• Bundesrat Johann Schneider-Ammann in Langenthal. · Bild: Leroy Ryser/Archiv «UE»

10.04.2017
Langenthal

Schneider-Ammanns grosse Genugtuung

Bundesrat Johann Schneider-Ammann freut sich, dass sein «Kind», die Umfahrung Aarwangen, nach mehreren schwierigen Jahrzehnten nun endlich zur Abstimmung gelangt. Über seine persönliche Beziehung zu diesem Projekt, sein Präsidialjahr 2016 sowie aktuelle politische Themen gab der Langenthaler Bundesrat am Rande eines Service-Club-Anlasses in Langenthal in einem Exklusiv-Gespräch mit dem «UE» Auskunft.

Der Langenthaler Bundesrat Johann Schneider-Ammann zeigte sich beim exklusiven Treffen mit der Lokalzeitung – während einer seiner seltenen Auftritte in der Region – gut gelaunt und auskunftsfreudig. Auf dem Programm stand eine Rede des Magistraten bei einem Interclubmeeting des Rotary Club Langenthal, dem er ebenfalls als Mitglied angehört. Doch vorgängig stellte er sich den Fragen des «UE»-Journalisten und liess diesen gleich zu Beginn wissen, dass er seit über 30 Jahren zu den Rotariern gehöre. «Heute würde ich mich aber wohl eher als Passivmitglied bezeichnen», scherzte Schneider-Ammann. Gleichzeitig fügte er jedoch hinzu, dass die Verbindung zu dieser Organisation nie abgerissen sei. Bei seinen vielen Auslandsreisen habe er hin und wieder bei den Rotariern vorbeigeschaut und sich nach deren Aktivitäten erkundigt. Schneider-Ammann machte auch klar, dass er stets versuche, sich an den vier Leitsätzen der Rotierer, die er als ehrenhaft und ethisch sehr anspruchsvoll bezeichnete (siehe Kasten) zu orientieren. «Ich bin der Meinung, dass man mit dem Credo der Rotarier gegen aussen durchaus einen guten Eindruck hinterlassen kann.»

Gute Erinnerungen an das Präsidialjahr 

Einen guten Eindruck hinterliess der Langenthaler Bundesrat vorab im letzten Jahr, als er die Schweiz als Bundespräsident weltweit repräsentierte und politisch vertrat. Er habe sehr viele gute Erinnerungen an das Präsidialjahr, betonte Schneider-Ammann. Es seien Beziehungen entstanden, beispielsweise zum slowakischen Präsidenten, die sich zu Freundschaften entwickelt hätten. Auch nach seinem Präsidialjahr komme man immer wieder in Kontakt mit Persönlichkeiten, mit denen man letztes Jahr oft und engen Kontakt gehabt habe. «Dadurch entsteht eine gewisse politische Kontinuität», erwähnte der Langenthaler Bundesrat. Es seien dadurch auch viele Türen aufgegangen, die sonst verschlossen geblieben wären.


Aarwangen von «Geissel» befreien

Angesprochen auf die Verkehrssanierung Aarwangen nahm Johann Schneider-Ammann mit grosser Genugtuung zur Kenntnis, dass die Vorlage am 21. Mai im Kanton Bern zur Abstimmung gelangt. Dieses Projekt sei damals zu seiner Zeit als Präsident des Wirtschaftsverbandes Oberaargau (WVO) gestartet worden. 

«Es ist uns gelungen, dieses Anliegen in der Region zu verankern und ich bin sehr erfreut, dass dieses Projekt nach mehreren schwierigen Jahrzehnten nun endlich zur Abstimmung gelangt.» Man müsse die Chance wahrnehmen, Aarwangen endlich von der «Geissel» des Verkehrs zu befreien, fuhr Schneider-Ammann fort. «Die Umfahrungsstrasse bringt zweifellos die nötige Entlastung für Aarwangen, schafft eine bessere Anbindung an das nationale Strassennetz und sorgt nicht zuletzt auch für wirtschaftlich wertvolle Impulse in der ganzen Region mit ihren 20 000 Arbeitsplätzen.» Der Bundesrat wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Bund gewillt sei, rund 60 Millionen Franken für flankierende Massnahmen einzusetzen, die im Zuge des Autobahnausbaus zwischen Luterbach und Härkingen auf sechs Spuren realisiert werden. Die Umfahrungsstrasse Aarwangen zählt zu diesen flankierenden Massnahmen, wofür der Bund laut Schneider-Ammann einen substantiellen Betrag der zur Verfügung stehenden 60 Millionen Franken vorgesehen habe.

Zum Abschluss wagte der 65-jährige Langenthaler Magistrat einen Blick auf die künftige Polit-Agenda des Bundesrates. Die Beziehungen mit der EU und die vierte industrielle Revolution (Digitalisierung) seien unmittelbar die wichtigsten Dossiers, mit denen man sich beschäftige. 

Beim Verhältnis mit der EU stehen die Chancen, laut Johann Schneider-Ammann, gut, dass sich dieses langsam wieder normalisiere. Gespräche in den letzten Tagen würden darauf hindeuten, dass gewisse Dossiers demnächst deblockiert werden könnten. «Zumindest haben EU-Vertreter in direkten Gesprächen keine ablehnende Haltung signalisiert.» Viel Energie werde der Bundesrat in naher Zukunft in das Thema Digitalisierung stecken, «haben wir doch den Anspruch, in unserem Land auch während der vierten industriellen Revolution voll beschäftigt zu sein.» 

Dafür gelte es, die bildungspolitischen Voraussetzungen zu schaffen. «Wir müssen innert nützlicher Frist in der Lage sein, mit all den neuen Technologien umgehen zu können, damit wir als Schweizer Volkswirtschaft auch in Zukunft ganz vorne dabei sind und die Arbeitsplätze sichern können.» Jobs, und dadurch eine Perspektive für möglichst alle Menschen in unserem Land, sei seit jeher das Hauptziel seines politischen Wirkens. 
Von Walter Ryser

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