• Direkt auf den Werkzimmern im Vordergrund soll angebaut werden. Der geplante Bau kommt nun aber vors Volk. · Bild: Leroy Ryser

11.01.2017
Oberaargau

Schulhaus-Anbau kommt vors Volk

Der Anbau beim Schulhaus Kirchenfeld kommt vors Volk. Nachdem an der Gemeindeversammlung das Projekt ohne Gegenstimme unterstützt wurde, erzwingt nun ein Referendum eine Volksabstimmung. Die nötigen 84 Unterschriften wurden gesammelt, 101 Unterschriften wurden fristgerecht bei der Gemeinde abgegeben. Der Grund für das Referendum: Das Volk habe zu wenig Informationen zum Projekt erhalten.

Lotzwil · Am 28. November haben die Stimmbürger von Lotzwil einem Kredit von 2,2 Millionen Franken für einen Anbau im Schulhaus Kirchenfeld ohne Gegenstimme zugestimmt. Jetzt kommt es aber dennoch zu einer Abstimmung vor dem ganzen Stimmvolk. In der Zwischenzeit wurde nämlich das Referendum ergriffen, am 3. Januar wurden die nötigen 84 Unterschriften fristgerecht eingereicht. «Ich empfinde dieses Referendum als ein bisschen quer», sagte Gemeindepräsident Markus Ott darauf angesprochen und präzisiert: «Die Begründung ist für mich nicht ganz schlüssig. Wir haben an der Gemeindeversammlung gut und genügend informiert, und deshalb war das für mich ein bisschen speziell.» Die Gemeindevertreter waren frühzeitig über das Vorhaben informiert. Jene, die nicht unterschreiben wollten, hätten die Information weitergereicht.

Hinter dem Referendum stehen das Ehepaar Fritz und Ruth Wyss. Hauptgrund für das Referendum sei der Wunsch nach tiefergehenden Informationen. «Wir wurden überrumpelt», sagt Ruth Wyss. «Wir haben im Vorfeld keine Pläne gesehen und wurden kaum informiert. Zudem war die Abstimmung um 21.30 Uhr und viele wurden bis dahin schon «müdegeredet». Das kann nicht der Weg für ein solches Projekt sein.» In der Folge hat das Ehepaar Wyss die Pläne bei der Gemeindeverwaltung verlangt und sich mit dem Projekt vertraut gemacht. Und auch dieses passe nicht.

Eines der Probleme sei ihrer Meinung nach der Gang zwischen den Schulräumen, erklärt Ruth Wyss. Mit dem Anbau ist dieser auf sämtlichen Etagen nur noch 2,5 Meter breit – ohne Garderobe. Wenn sich in den Pausen aber hunderte Schüler auf diesem Platz tummeln, werde es zu eng. Darüber würde Ruth Wyss gerne mit den Verantwortlichen der Gemeinde reden. 

Sogar ein Neubau?

«An der Gemeindeversammlung wurde uns nur gesagt, dass mehr Schüler nach Lotzwil kommen und deshalb der Bedarf steigt», sagt Ruth Wyss. Vermisst hat sie deshalb auch eine zweite, andere Lösung. Nicht zuletzt, weil die Langzeitfolgen beim Projekt laut ihrer Meinung kaum bedacht werden. Ruth Wyss stellte deshalb auch die Frage in den Raum, ob auch künftig genügend Schulraum vorhanden wäre oder ob sogar ein kompletter Neubau nötig sei. Zur Umsetzung dieser Idee gäbe es viele Möglichkeiten, die nicht zuletzt auch mit dem verkehrstechnisch ungünstig stehenden alten Schulhaus im Zentrum des Dorfes zusammenhängen. Ruth Wyss wollte gegenüber dem «Unter-Emmentaler» aber nicht zu weit Auskunft geben, ehe sie mit den Gemeindeverantwortlichen im Dialog stand.

Abstimmung Ende März

Ein grösserer Bau sei für die Finanzen von Lotzwil hingegen nicht tragbar, erklärte derweil Gemeindepräsident Markus Ott. Er sagte zudem, er habe das Gefühl, dass rund um dieses Projekt «gut gearbeitet» wurde und alles aus den Möglichkeiten Lotzwils herausgeholt wird, zumal die Vergrösserung der Schulräume nur 1,4 Millionen Franken koste und der Rest für einen Behindertenaufzug (385 000 Franken), ein behindertengerechtes WC (25 000 Franken) sowie Brandschutz (125 000 Franken) und Unvorhergesehenes (220 000 Franken) investiert werden muss. «Ich gehe davon aus, dass das der Bürger sehen wird und deshalb die Vorlage annehmen wird», zeigt sich Markus Ott überzeugt. Das wird sich bei der Volksabstimmung zeigen. Diese ist Ende März geplant, so könnte das Projekt im Sommer wie geplant vielleicht doch noch umgesetzt werden. In der Zwischenzeit – ungefähr Mitte Februar – will die Gemeinde Lortzwil aber auch den Referendumsführern gerecht werden und eine Informationsveranstaltung abhalten.

Von Leroy Ryser

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