• Greti Rickli und Meieli Moser lieferten stets eigenhändig Hilfsgüter nach Rumänien – dahin, wo die Menschen knapp ein Dach über dem Kopf haben. · Bild: zvg

  • «Licht im Osten» übernimmt Pro Romania. Meieli Moser (links) und Greti Rickli flankieren Matthias Schöni, Geschäftsleiter von LIO. · Bild: Vreni Schaller

10.05.2017
Oberaargau

Nachhaltige Lösung für Pro Romania

Unerwartete Veränderungen zwangen die Verantwortlichen vom Gutenburger Hilfswerk und Verein Pro Romania vergangenen Sommer zu einem grundlegenden Richtungswechsel. Anstatt die Zukunft weiterhin unabhängig zu gestalten, ist Pro Romania seit dem 1. April 2017 in das Missions- und Hilfswerk «Licht im Osten» (LIO) mit Sitz in Winterthur integriert. An der 16. Mitgliederversammlung Anfang Mai wurde der Verein aufgelöst.

Gutenburg/Madiswil · «Vor einem Jahr hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass ich heute diese Mitgliederversammlung leite», eröffnete Greti Rickli, Vizepräsidentin und Projektleiterin von Pro Romania, die Versammlung – die letzte, wie kurze Zeit später entschieden wurde. Vorgesehen war, dass sie dieses Jahr die Projektleitung abgeben und sich ganz aus dem Vorstand zurückziehen würde.
Voller Überraschungen sei das Geschäftsjahr dann aber gewesen, blickte die engagierte Gutenburgerin zurück. Vergangenen Sommer demissionierte der neue Vereinspräsident nach etwas mehr als einem Jahr Amtszeit. Die geplante Stabsübergabe wurde somit hinfällig.

Wie und wo weiter?
Greti Rickli – die treibende Kraft des Hilfswerks – übernahm die Führung ad interim. Sofort suchte der Vorstand nach einer zukunftsorientierten Lösung. Es folgte die Kontaktaufnahme mit dem zertifizierten Hilfswerk «Licht im Osten», das in zwanzig östlichen Ländern zu denen Rumänien zählt, tätig ist. «Wir fragten dessen Geschäftsleiter Matthias Schöni an, ob LIO bereit wäre, unsere Arbeit zu übernehmen und ob eine Integration unserer Projekte möglich sei », schilderte Greti Rickli den Lauf der Dinge.

Ein Herz für die Schwächsten in Rumänien
Der in einem Transportunternehmen aufgewachsene, gebürtige Oberaargauer und einstige Sauerkraut-König reiste daraufhin nach Rumänien. Schöni besuchte die Kontaktpersonen und informierte sich über die Arbeit von Pro Romania vor Ort. LIO sagte der Übernahme zu, was in Gutenburg grosse Freude auslöste.
«Für mich hätte nichts Besseres passieren können! Es ist ein grosses Glück, dass unsere Arbeit durch LIO kompetent, professionell und im Vertrauen auf Gott weitergeführt wird und unsere Schützlinge weiterhin betreut werden», meinte Greti Rickli – erleichtert und sehr dankbar.
Umgehend wurden in der Folge die Projekte von Pro Romania an LIO übertragen. Die Übergabe war bis zur Mitgliederversammlung weitgehend abgeschlossen. Das Geschäftsjahr konnte nach turbulenten Ereignissen mit positivem Ausgang und erfolgreichem Abschluss beendet werden. Alle 22 Mitglieder stimmten der Auflösung des Vereins zu.
Während fast 30 Jahren engagierten sich Greti Rickli und Meieli Moser für Rumänien. Vor 16 Jahren wurde das Hilfswerk Pro Romania gegründet, um den Romas, den Schwächsten der Schwachen in Rumänien, zu helfen. Meieli Moser präsidierte den Verein 10 Jahre lang, Greti Rickli hatte während 16 Jahren die Projektleitung inne.

LIO – Hilfe vor Ort und echte Zukunftsperspektiven
Mehrmals jährlich fuhren die beiden 75-Jährigen mit einem beladenen Lieferwagen nach Rumänien. Zudem erhielten Kinder und Jugendliche Schul- und Ausbildungsbeiträge. Es wurden Kinderlager, Sportprogramme und Sonntagsschulen organisiert und finanziert, um benachteiligte Kinder ganzheitlich zu unterstützen. Familien in ärmsten Verhältnissen erhielten Lebensmittel. Durch die Förderung vor allem junger Menschen leistete Pro Romania direkte, unbürokratische Hilfe zur Selbsthilfe.
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung stellte der aus Winterthur angereiste Matthias Schöni das Missions- und Hilfswerk «Licht im Osten» vor. Seit über 90 Jahren ist LIO mit Sitz in Deutschland und der Schweiz in Osteuropa und Zentralasien tätig. Die Schweizer Organisation transportiert jährlich 420 Tonnen Hilfsgüter in Krisengebiete und zu Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben.  
LIO arbeitet mit lokalen Partnern, investiert in Menschen und ihre Projekte, hilft nach dem Grundsatz: Not lindern, Glauben wecken, Zukunft ermöglichen. Von den jährlich rund 4,5 Millionen Franken Spenden werden gerade mal 7 % für Administration, Werbung und Kommunikation aufgewendet – das Geld fliesst dahin, wo es dringend gebraucht wird.

Das Lebenswerk gsorget gä
Zum Schluss motivierte Greti Rickli die rund 30 Anwesenden, ihre Spendengelder nun LIO zukommen zu lassen, wo sie, mit entsprechendem Vermerk, explizit zur Unterstützung der Projekte von Pro Romania eingesetzt werden. Die Annahmestelle für Kleider und Hilfsgüter bleibt in Gutenburg bei Meieli Moser und Greti Rickli. LIO übernimmt den Transport.
Die beiden Frauen werden – auf privater Basis – weiterhin ihre Freunde in Rumänien besuchen. Und können, wie sie sagen, mit grosser Freude und Dankbarkeit ihr Lebenswerk gsorget gä. Ein bisschen Wehmut liegt an diesem Abend dennoch in der Luft.

Von Vreni Schaller

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