• Noch ist nicht klar, in welche Richtung die «touristischen» Wegweiser des Oberaargaus in Zukunft zeigen werden. · Bild: L. Jost-Zürcher

26.05.2017
Oberaargau

Neue Tourismusstrategie muss warten

Die Region Oberaargau muss weiter auf eine neue Tourismus- und Freizeitstrategie warten. Langenthal hat an der Delegiertenversammlung der Region Oberaargau die Gemeindepräsidenten davon überzeugt, dass dieses Geschäft vorgängig einer Vernehmlassung unterzogen werden sollte. Damit wird die Region Oberaargau im Bereich Tourismus vorerst noch nicht professionell vermarktet.

Oberaargau · Die Region Oberaargau ist keine typische Tourismus-Destination. Dennoch bietet die Region vom Jurasüdfuss über Langenthal bis nach Huttwil viele attraktive Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten. Umso wichtiger wäre es, einerseits die bestehenden Angebote professionell zu vermarkten, andererseits neue, attraktive Tourismus- und Freizeitangebote zu schaffen.

Hochschule empfiehlt eigenständige Tourismusorganisation
Bislang wurde der Bereich Tourismus von Uschi Tschannen (Seeberg) im Mandat wahrgenommen. Eine Stellvertretung existiert nicht. Um die Tourismustätigkeit für die Region Oberaargau zu intensivieren und weiter zu entwickeln, hat die Region Oberaargau das Institut für Tourismuswirtschaft ITW der Hochschule Luzern beauftragt, eine Organisationsanalyse durchzuführen und Lösungsvorschläge auszuarbeiten. Die Hochschule kam in ihrer Analyse zum Schluss, dass die Tourismus- und Freizeitförderung im Oberaargau künftig an eine eigenständige Tourismusorganisation mittels Leistungsvertrag delegiert werden sollte. Für die operative Geschäftsführung ist in der Startphase Pro Regio Huttwil vorgesehen. Die heutigen Gemeindebeiträge sollen dazu ab 2018 für mindestens vier Jahre von 0,40 auf 2.50 Franken pro Einwohner angehoben werden. Nach drei Jahren soll dann eine Standortbestimmung klären, ob und in welcher Form die Tourismus- und Freizeitförderung weitergeführt werden soll.

Gemeinden sollen Stellung beziehen können
So weit, so gut, oder eben auch nicht, denn an der Gemeindepräsidentenkonferenz der Region Oberaargau in Wiedlisbach stellte Langenthal den Antrag, das Geschäft von der Traktandenliste zu streichen. Stadtpräsident Reto Müller begründete das Vorgehen damit, «dass wir im Gemeinderat Langenthal der Meinung sind, dass dieses Vorgehen nicht optimal ist. Wir glauben, dass es falsch ist, zuerst eine Organisationsform zu definieren und erst anschliessend wird dann geschaut, was genau zu tun ist.» Müller betonte, dass die Stadt Langenthal überhaupt nicht gegen eine neue Tourismusstrategie sei, aber er plädierte vehement dafür, dass man vorgängig auch über bestehende und neue Inhalte sowie Möglichkeiten des regionalen Tourismus diskutieren sollte. Deshalb stellte er den Antrag, die vorgesehene, neue Tourismus- und Freizeitstrategie vorgängig einer Vernehmlassung in den Gemeinden zu unterziehen. Unterstützung erhielt Reto Müller von Marianne Burkhard, Gemeindepräsidentin von Roggwil, die es ebenfalls als wichtig erachtet, die Haltung der Gemeinden zu diesem Geschäft zu kennen. «Deshalb wäre es sinnvoll, wenn die Gemeinden via Vernehmlassung Stellung beziehen könnten.» Der Argumentation von Langenthal und Roggwil folgten in der abschliessenden Abstimmung die Mehrheit der Gemeindevertreter, die mit 85 zu 69 Stimmen entschieden, das Geschäft zurückzustellen und in eine Vernehmlassung zu schicken.

Unerwarteter Gewinn dank Subventionen
Die übrigen Traktanden gaben zu keinen weiteren Diskussionen Anlass. Die Jahresrechnung schliesst mit einem unerwarteten Gewinn von 125 833 Franken. Dieser hohe Gewinn, vorgesehen war ein Verlust von 13 550 Franken, resultiert durch die rückwirkend ausbezahlten Kantonssubventionen in der Höhe von 113 123 Franken im Zusammenhang mit der ökologischen Qualitätsvernetzung. Bei den Spezialfinanzierungen wurden Einlagen von
92 512 Franken getätigt, demgegenüber wurden 19 423 Franken entnommen. In den Spezialfinanzierungen stehen damit total 632 421 Franken zur Verfügung. Zusammen mit dem freien Eigenkapital von 277 946 Franken ergibt dies ein verfügbares Kapital von 910 367 Franken. Zugestimmt haben die Delegierten der Schaffung einer neuen Kommission Abbau, Deponie und Transporte (ADT), die bisher in der Kommission Regionalentwicklung angegliedert war, die aus der früheren Kommission Planung hervorgegangen ist. Zum Schluss der Versammlung wurden die scheidenden Vorstandsmitglieder Peter Haudenschild (Niederbipp, fünf Jahre), Hansjörg Muralt (Huttwil, acht Jahre) und Thomas Rufener (Langenthal, zehn Jahre) verabschiedet, die auf Ende 2016 von ihren politischen Ämtern in ihren Gemeinden zurücktraten. Neu im Vorstand vertreten sind dafür die neuen Stadt- und Gemeindepräsidenten Reto Müller (Langenthal), Walter Rohrbach (Huttwil) und Sybille Schönmann (Niederbipp). 

Von Walter Ryser

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