• Das «Kuriosum», der Verkaufsladen mit Atelier und Café, hat sich seit der Eröffnung vor einem Jahr zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt.· Bild: Liselotte Jost-Zürcher

14.11.2017
Oberaargau

Offene Türen und «Kuriosum»- Jubiläum in der Stiftung WBM

Die Mitarbeitenden der Stiftung WBM in Madiswil haben ein anstrengendes Wochenende hinter sich – aber ein gutes. Zahlreiches Volk strömte zur WBM, die sich am traditionellen Tag der offenen Tür hinter die Kulissen blicken liess. Ein begehrter Treffpunkt war nebst der Festwirtschaft der Verkaufsladen «Kuriosum», der vor genau einem Jahr eröffnet worden ist.

Madiswil · «Kommen Sie, ich zeige Ihnen, was ich momentan hier mache. Wenn Sie möchten, dürfen Sie mir gerne auch einige Etiketten aufkleben.»
Mit flinken Fingern greift die Mitarbeitende in ein Kistchen, nimmt eine der kleinen leeren Plastikkapseln, stülpt diese über einen Dorn und klebt eine Etikette darauf. Ich setze mich neben sie an den zweiten Arbeitsplatz, tue es ihr gleich. «Ein bisschen weiter oben» – «Nein, ein bisschen tiefer. Ja, so ist es gut.» Ich frage recht unwissend: «Aber ein Teil des Signets ist ja verdeckt? Die Etiketten sind zu lange». «Macht nichts; die Zahlen sind wichtig, diese hier. Nein, ein bisschen höher. Ja, so gehts.» Die Minuten vergehen schnell. Vor mir liegen einige einsame etikettierte Kapseln; mir scheint, ich komme nirgends hin. Manchmal arbeite neben ihr eine Kollegin, erzählt die Frau. So würden sie schneller vorwärts kommen. Miteinander plaudern liege aber nicht drin: «Man muss den Kopf bei der Sache haben.» Tausend solche Kapseln schaffe sie an einem Arbeitstag. Ich schaue etwas betroffen auf mein mageres Häufchen, frage, wieviele es denn insgesamt sein würden. Die Antwort kommt promt: «5000; etwa am Dienstag werden wir sie fertig haben. Dann kommt wieder eine andere Arbeit.»

Vielfältige Einsatzgebiete
Den Mitarbeitenden in der WBM bereitete es sichtliche Freude, der Öffentlichkeit Einblick in ihre Tätigkeiten, in ihren Alltag zu gewähren. In kaum einem anderen Betrieb kommt eine derartige Vielfalt an Arbeitsbereichen zusammen. Montagearbeiten, industrielle Aufträge, wo viel mit Automatik, mit komplizierten CNC-Maschinen gearbeitet wird, bis hin zu einfachen, aber zeitintensiven Abpack-, Einfüll- oder Ettikettierarbeiten. Dazu kommen Einsatzbereiche in der Gastronomie, Raumpflege und Wäscherei sowie die Tagesstruktur im Werkatelier.

Das «Kuriosum» – Verkaufsladen, Café und Atelier in einem
Vor genau einem Jahr wurde in der Stiftung WBM der Verkaufs- und Werkladen «Kuriosum» eröffnet. Hier können Werkarbeiten aus dem Atelier, aber auch einheimische Spezialitäten und Unikate von Partnerbetrieben präsentiert und verkauft werden. In einer Arbeitsecke werden eben solche Arbeiten hergestellt.
Das bringt viele wertvolle Kontakte zwischen der grossen, 170-köpfigen WBM-Crew und dem Volk. «Das ‹Ku-riosum› erfüllt unsere Erwartungen», freut sich Stephan Weber, Geschäftsführer der Stiftung WBM, gegenüber dem «Unter-Emmentaler». Täglich würden Leute kommen, hier kleinere oder grössere Geschenke, Deko-Artikel oder bunte Gebrauchsgegenstände einkaufen und die Gelegenheit benützen, um einen Kaffee zu trinken. Aus-serdem würden seit der «Kuriosum»-Eröffnung gerne auch Mitarbeitende hier ihr «Znüni»- oder «Zvieri»-Kafi trinken anstatt oben im Restaurant. «Das hat zu vielen schönen Begegnungen geführt.»
Eben solche Begegnungen werden auch am Tag der offenen Tür gefördert. Für die Mitarbeitenden ist dies stets eine grosse Anstrengung; die Vorbereitungen sind intensiv, die Arbeitswoche einen Tag länger. Aber sie nehmen die «Samstag-Büez» gerne in Kauf, wissen ihre Tätigkeiten geschätzt und freuen sich sehr, wenn sie unter den Besucherinnen und Besuchern auch bekannte Gesichter entdecken.

170 Mitarbeitende
Die Stiftung WBM bietet seit 50 Jahren Dienstleistungen und Angebote in den Bereichen Wohnen, Arbeiten und Ausbildung für erwachsene Menschen mit Beeinträchtigung an. Über 170 Personen in den Fachgebieten mechanische Fertigung, Montieren und Verpacken, Hotellerie und Werkatelier finden hier sinnvolle Arbeit. Im Wohnbereich leben 25 Personen in ihrem individuellen Lebensumfeld.

Von Liselotte Jost-Zürcher


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