• Werner Aeschbacher bei seinem Live-Auftritt. Er spielt nach der Film-Vorpremiere zur Freude des Publikums auf dem von Larry Miller gebauten «Bon T Cajun». · Bild: Hans Mathys

23.12.2016
Langenthal

Örgeler Werner Aeschbacher als TV-Star

Mit seinen Örgeli hat Werner Aeschbacher (Bützberg) Louisiana erobert. Ein TV-Kamerateam war dabei. Die Vorpremiere des Films im Kino Scala war ein Vollerfolg. Am Montag um 18.10 Uhr ist der Film am Fernsehen SRF1 zu sehen.

Grossen Applaus und stehende Ovationen von 207 Cineasten gab es vergangenen Dienstagabend im Kino Scala im Anschluss an die Vorpremiere des 65-Minuten-Films «Werner Aeschbacher bricht auf – ein Emmentaler Örgeler in Louisiana». Der Beifall galt dem Hauptdarsteller, dem Filmteam sowie der Regie mit Barbara Frauchiger und Bänz Friedli. Letzterer entschuldigte sich beim Publikum, weil man beim Titel etwas gemogelt habe und es statt «Emmentaler» eigentlich «Oberaargauer Örgeler» heissen müsste. Das Emmental ist halt eher ein Begriff als dies der Oberaargau ist. Ganz falsch ist der Titel nicht, denn Werner Aeschbacher war einst ein Bauernbub aus Eggiwil.
Zu Beginn des Films sieht man Werner Aeschbacher im Napfgebiet mit Nagelfluhfelsen und Emme im Hintergrund. «Ein mystischer Ort, gut für Leib und Seele», sagt er und erzählt im Film nachdenklich von der zum Glück unbegründeten Angst, nach seiner Herzoperation die Musikalität zu verlieren. Dieses Eingriffs wegen hatte er seine Traumreise um ein Jahr verschieben müssen – auf Februar 2016. Werner Aeschbacher, dem die Stadt Langenthal 2010 den Kulturpreis verliehen hatte, erzählt von seinen «fast 100» Örgeli – Schwyzerörgeli wie Langnauerörgeli. Diese hätten ihm die Welt aufgetan, sagt er.

Faszinierender Süden
Das von Markus Wicker (Redaktionsleiter Musik SRF) begrüsste Vorpremiere-Publikum liess sich im Film, einem musikalischen Roadmovie, in den Süden der USA entführen – und von A bis Z faszinieren. Der 71-jährige Werner Aeschbacher und seine Frau Susi stehen, kaum in Louisiana angekommen, gleich mitten drin im karnevalistischen Treiben. Es ist der Tag vor dem Aschermittwoch. An diesem letzten Fasnachtstag, dem «Mardi Gras» (fetter Dienstag), geht nochmals richtig die Post ab. Dabei werden Hühner zu Freiwild, die Hühnersuppe zum Genuss. Der virtuose Örgeler, eine grosse Musikerpersönlichkeit der Schweiz, erlebt die beeindruckende Musikszene, in der das Cajun- und Zydeco-Akkordeon den Ton angeben. Das Cajun-Akkordeon brachten im 19. Jahrhundert Einwanderer aus Deutschland nach Louisiana. Die Cajun-Musik sei «fröhlich und doch auch ein wenig traurig», charakterisiert dies Werner Aeschbacher.

Zu Gast bei Larry Miller
Als «fantastisch» beurteilt er, der vor seiner Pensionierung beim Strassenverkehrsamt in Bützberg schwere Motorfahrzeuge prüfte, das Zusammenspiel Örgeli/Geige. Der Louisiana-Besucher aus der Schweiz trifft den 80-jährigen Larry Miller, Hersteller von Akkordeons der Markennamen «Bon T Cajun» und «Bon Cajun». Bei dieser Begegnung der besonderen Art verständigen sich die beiden Experten vor allem musikalisch. Aeschbacher versucht sich erstmals auf einem Cajun-Akkordeon, Miller begutachtet fasziniert das Schwyzerörgeli. Trotz Sprachbarriere versteht man sich. Die Chemie stimmt auf Anhieb.
Der Film zeigt in packenden Bildern, was Aeschbacher in Amerika erlebt hat. Es seien «viele Eindrücke kurz aufeinander», sagt er. Zwischenzeitlich zeigt der Film, wie der Bützberger das Wichtigste in einem Notizbüchlein festhält. «Es ist wie ein Tagebuch», sagt er. Darin dürfte auch das Verzehren einer Spezialität enthalten sein: fritierter Alligator. Das schmecke irgendwie fast wie Fisch, findet der 71-Jährige. Inzwischen hat es sich in Louisiana herumgesprochen, dass sich hier ein Örgeler aus der Schweiz aufhält. Spontan wird er zu einem Konzert eingeladen, das erst noch von einer Fernsehstation direkt übertragen wird. Er sei schon etwas nervös, sagt Werner Aeschbacher vor dem Auftritt ins Mikrofon der Filmemacher, «aber öpper wird de scho chlatsche.» Sympathisch kommt rüber, dass jene Szene nicht weggeschnitten ist, wo der reisende Örgeler am Ende des Konzerts mit akuten Hosenträger-Problemen zu kämpfen hat und er fast nur noch in der Unterhose dasteht. Werner Aeschbacher meisterte das Missgeschick mit stoischer Ruhe, lässt sich überhaupt nicht stressen. Exakt dieser Filmausschnitt sorgt beim Vorpremiere-Publikum für viele Lacher.

Auf Sumpftour
Das Filmteam begleitete Werner und Susi Aeschbacher auch auf eine Sumpftour. Dabei sind nicht ausschweifende Barbesuche gemeint, vielmehr ein Ausflug mit einem Propellerboot. Louisiana ist bekannt für seine Musik und seine Sümpfe. Mit gewissen Aussagen und Feststellungen sorgt der Örgeler aus der Schweiz für Lacher im Kinosaal. So etwa, als er auf der Reise durch Louisiana ein Quartier mit barackenähnlichen Billighäusern erspäht und deshalb auf ein Armenviertel tippt, wogegen er wenig später vor doch etwas stabileren Häusern das eine oder andere Auto erblickt. Hier würden wohl die «reicheren Armen» wohnen, so seine Logik. Der Film zeigt neben zahlreichen interessanten Begegnungen des Bützberger Ehepaars in Louisiana auch eindrückliche Bilder dieses Staates und von dessen grössten Stadt New Orleans. Grosser Applaus für den stillen Mann aus dem Oberaargau gab es vorerst für den Film, danach für Werner Aeschbachers Live-Auftritt. Er spielte auf einem von Larry Miller gebauten «Bon T Cajun» zwei Stücke. Dies sehr zur Freude des Publikums, das vom Film und vom Hauptdarsteller tief beindruckt war und Aeschbachers auf dem Akkordeon gespielte Musik nochmals einwirken liess.

Von Hans Mathys