• «Nelio» gehört Jean Chêne aus Damvant und absolvierte den Stationstest 2018. Bilder: Karin Rohrer

  • Roland und Andrea Rothenbühler mit «Florence», der Mutter von Zuchthengst «Nelio».

27.07.2018
Emmental

«Nelio» verbindet Emmental und Jura

Oftmals kreuzen sich die Wege von Menschen immer wieder und manchmal entstehen daraus Freundschaften. Im Mittelpunkt so einer Geschichte steht der dreijährige Freibergerhengst «Nelio», der einen Kreis schliesst, welcher Züchter aus dem Emmental und Jura miteinander verbindet.

SCHWANDEN · Freibergerzüchter Jean Chêne aus Damvant besass einmal eine Stute namens «Samba», welche er an Hans Gerber, damals Zuchtkommissions-Präsident, im emmentalischen Gohl verkaufte. «Samba» wurde mit «Deli» gedeckt, einem im Gohl stationierten Gestütshengst. In das aparte Stutfohlen aus dieser Belegung, «Fleuri», verliebte sich der Schwiegervater von Roland Rothenbühler, René Gerber,  Züchter in Schlosswil. «26 Jahre alt ist ‹Fleuri› heute, und die vielseitige Freibergerstute wurde für viele Rösslifahrten eingesetzt wie auch zur Zucht. So wurde sie mit ‹Harkon› von Bernhard Wüthrich gedeckt und gebar das Stutfohlen ‹Florence›, welches wir erworben haben», erklären Andrea und Roland Rothenbühler.

Sechs Hengstfohlen in Serie

Sie haben die Stute selber ausgebildet und am Feldtest vorgestellt, später mit ihr gezüchtet. SB B Elite Sport Zuchtstute «Florence» ist heute zwölf Jahre alt und hat im Stall der Familie Rothenbühler sechs Hengstfohlen zur Welt gebracht. «Florence» sei ziemlich verfressen, sagt Andrea Rothenbühler. «Aber sie ist ein ausgezeichnetes Freizeitpferd, wird geritten und gefahren. Zudem kann sie für Gesellschaftsfahrten eingespannt werden und ist flexibel genug, auch mal Gülleschläuche zu schleppen. Aber vor allem ist sie topverlässlich und sehr brav im Umgang», ergänzt Andrea Rothenbühler, welche die Stute regelmässig reitet. Das erste Fohlen von «Florence» wies zu viele weisse Abzeichen auf, ein anderes wurde zu gross. 

Aber bei Fohlen Nummer vier, Hengst «Nelio», passte einfach alles. Eine hübsche Blume auf der Stirn, das Wesen seiner Mutter und viel Gelassenheit, trotz des hohen Fremdblutanteils: «Dieser kleine Hengst war unkompliziert, überhaupt nicht hengstig und hat uns mit seinen Gängen und dem ansprechenden Ausdruck und Typ schon im Fohlenalter bezaubert», erinnert sich Andrea Rothenbühler.

Sportlich und vielseitig

«Nelios» Vater, der Gestütshengst «Népal», braucht man im Emmental kaum mehr vorzustellen. «Népal» ist Stationstest-Sieger und Vater von zwölf anerkannten Hengsten. «Nelio» ging als Champion der Fohlenschau 2015 in Eggiwil hervor und wurde noch im Fohlenalter von Jean Chêne gekauft. Dessen Sohn, Jean-Philippe Chêne, ist Gestütsmitarbeiter und saisonal als Hengstbetreuer auf der Station Gohl. Er sah das Fohlen bei Rothenbühlers und wusste, dass «Nelio» wie gemacht war für seinen Vater. «Als Jean Chêne den Kleinen bei uns besichtigte und einen Blick in die Abstammungspapiere warf, ging ein Strahlen über sein Gesicht, als er sah, dass ‹Nelios› Urgrossmutter seine «Samba» gewesen war», erinnert sich Meisterlandwirt Roland Rothenbühler an diesen Tag, als sich der Kreis        Chêne-Rothenbühler wieder schloss.

Im Januar wurde «Nelio» an der nationalen Hengstselektion in Glovelier vorgeführt. Mit den Exterieur-Noten 8,6,8 verliess «Nelio» den Schauring und schloss mit dem 10. Rang ab, ebenso am Stationstest in Avenches. «Wir haben uns sehr gefreut, dass dieser von uns gezüchtete Hengst gekört wurde. ‹Nelio› wird bei Familie Chêne im Jura decken und mittels Promotionsprüfungen weiter im Fahrsport gefördert», sagt Roland Rothenbühler.

Rothenbühlers haben zu Hause im Niederbach «Nelios» Vollbruder «Noah» im Stall. Der vierjährige Wallach wird von deren Tochter Nadine geritten. Starts in Dressurprüfungen sind geplant und natürlich ist er auch gefahren, hat bereits als Dreijähriger Fahrprüfungen bestritten. Zusammen mit seiner Mutter «Florence» wird der noch junge «Noah» für Rösslifahrten eingesetzt, wo Gelassenheit und Verkehrssicherheit quasi nebenbei erlernt werden können. 

Eine Rösselerfamilie durch und durch

Nebst der 27-jährigen Freibergerstute «Fabienne» sind noch zwei Ponys und ein Pensionspferd im Niederbach aufgestallt. «Und zwei Jungpferde sind zurzeit bei Jean Chêne im Jura auf der Fohlenweide», ergänzt der 47-Jährige, dessen Familie mit der von Jean Chêne mittlerweile eine schöne Freundschaft und ein reger Austausch verbindet.

Verbundenheit mit dem Jura

«Jean Chêne kommt jeweils an unsere Fohlenschau im Emmental und wir unternehmen dafür immer einen Ausflug in den Jura, um unsere Fohlen zu besuchen», lacht Andrea Rothenbühler, welche zu Hause für die Pflege der Pferde und den Stall verantwortlich ist. Familie Rothenbühler bildet die selber gezogenen Pferde aus und stellt sie jeweils am Feldtest vor, die Freiberger sind hier definitiv eine Familiensache. «Ich bin froh, unterstützt mich meine Familie bei der Zucht und Ausbildung der Pferde dermassen, das schätze ich sehr», betont Roland Rothenbühler, welcher als Gemeindepräsident von Rüderswil auch politisch die Zügel in der Hand hält und Vorstandsmitglied der Pferdezuchtgenossenschaft Ober-emmental ist.

Von Karin Rohrer

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