• OGG-Hauptversammlung in Eggiwil (von links): OGG-Vizepräsident Urs Nufer, Markus Ritter, Simon Bichsel, Hans Jörg Rüegsegger, Pierre-Alain Schnegg, OGG-Vizepräsidentin Hanni Zenger, Franz Hofer und Christine Brügger. Bild: Barbara Heiniger

20.04.2018
Emmental

OGG feiert 20 Jahre Betreutes Wohnen

An der Mitgliederversammlung der Ökonomischen und Gemeinnützigen Gesellschaft Bern (OGG) stand das 20-jährige Bestehen des «Betreuten Wohnen in Familien BWF» im Mittelpunkt. In Kurzreferaten zeigten Nationalrat Markus Ritter und Regierungsrat Pierre-Alain Schnegg das Potenzial der Sozialen Landwirtschaft auf. Der gut besuchte Anlass fand in Eggiwil statt.

EGGIWIL · Mit Freude begrüsste Präsident Simon Bichsel gegen 200 Personen zur OGG-Mitgliederversammlung im Gasthof Bären, Eggiwil. Darunter waren Ehrenmitglieder, Gäste, Kollektivmitglieder und zahlreiche BWF-Gastfamilien. Nach dem Motto «der Jugend gehört die Zukunft» eröffnete das Kinder-Streichquartett der Musikschule Ober-emmental die Versammlung. Mit dem Kurzfilm der Burgergemeinde Bern, anlässlich der Verleihung des Sozialpreises 2016 an die OGG, wurden die Anwesenden auf das Jubiläum «20 Jahre Betreutes Wohnen in Familien» eingestimmt. Niklaus Rüegsegger, Gemeindepräsident, stellte den Anwesenden den Tagungsort Eggiwil vor. 

«Menschen für Menschen»

Wie vielfältig die Engagements und Tätigkeiten der OGG sind, wurde im Jahresbericht deutlich. Das Geschäftsjahr 2017 konnte mit einem positiven Ergebnis von 90 112 Franken abgeschlossen werden. Die solide wirtschaftliche Basis der OGG hängt mit dem erfolgreichen Geschäftsgang bei der Fachzeitung «Schweizer Bauer» zusammen. Damit dies so bleibt, wird die Zeitschrift gezielt weiterentwickelt und die OGG als Eigentümerin ist stolz darauf. 

Den Jahresbericht erläuterte Franz Hofer, Geschäftsführer OGG, und er betonte den Leitsatz «Im Zentrum steht der gesunde und zufriedene Mensch». Auch im 2017 waren in der OGG viele Menschen für andere Menschen unterwegs und tätig. Neu ist die Geschäftsstelle vom Verein foodwaste.ch bei der OGG und das Ziel ist immer noch für mehr Wertschätzung gegenüber den Lebensmitteln zu werben. Auch mit der Äss-Bar Bern, an der die OGG beteiligt ist, wird erfolgreich gegen Verschwendung von Lebensmitteln gekämpft. Weiter erwähnte Franz Hofer den «Stiftsgarten Bern» und das «Eggiwiler Symposium». Mit dem Projekt Job Caddie Bern, einem freiwilligen Mentoring Programm für Jugendliche mit Problemen in der Berufslehre konnten bereits gute Erfolge verbucht werden. Bereits wurden 58 Fälle von freiwilligen Mentorinnen und Mentoren begleitet. Dieses Projekt wird von der OGG gemeinsam mit der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn und der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) getragen. Bei den Sozialen Dienstleistungen der OGG ist das Betreute Wohnen in Familien mit seinen rund 33 000 Betreuungstagen das zentrale Standbein. Erste Betreuungsplätze für Tagesstrukturen wurden geschaffen. 

Die OGG begleitet rund 150 Bauernfamilien, welche die «Rund um die Uhr» Betreuung der Gäste übernehmen. Die Nachhaltigkeit dieses Angebots zeigt sich darin, dass 2018 das 20-jährige Bestehen gefeiert wird. Im Alter zwischen 18 und 90 Jahren sind die BWF Gäste und es würde unzählige Bücher füllen, wenn sie von all ihren Erlebnissen berichten würden. Weiterbildungen für Gastfamilien und auch gesellige Anlässe sind für alle Beteiligten wichtig, um den hohen Anforderungen der Aufgaben gerecht zu werden. Mit der neuen Broschüre «Lippenstift, Frauenschuh und Rock’n’Roll» würdigt die OGG Menschliches, Zwischenmenschliches aus zwei Jahrzehnten Betreutes Wohnen in Familien. Alle BWF-Gastfamilien, die an der Versammlung anwesend waren, wurden mit einer Rose für ihre Arbeit gewürdigt. Ebenfalls einen grossen Dank in Blumenform erhielt das ganze BWF- Team der OGG. Erfolgreich war mit über 70 Teilnehmenden auch das «Meielisalp-Wochenende», das für landwirtschaftliche Angestellte und Menschen, die gerne zwei Tage in froher Gesellschaft verbringen, organisiert wird.

Soziale Landwirtschaft als Betriebszweig

Zwei hochkarätige Referenten gaben an der Mitgliederversammlung in Kurzreferaten ihre Gedanken zum Thema «Soziale Landwirtschaft als Betriebszweig» weiter. Nationalrat Markus Ritter (Präsident Schweizer Bauernverband) war extra aus der Ostschweiz nach Eggiwil gereist. Regierungsrat Pierre-Alain Schnegg (Vorsteher Bernische Gesundheits- und Fürsorgedirektion) bekräftigte die Wichtigkeit des Themas mit seiner Anwesenheit. Dass die Soziale Landwirtschaft grosses Potential hat, bestätigten die beiden Hauptreferenten. Pierre-Alain Schnegg betonte «Trotz Unternehmergeist sollen Menschen mit Betreuungsbedarf höchste Sorgfalt verdienen und möglichst gleichberechtigt leben können, wie dies im Projekt der OGG geschieht.» Er sagte weiter, dass mit dem Wechsel zur Subjektfinanzierung mit dem Berner Modell für Angebote wie das Betreute Wohnen in Familien gute Chancen vorhanden sind. Er freut sich auf eine weitere gute Zusammenarbeit mit der OGG. 

«Ich bin überzeugt, dass in der sozialen Landwirtschaft Potenzial liegt», sagte Nationalrat Markus Ritter. Er zeigte auch auf, welche stabilen Strukturen auf einem Bauernhof vorhanden sind, wo Natur, Tiere und Menschen geachtet werden. Markus Ritter will sich für die Gründung eines Dachverbandes für die Soziale Landwirtschaft engagieren.

Grussworte von den befreundeten Organisationen überbrachten Hans Jörg Rüegsegger (Präsident Berner Bauernverband) und Christine Brügger (Vizepräsidentin Verband bernischer Landfrauenvereine VBL).

Von Barbara Heiniger

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