• Die Sporthalle Brünnli in Hasle soll besonders der Jugend zur Verfügung stehen. Ob darin auch zukünftig noch 1. Liga-Eishockey gespielt wird, ist fraglich. · Bild: Ernst Marti

17.01.2018
Sport

Reisende soll man nicht aufhalten

Sportbetriebe Brünnli AG – Die Diskussionen darüber, ob der EHC Brandis seine My Sports League-Spiele in Zukunft statt in Hasle in Huttwil durchführen will, beeindruckt den Verwaltungsrat der Sportbetriebe Brünnli AG wenig. Schon jetzt könnten nämlich nicht alle Bedürfnisse für Trainings- und Matcheis abgedeckt werden und frei gewordene Eiseinheiten kämen nach Angabe von VR-Präsident Walter Wüthrich vor allem der wichtigen Nachwuchsförderung zugute.

Eishockey · Schon im Jahr 1939 wurde im Brünnli in Hasle b. B. Eishockey gespielt. Natürlich auf Natureis, denn die Kunsteisbahn wurde erst im Jahr 1982 in Betrieb genommen und erhielt erst 2005 mit der Überdachung das heutige Aussehen. Ebenso wechselhaft ist die Ge-schichte des EHC Brandis, der seit der Saison 1985/86 als Zweitliga-Spielgemeinschaft aus dem ebenfalls 1939 gegründeten SC Hasle und dem zehn Jahre jüngeren EHC Lützelflüh entstand. Der endgültige Zusammenschluss der beiden Vereine erfolgte erst im Jahr 1999 und der Aufstieg in die erste Liga im Jahr 2001.
Nachdem im letzten Herbst der EHC Brandis I für das Cupspiel gegen den SC Bern nach Huttwil zügelte, hörte man immer wieder das Gerücht, dass das Erfolgsteam der letzten Saison wohl bald wieder in Huttwil spielen werde, wo seit dem letzten Winter nach einem sechsjährigen Unterbruch wieder Eis produziert wird. Richtig in Fahrt kamen jedoch diese Diskussionen nach dem «UE»-Artikel «Kommt es zum Umzug von Hasle nach Huttwil?» vom 11. Januar. Die Verantwortlichen der Brünnli AG als Betreiberin der Eishalle waren nicht in allen Punkten einverstanden, wie eine Nachfrage zeigte.

Eishalle Brünnli wurde vom Arena Committee abgenommen
Für den Verwaltungsratspräsidenten der Sportbetriebe Brünnli AG, Dr. med. Walter Wüthrich, ist es durchaus legitim, dass der Eisverantwortliche im Campus Perspektiven in Schwarzenbach Überlegungen macht, wie er die derzeit noch etwas magere Auslastung seiner Eisfläche steigern kann. Er stört sich jedoch an gewissen seiner Meinung nach unzutreffenden Aussagen, die gemacht wurden. «Wenn ein Kunde nicht mehr zufrieden ist und man die Anforderungen seiner Ansicht nach nicht mehr erfüllt, kann man nicht sicher davor sein, wenn er sich neu orientieren will. Natürlich kann unsere kleine, aber feine Halle nicht mit der Grossanlage in Huttwil verglichen werden. Immerhin wird sie seit der Inbetriebnahme vor 36 Jahren ohne Riesenzuschüsse der öffentlichen Hand betrieben und in finanziell vertretbarem Aufwand ausgebaut. Vor einem Jahr wurde die Halle vom Arena Committee der SIHF abgenommen und wir haben die verlangten Ergänzungen der Glasbanden und Anpassungen vorgenommen und aus eigenen Mitteln finanziert. Es kann also keine Rede davon sein, dass in baulicher Hinsicht die My Sports League-Bedingungen nicht erfüllt sind, denn das entsprechende Abnahmeprotokoll liegt vor», will er festgehalten haben.

Keine finanziellen Verluste für Sporthalle Brünnli
Gemäss Walter Wüthrich würde eine Übersiedlung des 1. Liga-Teams nach Huttwil auf die Vorbildfunktion für den Brandis-Nachwuchs sportlich vielleicht einen Verlust, sicher jedoch keinen finanziellen Nachteil für die Brünnli AG bedeuten.
So hat Brandis I in der vergangenen sportlich erfolgreichen und langen Saison für zirka 44 000 Franken Eis gemietet. Ein Betrag, der mit Vermietungen an die vorhandenen Eisinteressenten, laut Wüthrich, problemlos kompensiert werden könne. So hätten sich schon kurz nach dem Auftauchen der ersten Umzugsgerüchte neben der Nachwuchsbewegung, die dringend mehr Eiszeiten benötigt, auch Vereine aus der Region gemeldet, die regelmässig Trainings- und Matcheis mieten möchten. «Der Aufwand für die My Sports-Meisterschaftsspiele ist von unserer Seite zudem recht hoch. Ob es dann wirtschaftlich gesehen unter dem Strich für uns ohne diese Spiele nicht besser wäre, lasse ich mal offen. Ganz bestimmt wäre es so für uns nicht schlechter», stellt Walter Wüthrich fest.

VIP-Loge nicht nötig
Doch warum ist die Brünnli AG nicht auf das im «UE» erwähnte Angebot des Brandis-CEO eingegangen, der angeblich ein Angebot für die Übernahme verschiedener baulicher Massnahmen gemacht hat? Dazu äussert sich der Brünnli VR-Präsident folgendermas-sen: «Es stimmt, dass im vergangenen Juli eine VR-Delegation mit einer Dele-gation des EHC Brandis ein Gespräch geführt hat, damit es eine Win-Win-Situation für beide Seiten ergäbe. Wir waren vom VR aus eher defensiv eingestellt, denn wir sehen den Betrieb unserer Eishalle etwas anders. Wir sehen vor allem die bauliche Seite, also die Kältetechnik oder die Feuchteprobleme und nicht, beispielsweise, das Errichten einer VIP-Loge. Wir haben auch gefunden, dass wir der My Sports League einige Saisons Zeit lassen sollten, wie sie sich entwickeln würde. Denn bisher waren die Partien dieser Liga bei uns sicher nicht grosse Publikumsmagnete. Bisher lag jedoch noch kein konkretes Angebot vor, was Brandis, respektive Heinz Krähenbühl, bereit wäre, zu bezahlen.»

Allgemeinheit und Breitensport werden höher gewichtet
Ebenfalls bezüglich Nutzung der Eishalle bestehen anscheinend unterschiedliche Auffassungen zwischen der Brünnli AG und dem Brandis-CEO. «Ich sehe die Nutzung etwas vielfältiger als der Brandis-CEO. Spitzen-Amateureishockey ist ein Element, doch schlussendlich haben wir auch eine soziale Aufgabe für den Breitensport, die Allgemeinheit und besonders für die Jugend zu erfüllen. Wenn ich ei-nen Schwerpunkt setzen müsste, wäre mir Letzteres sicher wichtiger als der ambitionierte Spitzensport», sagt Walter Wüthrich.
Klar ist für den Brünnli-Verwaltungsratspräsidenten momentan eines: «Bis spätestens Ende Januar müssen wir wissen, wie es mit dem EHC Brandis weitergeht, damit wir unsere Eisplanung für die nächste Saison gemäss Terminplan abwickeln können. Wenn nicht, werden wir von uns aus aktiv, um diesen Diskussionen ein Ende zu setzen.» Die Quintessenz aus dem Gespräch: Reisende soll man nicht aufhalten …

Von Ernst Marti


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