• Die Begeisterung in der Huttwiler Eishalle war am Samstag gross. Jung und Alt konnten es kaum erwarten, nach einem über fünfjährigen Unterbruch endlich wieder Schlittschuh zu laufen. Mit einer schlichten Eröffnungsfeier wurde im Campus Perspektiven die zweite Huttwiler Eiszeit lanciert. · Bild: Stefan Leuenberger

22.11.2016
Huttwil

Schon am Starttag ein Ort der Begegnungen

Eröffnungsfest Eisbahn Campus Perspektiven Huttwil – In Huttwil ist seit Samstag der Eissport wieder angesagt. Bei der Eisbahn-Wiedereröffnung war die Freude über den Beginn der zweiten Huttwiler Eiszeit überall spürbar. Die schlichte Eröffnungsfeier traf den Nerv. Das Besucherinteresse erfreute das Team vom Campus Perspektiven.

«Eine Eishalle ohne Eis ist wie ein Schwimmbad ohne Wasser», verglich Huttwils Gemeindepräsident Hansjörg Muralt während seiner Eröffnungsansprache treffend. «Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass in Huttwil wieder Eissport möglich ist. Ich bin glücklich, dass es geklappt hat.» Die Gemeinde Huttwil kann beim fragenden Motto des Campus Perspektiven «Eis für die Region - jetzt oder nie! Bisch derbi?» mit «Ja» antworten. Die Wiedereröffnung wurde mit 91 000 Franken unterstützt. Jährlich soll eine weitere finanzielle Unterstützung folgen. «Der Startschuss ist gelungen. Ich spürte die Freude bei den Besuchern, erhielt viele positive Rückmeldungen», sagte der emotional gerührte Lukas Zürcher vom Team Campus Perspektiven. «Die Leute haben mit ihrer Präsenz gezeigt, dass sie das Eis wollen», freute sich Campus-Teammitglied Katrin Pfrunder. «Wir möchten in Zukunft eine volle Halle beim Eislauf und bei den Events. Eine volle Halle mit guten Leuten, die schöne Erlebnisse und Begegnungen haben. Wir möchten aber auch eine Eishalle voller Plakate», erklärte Katharina Wespi. Die Sponsoring-Verantwortliche deutete damit an, wie Firmen im Huttwiler Eistempel Werbung machen und diesen finanziell unterstützen können. «Für Campus Perspektiven bedeutet die Wiedereröffnung der Eisbahn ein Meilenstein, der mit einem gewaltigen Kraftakt verbunden ist. Damit der Betrieb längerfristig aufrecht erhalten werden kann, benötigen wir jetzt jahrelang viele Leute, die mit uns am gleichen Strick ziehen. Wir benötigen viele Leute, die ihre Freizeit bei uns verbringen», gab Lukas Zürcher den Gästen der Eröffnungsfeier zu verstehen. Es war deutlich zu spüren, dass Campus Perspektiven alles unternimmt, damit die zweite Huttwiler Eiszeit nie endet.

Ein Huttwiler Eishockey-Derby
Den ganzen Samstag über standen in der Huttwiler Eishalle Freude und Emotionen im Zentrum. Kaum jemand hätte damit gerechnet, dass es in Huttwil je wieder Eis geben würde. Nach der ersten Huttwiler Eiszeit, die von August 1997 bis Mai 2011 dauerte, konnte über fünf Jahre lang kein Eissport mehr ausgeübt werden. Und nun nach langem Warten und bangem Hoffen doch das nicht für möglich gehaltene Comeback, welches für soviel lachende Gesichter und eine entspannte Stimmung sorgte. Der Wiedereröffnungstag wurde mit einem Eishockeyspiel lanciert. Bewusst wurden keine teuren Stars eingekauft. Statt NLA-Teams standen sich zwei Huttwiler Eishockeyvereine gegenüber. Der Veranstalter handelte damit quasi nach dem Motto «von der Region für die Region». Zum Huttwiler Derby «Huttu High Flyers» (4. Liga-Team, 2009 gegründet) gegen die EHC Napf Senioren (1996 gegründet) traten je 21 Spieler an. Viele der Napf-Senioren waren schon bei der Eröffnung 1997 dabei. In einer unterhaltsamen Mittagspartie, welche von erfreulich viel Publikum verfolgt wurde, behielten die Ligaspieler (Altersdurchschnitt 31,4 Jahre) gegen die tapfer kämpfenden Senioren (52,8 Jahre) mit 7:3 die Oberhand.

Ort der Begegnungen
Campus Perspektiven versteht sich als Ort der Begegnungen. Bereits beim eröffnenden «Hockeymätschli» wurde diesem Credo nachgelebt. Es kurvten nämlich mehrere Generationen über das Eis. Bei den Napf-Senioren stand der 70-jährige Max Fiechter gleichzeitig mit seinem Schwiegersohn und Teamcaptain Reto Christen (46) auf dem Eis. Und als Schiedsrichter wirkte mit dem 18-jährigen NLB-Spieler Luca Christen der Sohn und Grosssohn. Es sollte nicht dabei bleiben. Beim freien Eislauf für alle Interessierten, welcher am Eröffnungstag klar in den Mittelpunkt gerückt wurde, kam es zu vielen Begegnungen. Schlittschuhgeübte Besucher halfen spontan den erstmals in ihrem Leben und darum noch überaus unsicher und wackelig auf dem Eis stehenden Bewohnern des Ankunftszentrums für un­begleitete minderjährige Asyl­suchende.

Tim Trüssel und Eyob Solomon
Der allererste Besucher nach den Akteuren des Eishockeyspiels, der das Eis betrat, war der 7-jährige Huttwiler Tim Trüssel. «Es ist genial. Ich werde in Zukunft so oft als möglich über das Huttwiler Eis kurven», strahlte der Bambini-Eishockeyspieler des SC Langenthal. Dass mit Wille Berge versetzt werden können, bewies Eyob Solomon. Der 19-jährige Freimettinger ist das beste Beispiel für eine gelungene Integration. «Es macht so total viel Spass, Schlittschuh zu laufen. Ich stehe erst zum dritten Mal auf dem Eis.» Solomon glitt aber sicherer und flinker über das Eis als viele jahrelange «Schlööfler».

Fägige Eisdisco
Am Abend bereitete die Eisdisco mit farbigem Partylicht und fägigem DJ-Sound den Besuchenden ein besonderes Erlebnis. An der Eisbar des «300er Clubs» kam es zu gesprächsintensiven Wiedersehen. Für Unterhaltung musikalischer Art sorgte eine Schwyzerörgeli-Formation der Musikschule Huttwil. Der sportliche Programmpunkt am Abend bestand aus verschiedenen Einzel- und Teameislaufdarbietungen des heimischen Skating Clubs Huttwil, wobei die «Snowflakes» für das Highlight sorgten. Geselligkeit bei kulinarischem Genuss war im neueröffneten Campus-Restaurant möglich, welches fortan am Mittag und Abend Menüs serviert. Zum zukünftigen Renner dürfte sich das am Freitag und Samstag geöffnete Raclette-Stübli entwickeln. Die Wiederöffnung der Eishalle zeigte deutlich auf: Der Campus Perspektiven steht künftig für verschiedenste Aktivitäten und Begegnungen in den Bereichen Bildung, Kultur und Sport. Der wiederbelebte Eissport ist ein wichtiger Mosaikstein davon.

Freier Eislauf
Öffnungszeiten. Die Öffnungszeiten für den freien Eislauf stehen fest. Das Eisfeld ist von Dienstag bis Donnerstag von 13 und 18 Uhr geöffnet, am Samstag von 9 bis 21.30 Uhr und sonntags von 9 bis 18 Uhr. Schlittschuhe können vor Ort gemietet werden.

Von Stefan Leuenberger

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