• Pilot Clemens Bracher und Anschieber Michael Kuonen im Olympiaeinsatz. · Bild: Keystone

21.02.2018
Sport

Rang 16 ist kein Grund zum Grämen

Olympisches Zweierbobrennen – Zu wenig Trainingsfahrten und zu schlechtes Material sorgten dafür, dass der 31-jährige Bobpilot Clemens Bracher aus Wasen im olympischen Zweierbob-Rennen keinen Exploit schaffte.

Bob · Erstmals in der Olympiageschichte endete ein Bobrennen ohne einen Schweizer in den Top Ten. Diese Tatsache steht nach dem Zweierrennen bei den Schweizer Medien im Fokus. Nicht viel dafür kann der eine der beiden dafür verantwortlichen Schweizer Bobpiloten. Clemens Bracher aus Wasen hat mit seinem Anschieber Michael Kuonen das Beste gegeben. Mehr lag aufgrund der Voraussetzungen im Alpensia Sliding Centre einfach nicht drin.

Eine Region fiebert mit
Die ganze Region und insbesondere sein Wohnort Wasen – dort mit einem Public Viewing in der Old Factory Lounge an der Dorfstrasse – fiebern mit dem bärtigen Bobpiloten mit. Bereits die Startzeiten brachten aber eine leise Ernüchterung: Brachers Material konnte mit jenem der Weltspitze schlicht nicht mithalten. Dies zeigte sich auch in der Bahn. Hinzu kam aber auch die Unerfahrenheit des Saisonaufsteigers auf der olympischen Anlage.
Clemens Bracher reiste nach Pyeongchang, ohne je zuvor eine Fahrt auf der dortigen Bobbahn absolviert zu haben. Ein riesiges Handicap gegenüber den Spitzenpiloten, welche auf die Erfahrung unzähliger Fahrten im Alpensia Sliding Centre zurückgreifen konnten.
Schon nach dem ersten Lauf war klar, dass das höchste aller Gefühle – ein Diplomgewinn – absolut ausser Reichweite liegt. 0,65 Sekunden büsste Bracher auf den Letten Oskars Melbardis ein. In der Folge tat Bracher, was möglich war. Und der vierte und letzte Lauf war dann sogar richtig stark. Mit bloss 0,35 Sekunden Rückstand auf den laufschnellsten Piloten Melbardis erreichte das Duo Bracher/Kuonen den 10. Rang. Dies wiederum führte im Gesamtklassement aller vier Läufe zu einer Verbesserung vom 18. auf den 16. Schlussrang. 1,97 Sekunden lag Bracher schliesslich hinter den zeitgleich siegreichen Bobs von Justin Kripps (Kanada) und Francesco Friedrich (Deutschland) zurück.

Die gute Saison bleibt
Clemens Bracher sieht seine Olympiapremiere aus drei Ansichtspunkten. «Ich bin enttäuscht, auf jeden Fall. Ich habe mir in Pyeongchang mehr erhofft», meinte der 31-Jährige zum Ist-Zustand. «Der zweite Ansichtspunkt ist die ganze Saison. Und diese war mit vier internationalen Siegen – darunter ein Weltcupsieg – und EM-Silber erfreulich. Niemand hätte damit gerechnet.» Dann bilanziert Bracher beim dritten Ansichtspunkt auch noch aus der Vierjahre-Sicht: «Dann ist da noch der Olympia-Zyklus. Vor vier Jahren habe ich mit kleinem Budget und wenig Pilotenerfahrung eine Olympiateilnahme zum Ziel gesetzt. Schlussendlich ist dieser Plan aufgegangen. Ich bin Olympionike. Darüber bin ich stolz. Schlussendlich hat es resultatmässig hier nicht ganz zum Erhofften gereicht. Ich nehme aber viel Positives aus den letzten vier Jahren mit. Dieses überwiegt.»
Zurecht lässt sich Clemens Bracher eine sehr gute Saison nicht durch dieses eine Rennen trüben. Und als Lohn für seinen unermüdlichen Glauben, es einmal an Olympische Spiele schaffen zu können, kann Bracher dieses Olympiafeeling nun in voller Länge genies-sen, denn am Samstag und Sonntag stehen noch die vier Läufe im Viererbob-Wettbewerb auf dem Programm – mit Clemens Bracher aus Wasen.

Auszug aus der Rangliste: Zweierbob (30 Klassierte): 1. Justin Kripps/Alexaner Kopacz, Kanada, und Francesco Friedrich/Thorsten Margis, Detuschland, beide 3:16,86; 3. Oskars Melbardis/Janis Strenga, Lettland, 3:16,91; 11. Rico Peter/Simon Friedli, Schweiz, 3:18,26; 16. Clemens Bracher/Michael Kuonen, Schweiz, 3:18,83. 

Info
Viererbob, 1./2. Lauf, Samstag, ab 1.30 Uhr; 3./4. Lauf, Sonntag, ab 1.30 Uhr.

Von Stefan Leuenberger

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