• Der gebürtige Huttwiler Thomas Reist wird am «Unspunnen-Schwinget» als Kampfrichter im Einsatz stehen. · Bild: Yanick Kurth

24.08.2017
Sport

Sein Wort ist für die «Bösen» Gesetz

Interview: Yanick Kurth im Gespräch mit Thomas Reist, Kampfrichter am «Unspunnen-Schwinget» – Thomas Reist wird als Kampfrichter am «Unspunnen-Schwinget» im Einsatz stehen. Der gebürtige Huttwiler ist gerade einer von drei Berner Kampfrichtern am diesjährigen Saisonhöhepunkt. Im «Unter-Emmentaler» gewährt der 49-Jährige Einblicke in seine Arbeit.

Schwingen · Alle sechs Jahre vereinigt das «Unspunnenfest» in Interlaken Schwinger, Jodler, Steinstösser, Trachtenleute, Alp- hirten und Landfrauen, Hornusser, Alphornbläser, Fahnenschwinger, Schützen und Volksmusikanten zum grossen Stelldichein. Am Event im Berner Oberland werden wiederum Tausende Aktive und über 150 000 Besucher erwartet. Die zwölf nationalen Trägerschaftsverbände kommen an ihren eigenen Thementagen voll auf ihre Rechnung und präsentieren sich so dem Publikum. Der Anlass findet alle sechs Jahre statt, jeweils im Jahr nach dem Eidgenössischen Schwingfest. Der Sieg beim «Unspunnen-Schwinget» gehört zu den prestigeträchtigsten Erfolgen im Schweizer Nationalsport. Das Fest findet seit 2011 auf der Höhematte in Interlaken statt. Zahlreiche Gründe haben das OK dazu bewogen, den Standort von der traditionellen «Unspunnenwiese» in das Zentrum von Interlaken zu verlegen. Im oberen Teil des östlichen Flügels der Höhematte steht eine Arena für 15 000 Personen bereit.

Einer von nur drei Bernern
Mittendrin wird Thomas Reist als Kampfrichter stehen. Der gebürtige Huttwiler wohnt heute in Rickenbach/SO. Der 49-jährige Familienvater widmete bisher sein ganzes Leben dem Schwingsport. Dort fühlt sich der einstige Aktivschwinger zu Hause. 19 Jahre lang war er Jung- und dann Aktivschwinger beim Schwingklub Huttwil – musste die Karriere aber verletzungsbedingt frühzeitig beenden. In Interlaken stehen gerademal drei Berner Kampfrichter im Einsatz. Neben Thomas Reist sind dies Andreas Schindler und Jürg Stingelin. Michel Schär ist Berner Ersatzmann.  Thomas Reist wird zusammen mit  dem Innerschweizer Josef Burch und Dominic Schmied vom Südwestschweizer Verband den Platz 2 leiten.  Die drei Richter kennen sich, wissen, dass sie gut harmonieren. Beste Voraussetzungen für den Einsatz am «Unspunnen-Schwinget».

Seit wann sind Sie Kampfrichter?
Ich habe im Jahr 1997 als Kampfrichter angefangen. Dieses Jahr feierte ich mein 20-jähriges Jubiläum. Die Arbeit eines Kampfrichters hat sich seither nicht gross verändert.

Sind Sie stolz, am «Unspunnen-Schwinget» im Einsatz zu sein?
Ja, es sind gerademal drei Berner Kampfrichter im Einsatz. Um an einem eidgenössischen Anlass überhaupt in Frage zu kommen, braucht man viel Routine und man muss auf der höchsten Kampfrichter-Stufe aktiv sein. Das macht schon stolz. Sowohl für den Schwinger, aber auch für den Kampfrichter ist ein grosses Fest immer schön. Der Einmarsch am «Unspunnen-Schwinget» wird sicherlich unter die Haut gehen. Ich freue mich wahnsinnig auf das Wochenende.

Ihre Vorbereitungen dazu?
Ich bereite mich nicht anders vor, als ich dies bei einem anderen Schwingfest auch tun würde. Jedes Schwingfest ist für mich gleich, ganz egal ob ein kleines Klubschwinget oder eben der «Unspunnen-Schwinget». Auch spezielle Rituale habe ich keine – es wird am Vorabend jedoch nicht allzu spät. Ich werde früh aus den Federn müssen, um pünktlich auf dem Platz zu sein.

Was macht einen guten Kampfrichter aus?
Dazu zählen verschiedene Anforderungen. Vorher bereits Aktivschwinger gewesen zu sein, ist sicherlich von Vorteil, jedoch nicht zwingend notwendig. Dies erleichtert einem, einen Gang lesen zu können, und wenn man die Schwinger zusätzlich kennt, weiss man, wie diese in etwa schwingen. Man kann sich besser positionieren, um stets eine gute Sicht auf den Gang zu haben. Weiter darf man nicht die eigenen Leute bevorzugen, muss stets neutral bleiben. Bei mir sind immer zwei Schwinger auf dem Platz – nicht zwei Namen.

Welchen Gang würden Sie in Interlaken gerne als Kampfrichter leiten?
Das ist mir absolut egal. Natürlich haben die Spitzenpaarungen einen besonderen Reiz. Trotzdem: einen Wunsch-Gang habe ich keinen.

Die Schwinger sind bekannt für ihre Fairness. Aber es geht um mehr als nur Ruhm und Ehre. Versuchen die Schwinger nicht auch, den Kampfrichter zu beeinflussen?
Nein. Ich habe dies in meinen 20 Jahren noch nie erlebt. Die Schwinger kennen mich mittlerweile und schätzen meine sehr neutrale Art. Dies wurde mir schon mehrfach bestätigt. Die Schwinger und auch Zuschauer haben meine Entscheide zu akzeptieren. Nicht immer ist die Wertung ganz einfach, ich versuche jedoch immer, gerecht zu urteilen.  

Ist der Job hart?
Ja, sehr. Man muss den ganzen Tag über präsent sein. Je nach Wetter ist dies besonders anstrengend. Wir haben neben der Mittagspause keine weiteren Pausen, wickeln Gang für Gang ab. Es erfordert eine hohe Konzentration, die bis zum Schluss aufrecht erhalten werden muss. Von uns hängt alles ab. Es genügen nur 100 Prozent. Man darf sich nicht ablenken lassen und auf die anderen Plätze blicken. An den grösseren Schwingfesten ist es einfacher, sich zu konzentrieren. Die Leute sind weiter weg als gewohnt.

Was macht den Reiz aus, Kampfrichter zu sein?
Mir hat es im Schwingsport als kleiner Bub den Ärmel hineingenommen. Ich musste leider meine Karriere als Aktivschwinger verletzungsbedingt früh beenden. In den 19 Jahren als Aktivschwinger habe ich viel bekommen und wollte dem Schwingsport etwas zurückgeben. Ein Vorstandsjob wäre nichts für mich gewesen – so wurde ich Kampfrichter. Pro Saison bestreite ich etwa 16 Schwingfeste. Diese Saison wird es mit 21 Schwingfesten einen neuen Rekord geben.

Werden Sie auch nach dem «Unspunnen-Schwinget» weiterhin als  Kampfrichter im Einsatz stehen?
Ich denke momentan noch nicht ans Aufhören. Ich habe meine Kampfrichter-Ziele noch nicht erreicht. Auf grosser Ebene fehlen mir noch genau zwei Schwingfeste, an denen ich als Kampfrichter im Einsatz stehen möchte. Zum einen am «Stoos-Schwinget», und dann fehlt mir noch ein Einsatz am «Kilchberg-Schwinget». Im Anschluss hätte ich meine Ziele als Kampfrichter erreicht.

Wer wird «Unspunnen-Sieger»?
Für mich gibt es ganz klar keinen Favoriten. Alle Teilverbände haben im Prinzip die Möglichkeit, zu gewinnen. Wir werden am Sonntag sehen, wer sich beweisen wird. Ich bin gespannt.

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