• Eishockeyfachmann Ueli Schwarz will dem Nachwuchs des SC Langenthal helfen. · Bild: Leroy Ryser

31.08.2018
Sport

Rückkehr ist eine Herzensangelegenheit

Ueli Schwarz, Nachwuchs SC Langenthal – Der SC Langenthal hat für seine Nachwuchsabteilung den schweizweit bekannten Eishockeykenner Ueli Schwarz verpflichten können. Der 58-Jährige amtet als Berater des Verwaltungsrates und der operativen Führung der SC Langenthal Nachwuchs AG. In dieser Funktion hat der einstige Erstliga-Trainer des SCL bereits erste Mängel feststellen können.

Eishockey · Der SC Langenthal hat zum Ende der letzten Saison einen prominenten Neuzugang ausserhalb der ersten Mannschaft verzeichnen können. Mit Ueli Schwarz wurde ein Berater mit Erfahrung auf höchster Stufe für die Nachwuchs AG verpflichtet, trainierte Schwarz doch immerhin in der NLA diverse Teams und auch beim Verband war er mehrere Jahre als Trainer verschiedener Auswahlen tätig. Die Gründe für das Engagement beim SC Langenthal liegen aber dennoch ein bisschen auf der Hand, hat der 58-Jährige doch einst drei Jahre lang den SC Langenthal in der Erstliga trainiert, ehe er zum SC Bern wechselte, um dort unter anderem Meister zu werden. «Für mich ist dieses Engagement eine Herzensangelegenheit», antwortet Ueli Schwarz schliesslich auf die Frage, weshalb er sich als Berater der SC Langenthal Nachwuchs AG zur Verfügung stellt. Mit dem SCL verbinde er sehr viele, schöne und durchwegs positive Erinnerungen, erwähnt der Eishockey-Fachmann, der seit über 30 Jahren als Trainer (Langnau, Thun, Langenthal, Bern, Fribourg und Schweizer Nachwuchsauswahlen), Manager (Langnau, Lausanne, Basel und OK Eishockey-WM 2009 in der Schweiz), Verbandsfunktionär (SEHV) und TV-Experte (SRF und MySports) im Eishockey-Busisness tätig ist.

Eine super Zeit
Von 1991 bis 1994 war er während drei Spielzeiten Trainer des damals ambitionierten Erstligisten SC Langenthal. Es habe ihn sehr geehrt, als er für den Job angefragt worden sei, erinnert sich der zweifache Familienvater (Sohn Thierry, 11 und Tochter Valentina, 8). «Wir haben eine super Zeit erlebt. Die drei Jahre beim SCL haben bei mir Spuren hinterlassen und mir die Türen nach oben geöffnet», bemerkt er. Er sei mit klaren Vorstellungen nach Langenthal gekommen. «Anfänglich haben mich einige Spieler mit grossen Augen angeschaut, aber sie haben voll mitgezogen.» Unter dem gebürtigen Emmentaler wurde der SC Langenthal definitiv zum Erstliga-Spitzenklub, der nur hauchdünn den Aufstieg in die NLB verpasste. «Die erste Liga hat damals richtig geboomt», erinnert er sich und erwähnt, dass man etliche Spiele vor mehreren tausend Zuschauern ausgetragen habe, so beispielsweise die Derbies gegen Langnau, die sowohl in Schoren (mit 4500 Zuschauern) wie auch in Langnau (mehr als 7000 Zuschauer) jeweils restlos ausverkauft waren.
Nun ist er wieder zurück in Schoren. Auf dem Eis werde er aber nicht mehr anzutreffen sein, stellt er klar, dass sich seine Aufgabe auf eine reine Beratertätigkeit beschränkt. «Ich habe während meinen 30 Jahren im Eishockey-Business viel gesehen und erlebt und möchte dieses Wissen und meine Erfahrung nun anderen zur Verfügung stellen. Davon soll in erster Linie die SCL Nachwuchs AG profitieren. Er werde in seiner Funktion Ideen einbringen, Inputs geben, mit Tipps und Ratschlägen zur Verfügung stehen, betont er. Dabei werde er aber nicht als Entscheidungsträger fungieren. «Wo es mit der Nachwuchs AG lang geht, bestimmen andere», grenzt er sich klar ab.

Fit für die Zukunft machen
Weil sich das Nachwuchs-Eishockey in der Schweiz in einem generellen Strukturwandel befindet, kann es nicht schaden, einen so profunden Szenen-Kenner an der Seite zu haben. Das hat sich auch SCL-Geschäftsführer Gian Kämpf gesagt, als er Ueli Schwarz angefragt hat. Dieser weiss nämlich ganz genau, welche Herausforderungen auf den SCL-Nachwuchs zukommen. «Es geht darum, die SCL-Nachwuchsabteilung auf das nächste Level zu bringen und fit für die Zukunft zu machen», erläutert Ueli Schwarz. Dass der SCL bei den ältesten Nachwuchskategorien (Junioren und Novizen) nicht in den höchsten Spielklassen vertreten ist, könne man noch verschmerzen und mit individuellen Lösungen (Ausbildungsverträge) eine vorzeitige Abwanderung von Spielern verhindern. «Aber, dass der SCL auch auf Stufe Mini nur in der Promotions-Klasse vertreten ist, bereitet mir Sorgen. Diese Lücke gilt es zu schliessen», weiss Ueli Schwarz, wo Handlungsbedarf besteht.
«Diese Konstellation kann Eltern nämlich dazu verleiten, für ihr Kind bereits im Alter von 12 oder 13 Jahren einen Vereinswechsel vorzunehmen», hat Schwarz die Risiken erkannt. Deshalb müsse es das Ziel sein, dass man beim SCL bis mindestens zur Stufe Mini auf höchstem nationalen Level spielen könne, «damit kein Spieler und auch nicht die Eltern auf die Idee kommen, frühzeitig den Klub zu verlassen.» Diesbezüglich ist Ueli Schwarz überzeugt, spiele auch die aktuelle Stadionfrage eine entscheidende Rolle. «Mit einer neuen Infrastruktur ergeben sich auch für den SCL-Nachwuchs ganz neue Perspektiven und Möglichkeiten», blickt der Eishockey-Fachmann der Zukunft der SCL Nachwuchs AG zuversichtlich entgegen.
Für Ueli Schwarz ist das Engagement bei den Oberaargauern nicht das Einzige. Geplant ist schon jetzt seine aktive Mithilfe bei der Organisation der Eishockey-WM im Jahr 2020, daneben gibt es diverse Beratungsaufträge und Mandate. Einen grossen Teil seiner Arbeitszeit investiert er beim Fernsehsender MySports, wo er als Experte und als sogenanntes «Eishockeygewissen» arbeitet. Auch hier berät er die Redaktion in unterschiedlichen Fragen und gibt Denkanstösse, ähnlich wie er es nun auch beim SCL tun will.
Begonnen hat Ueli Schwarz seine Karriere derweil in Langnau. Eigentlich hatte er mit dem Eishockey gedanklich bereits abgeschlossen, als er, während er als Lehrer unterrichtete, für einen Job bei der Hockeyschule angefragt wurde. «Sie hatten keinen Trainer und haben mich angefragt. Ich bin noch heute überzeugt, dass der einzige Grund dafür war, dass ich am Mittwochnachmittag als Lehrer auch entsprechend Zeit dafür hatte», schmunzelt Ueli Schwarz heute über seinen Einstieg. Immer mehr war aber der Langnau-Präsident Ueli Christian Gerber begeistert von den Fähigkeiten des Neulings, sodass er diesem die Junioren Elite Mannschaft anvertraute – damals eine der besten des Landes. Und als NLA-Trainer Hans Brechbühler einst seinen Job quittieren und nicht nach Ambri fahren wollte, hat Präsident Gerber prompt ins Schulhaus angerufen und Ueli Schwarz interimistisch verpflichtet. «Daraufhin haben alle auf mich eingeredet, ich solle doch gleich weitermachen. Eines ergab das andere, weshalb ich gemeinsam mit Hans Brechbühler die Saison als Co-Trainer beendete.»
Anstatt eine eishockeytechnische Auszeit zu nehmen, wurde mit dieser Anekdote seine Karriere als Trainer erst richtig lanciert. Heute gilt derweil fast schon: Einmal Eishockey, immer Eishockey. «Ich habe viele Facetten erlebt und viel gesehen. Ich möchte nun mein Wissen weitergeben», sagt Ueli Schwarz. Er hofft, dass auch andere – seien es Einzelpersonen oder Organisationen wie der SC Langenthal Nachwuchs – von seinen einst gemachten Fehlern profitieren und damit den Weg zum Erfolg verkürzen können.

Von Leroy Ryser

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