• Kurt Schär (links) und Frank Jantschik wollen mit der Schaukäserei mehr Begeisterung für Käse wecken. · Bild: Marcel Bieri

05.05.2017
Emmental

Schaukäserei vor einer spannenden Zeit

Die Zukunft der Schaukäserei Affoltern ist so gut wie gerettet. Stimmt die Generalversammlung am 21. Juni einem Kapitalschnitt und der geplanten Kapitalerhöhung zu, steht einer positiven Zukunft nichts mehr im Weg. Für Kurt Schär, Berater der Projektgruppe «Schaukäserei 2020», ist klar: «Der mögliche Fortschritt steht damit auf einem guten Fundament.» Letztlich soll der Käse besser erlebbar werden. Aus der Schaukäserei wird damit nicht nur die Heimat des Emmentalers, sondern auch ein touristischer Ort mit weitreichender Anziehungskraft.

Affoltern · Heute vor zwei Wochen ist der entscheidende Meilenstein für die Zukunft der Schaukäserei gelegt worden. Bei der Delegiertenversammlung der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland haben die Verantwortlichen der Emmentaler Schaukäserei in Affoltern Unterstützung für die Sanierung zugesagt (siehe Kasten). Für deren Geschäftsführer, Frank Jantschik, ist klar, das war ein wichtiger Moment: «Mir sind etwa 70 Steine vom Herzen gefallen – für jeden Mitarbeitenden einen», sagt er und verdeutlicht damit die Situation. «Dieser Entscheid gibt uns Perspektiven, und damit löste sich auch bei mir die Anspannung ein bisschen.» Froh ist auch Kurt Schär, der seit der zweiten Hälfte des Jahres 2016 am Projekt «Schaukäserei 2020 – ein Schaufenster für den Emmentaler» mitarbeitet. Als unabhängiger Berater musste er viel Überzeugungsarbeit leisten. «Die Schaukäserei hat eine lange Geschichte, und darin bestehen auch negative Aspekte. Diese mussten wir mit guten Argumenten und Fakten entkräften», erklärt Schär. Letztlich seien diese Zweifel aus früheren Tagen nicht unbegründet, «Affoltern hat eine dynamische Vergangenheit, aber auch eine positive Zukunft», formuliert er seine Überzeugung in Worten.
Bereits in letzter Zeit war aber ein Aufwärtstrend spürbar. So schloss die Rechnung 2015 sogar erstmals mit einem Gewinn ab. Zuletzt wurde der Gasthof Löwen an die Gemeinde verkauft, ebenso konnte die Schaukäserei einen Wintergarten in Betrieb nehmen, der an Schlechtwettertagen mehr Platz für Besucher garantiert. All das sind eindeutige Zeichen, dass es nun vorwärts geht. Es scheint, als hätte sich ein Knoten gelöst, sagt Frank Jantschik, das hat bei ihm und auch seinen Mitarbeitern neue Energie freigesetzt. All das soll aber erst der Anfang sein. Aktuell wird in der Schaukäserei mit 27 Jahre alten Anlagen produziert, ausserdem hat die mobile Welt in Affoltern insbesondere bei der Besucherführung noch kaum Einzug gehalten. Erneuerungen sind in beiden Bereichen unabdingbar. Dank der geplanten neuen Kapitalstruktur mit der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland als Hauptaktionärin kann die Entwicklung der Schaukäserei und deren Probleme angegangen werden. «Wir sind optimistisch, zuversichtlich und haben Freude», sagt Frank Jantschik mit Blick in die Zukunft.

Realisierung ab kommenden Winter
Einen weiteren Meilenstein braucht es aber noch, bis die Zukunft der Schaukäserei tatsächlich längerfristig gesichert ist. Am 21. Juni müssen während  Generalversammlung die Aktionäre zur Sanierung mit einem Kapitalschnitt und einer Kapitalerhöhung Ja sagen. Dieser Antrag dürfte aber eigentlich nur noch Formsache sein, haben doch die grössten Aktionäre – darunter die Emmi sowie die Schweizerischen Milchproduzenten – längst eine stärkere Beteiligung von der Sortenorganisation Emmental Switzerland gefordert und diese damit eintrifft. Ist das «Ja» besiegelt, sollen bereits im kommenden Winter erste Projekte angepackt werden. Die bereits gebildete Projektgruppe mit Vertretern der Schaukäserei, der Sortenorganisation, der Schweizer Milchproduzenten und der Emmi befasst sich aktuell mit diversen Möglichkeiten. Kurt Schär, der als externer Berater ebenso zur Projektgruppe gehört, verdeutlicht: «Wir wollen eine Käsebegeisterung schaffen. Wir wollen die Kunden besser führen und den Weg vom Gras, über die Milch, bis hin zum reifen Käse besser aufzeigen.» Das beginnt bereits bei der Ankunft der Besucher, diese sollen auf dem Gelände künftig besser empfangen werden. Ausserdem, so Frank Jantschik, soll der Emmentaler AOP noch mehr ins Zentrum gerückt werden. «Ein Besuch in der Schaukäserei soll ein Genusserlebnis werden – für alle Sinne.» Sprich, den König der Käse spüren, riechen und geniessen.

Kein «Disneyland Affoltern»
Vor allem soll die Emmentaler Schaukäserei dem weltbekannten Käse als Heimat dienen. Entsprechend wird deshalb nicht unbedingt Wert auf Produktionsvolumen gelegt, sondern auf das Erlebnis des Kunden. Zukünftig wird die Produktionsmenge zurückgefahren, um keinen Konkurrenzgedanken mit anderen Käsereien aufkommen zu lassen. «Wir wollen aufzeigen, dass hier ein Qualitätsprodukt entsteht, und wir wollen auch zeigen, wie es früher entstanden ist – ein Erlebnis inszenieren», sagen die beiden Herren. Wer in diesem Moment von Investitionen spricht, der redet auch über multimediale Möglichkeiten, welche die Schaukäserei künftig ausschöpfen will. Damit soll ein touristischer Ort mit weitreichender Anziehungskraft geschaffen werden. Entsprechend werden Partnerschaften mit Tourismusorganisationen gefördert. Wer nach Bern reist, soll sich innerhalb von einer halben Stunde Reisezeit in einer anderen Welt wiederfinden, einer, in der er sich auch noch mit dem Emmentaler auseinandersetzen kann. Wichtig sei, dass die Kinder den Käse weiterhin mit Löchern malen. Anders gesagt: Wer an Käse denkt, soll zuerst den Emmentaler vor sich sehen.
Letztlich hängt das Volumen der Investitionen von der geplanten Erhöhung des Aktienkapitals ab. Frank Jantschik spricht von 2,5 Mio. als Ziel, je nach dem kann es aber mehr oder weniger sein. «Ein Disneyland wird es aber nicht geben», sagt Kurt Schär mit einem Lachen. Die Schaukäserei will zwar moderner werden, aber weiterhin authentisch bleiben.

Von Leroy Ryser

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