• Das Leitungsteam der Napf-Chäsi AG (v.l.): Markus und Luzia Stirnimann, Elmar Lustenberger, Karin Schwegler und der Präsident der Käsereigesellschaft Napf AG, Walter Vogel. · Bild: Heini Erbini

10.09.2018
Luzerner Hinterland

Neuer Käsekeller dank Innovationsfreude

Letzten Freitag wurde in Hofstatt der neue Käsekeller der Luthertaler Käsereigesellschaft Napf AG im Beisein einer grossen Gästeschar eingeweiht. Am Samstag und Sonntag lockte ein Käsemarkt mit Attraktionen und Führungen durch den Käsekeller viele Interessierte an.

Hofstatt · Walter Vogel, Präsident der Käsereigesellschaft Napf AG, konnte zur der Einweihungsfeier in Hofstatt eine grosse Gästeschar und neben den Milchlieferanten und ehemaligen Luthertaler Käsern auch viel Prominenz aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft begrüssen. Zuerst wurden alle in Gruppen durch die neuen Räumlichkeiten geführt, um ihnen das gelungene Projekt zu zeigen. Vor dem Gebäude fand dann die eigentliche Einweihungsfeier statt. Pfarradministrator Heinz Hof-stetter stellte den Käsekeller und alle die darin arbeiten unter den Schutz Gottes, und Lektorin Theres Wechsler las dazu einige passende Texte aus der Bibel. Musikalisch umrahmt wurde die Feier durch Akkordeonklänge von Jacqueline Christen und Alois Bättig.
Nachher waren alle auf dem Vorplatz zu einem Apéro mit feinen Luthertaler Käsespezialitäten eingeladen. Beim anschliessenden Mittagessen, serviert im Festzelt vom Team des Gasthofs Krone, sorgte als musikalische Überraschung das Gesangsquartett Trudi Meyer, Caroline Haas, Daniel Graf und Alois Wechsler, begleitet von Akkordeonistin Jacqueline Christen, für gute Stimmung. Der Präsident der Käsereigesellschaft, Walter Vogel, dankte Behörden, Ämtern, Geldgebern sowie allen, die am Zustandekommen des Baus beteiligt waren, nicht nur für die gute Zusammenarbeit, sondern auch für den Mut und die Innovationsfreude, dank der sich auch alle Schwierigkeiten bei der Realisierung des Baus meistern liessen. Vogel betonte auch, dass beim Bau, so weit es möglich war, vor allem Betriebe und Lieferanten aus der Gemeinde und der Umgebung berücksichtigt wurden.
Urs Ambühl, als Vertreter der Schweizer Berghilfe und verantwortlich für das Luzerner Hinterland und Entlebuch, erklärte, dass im vergangenen Jahr im Kanton Luzern 47 Projekte mit 1,92 Millionen Franken unterstützt worden seien. Ziel sei, die Lebensgrundlagen der Bergbevölkerung nachhaltig zu verbessern, was auch jetzt mit der Unterstützung des Baus des Käsekellers in Luthern sicher gelungen sei. Er lobte besonders die gute und vorbildliche Zusammenarbeit aller in der Napfgemeinde, etwas was leider nicht immer anzutreffen sei.

Schwierigkeiten gemeistert
Käser Markus Stirnimann erklärte, dass der Bau für die Milchlieferanten und die Napf-Chäsi ein Wagnis gewesen sei. Doch nach der Kündigung des Lagers Goldbach in Lützelflüh, wo die Napf-Chäsi AG ihre Spezialitäten lagerte, hätte gehandelt werden müssen. Käser und Bauern beschlossen, gemeinsam vorwärts zu gehen. Doch ohne Investitionskredite wäre das Projekt nicht zu realisieren gewesen. Die Landwirtschaftliche Kreditkasse sicherte die Unterstützung nur zu, wenn es gelinge, alle Milchbauern des Tales miteinzubeziehen. Und so fusionierten auch die letzten beiden Käsereigenossenschaften des Tales, Gyrstock und Luthern. Es entstand die Käsereigesellschaft Napf AG. Projekt- und Finanzierungspläne wurden erarbeitet und beim Kanton eingereicht. In Hofstatt konnte eine geeignete Bauparzelle erworben und im Frühjahr 2017 mit dem Bau begonnen werden. Weil aber im Frühjahr das Budget des Kantons vom Kantonsrat nicht verabschiedet wurde und so der Investitionskredit und auch die Kredite bei der Bank blockiert waren, gab es Schwierigkeiten, die aber gemeistert werden konnten. Die gesamte Investitionssumme für den Bau des Käselagers und den weitern Ausbau der Käserei in Luthern beläuft sich auf fünf Millionen Franken. Finanziert wurde der Bau durch eigene Mittel der 55 Milchlieferanten und der Betreiberfirma Napf-Chäsi AG sowie Bankkrediten, Beiträgen der öffentlichen Hand und der Berghilfe. Das Gebäude wurde von Architekt Bruno Zihlmann (Menznau) geplant und fügt sich gut in die Landschaft ein. Es konnte im Januar dieses Jahres bezogen werden. Im Innern sind neben verschiedenen Gär-, Schmier- und Reifungskellern, in denen die Napf-Chäsi-Spezialitäten gelagert und gepflegt werden, auch Räume für die Abpackerei und das Bereitstellen der Waren für die Auslieferung und den Verkauf eingerichtet worden. Ein Grossteil der Produkte, die dank der Qualität und dem vielseitigen Angebot überall sehr geschätzt werden, wird auch an einen Grossist geliefert. Heute beschäftigt die Luthertaler Napf-Chäsi AG rund 30 Mitarbeiter inklusive Lernende in Voll- und Teilzeitpensen.
Gemeindepräsident Alois Huber überbrachte die Grüsse des Gemeinderates und gratulierte zum gelungenen Werk. Er lobte den Mut und die Innovationsfreude der Luthertaler Bauern, dank denen die Anforderungen der Zukunft sicher gemeistert werden könnten. Die Bevölkerung im Hinterländer Napfgebiet brauche sich in Sachen Innovationen nicht hinter der Stadtbevölkerung zu verstecken, darauf sei er stolz.

Zwei Tage feiern
Am Samstag und Sonntag konnten dann die Luthertaler und überraschend viele Besucher aus nah und fern bei geführten Rundgängen den Käsekeller in Augenschein nehmen. Bei einem Spezialitätenmarkt mit regionalen Köstlichkeiten und Handwerk gab es an vielen Ständen allerlei zu bewundern und zu kaufen. Auch wurde unter freiem Himmel gekäst, und im «Chäs-Chäller»-Beizli und in der Hüttebuebe-Bar konnte man sich verpflegen. Die Kapelle «Echo vom Schwandbode» sorgte an der «Chäs-Chöubi» am Samstagabend und beim Frühschoppenkonzert am Sonntag für lüpfige, urchige Musik.

Von Heini Erbini

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