüft. Nicht ganz einfach war die Suche nach geeigneten Weberinnen, sie sind zu einer Art Rarität geworden», sagt Ueli Liechti. Mitte Januar begannen dann im Atelier von Beat Kobel in Schüpfen die Schneiderarbeiten. In der darauffolgenden Zeit hat die junge Schneiderin den Weg von ihrem Wohnort Herzogenbuchsee nach Schüpfen und zurück viele Male zurückgelegt, bis das prächtige Werk zur Präsentation letzter Woche fertig war. 

Von Armin Leuenberger

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