• Regierungsstatthalter Marc Häusler vor den Namen der ehemaligen Statthalter im Amtsbezirk Aarwangen sowie im Verwaltungskreis Oberaargau. · Bild: Leroy Ryser

09.02.2017
Oberaargau

Selbst für Bagatellfälle opfert Marc Häusler mindestens zehn Minuten seiner Zeit

Marc Häusler blickt auf drei abwechslungsreiche Jahre zurück: Der Regierungsstatthalter des Verwaltungskreises Oberaargau ist zufrieden mit seiner Funktion und kandidiert deshalb für eine erneute Amtszeit. Der ehemalige Anwalt und Notar stellt sich damit unterschiedlichen Herausforderungen, verweist aber auch schon jetzt auf erfreuliche Events, die bevorstehen.

Für Marc Häusler war es ziemlich rasch klar: Nach seiner ersten Amtszeit wird er erneut kandidieren. Der Regierungsstatthalter im Verwaltungskreis Oberaargau äussert sich nach den ersten drei Jahren auf diesem Posten begeistert von seiner Arbeit. Der Kontakt mit den Leuten, abwechslungsreiche und fordernde Aufträge sowie rechtliche Herausforderungen erfreuen den 40-Jährigen, sodass es keine andauernden Überlegungen brauchte, bevor er die Bewerbung für die zweite Amtszeit bestätigte. «Ich habe ein hervorragendes Team, eine angenehme Zusammenarbeit mit den Gemeinden, einen abwechslungsreichen Job und verspüre Freude beim Arbeiten», erklärt Marc Häusler selbst. So stellt sich eigentlich nur noch die Frage, ob bis am 20. März noch ein Gegenkandidat gefunden wird, ansonsten wird Häusler für die nächsten vier Jahre still gewählt. Sowieso stehen die Chancen gut, weil Häusler bei den Gemeinden gut ankommt, einiges bewegen konnte und auch im Statthalteramt, wie eine unabhängige Personalumfrage zeigt, grossen Rückhalt geniesst.

Oftmals Lösungen gefunden
Eine gute Reputation hat Marc Häusler insbesondere wegen seinem Auftritt. Dass er zu Amtsbeginn bei sämtlichen Gemeinden einen Besuch abstattete, kam gut an. «Vorbeischauen, ohne dass es ein Problem gibt», wie es Häusler umschreibt, sei für ihn zeitlich gesehen zwar aufwändig gewesen, habe die Zusammenarbeit von Beginn weg aber vereinfacht. Es gehöre zu seinem Naturell, bodenständig zu sein und einen möglichst angenehmen Umgang mit Menschen zu pflegen, erklärt der Regierungsstatthalter. Verhandlungen und Schlichtungsverfahren liegen ihm deshalb, auch zwischen verhärteten Fronten gebe es oftmals eine Lösung.
Ebenso kann Marc Häusler aber auch auf einen idealen Background aus früheren Tätigkeiten zählen, war er zuvor einerseits als Stellvertreter seines Vorgängers Martin Sommer im Einsatz, andererseits lernte er als Anwalt und Notar bereits vor seiner Zeit im Regierungsstatthalteramt Gesetze auszulegen, Verfahren zu begleiten und Verhandlungen zu führen. «Gerade bei Gesprächen mit Anwälten verspüre ich weniger Druck, weil ich die Verhandlungstechniken kenne und entsprechend reagieren kann.» Bei Verhandlungen oder Vermittlungen hilft seine Standfestigkeit in Rechtsfragen sowie das Verhandlungsgeschick.

Anstoss für schweizweiten Verein
In seiner Zeit gelang es Marc Häusler derweil, diverse Projekte voranzutreiben und umzusetzen. Stolz ist er unter anderem auf die Lancierung einer Gruppe, die junge Gemeindepolitiker unterstützt und fördert. Diese fand schweizweit Anerkennung, auch wegen diversen Berichterstattungen in den Medien. «Nach einem Gespräch mit Christine Badertscher habe ich die jungen Gemeinderäte der Region eingeladen. Bereits bei einem ersten Treffen konnten wir etwas kreieren, das der Förderung junger Gemeindepolitiker dient. Seither trifft sich diese Gruppe jährlich», sagt Häusler. Dies gab den Anstoss für einen schweizweiten Verein, der junge Gemeindepolitiker zukünftig fördern soll. Häusler dürfte zu Beginn die Entstehung des Vereins mitgestalten, am 28. Februar ist die Gründungsversammlung geplant.
Seit dem Jahr 2015 führt das Statthalteramt zudem Täteransprachen bei häuslicher Gewalt durch. Innerhalb von einer Woche nach der Meldung wird der Täter konfrontiert, entsprechend sei ganz im Gegensatz zum sechs Monaten später startenden Strafprozess die Tat noch frisch und das schlechte Gewissen noch eher vorhanden. Die Chance, dass der Täter Einsicht zeigt, ist damit grösser.

Von allem ein bisschen
Daneben führte Marc Häusler zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2014 eine Reorganisation des Teams durch. Einschneidend sei derweil der Brand eines Bauernhauses in Madiswil gewesen, wo er selbst vor Ort war und versuchte, die Betroffenen zu unter-
stützen. Solch grosse Fälle waren aber glücklicherweise die Seltenheit, oftmals füllen auch Bagatellfälle wie Nachbarschaftsstreits seinen Kalender. «Ich nehme mir für jeden Bürger zumindest 10 Minuten Zeit und versuche zu helfen», sagt Marc Häusler. Wiederkehrende Probleme müsse er dann aus zeitlichen Gründen delegieren, das Zeichen, dass die Bewohner des Oberaargaus ihn als Unterstützung oder Ratschlaggeber schätzen, will er aber mit seiner persönlichen Hilfe würdigen. Gerade deshalb sei in seiner Tätigkeit «von allem ein bisschen» vorhanden. Vor einem Arbeitstag wisse er nur selten, was er schliesslich tatsächlich antreffen wird.

Günstigere Verhandlungsposition
Bald könnte aber Ungemach auf die Statthalterämter zukommen. Eine Sparrunde beim Kanton dürfte auch das Oberaargauische hart treffen. Marc Häusler macht deutlich, dass bei einer allfälligen Personalreduktion auch ein Dienstleistungsabbau folgen wird. Ebenso gibt es Kreise in der Kantonsverwaltung, die sich für eine Zentralisierung stark machen und dem Regierungsstatthalteramt Kompetenzen entziehen wollen. Als Beispiel dafür gilt die Revision des Polizeigesetzes, bei dem das Statthalteramt beinahe als polizeiliche Behörde gestrichen wurde. «Da haben wir glücklicherweise erfolgreich intervenieren können. Es braucht hier unbedingt eine unabhängige Kontrollstelle», begründet Häusler diesen einzelnen Fall und ergänzt generell, dass insbesondere kleine Gemeinden von einem Regierungsstatthalteramt profitieren. «Wird alles von Bern aus geregelt, gäbe es nichts anderes als sich anzupassen. Das würde zu unterschiedlichen Schwierigkeiten führen.» Nicht zuletzt hat der Statthalter als in der Region bekannte Person eine günstigere Verhandlungsposition – wie es beispielsweise die Suche nach Aufnahmemöglichkeiten von Asylsuchenden oder Stellplätzen für Fahrende zeigte – zudem kann er, weil er volksgewählt ist und keinen direkten Vorgesetzten hat, das gesetzliche Ermessen im Rahmen des Möglichen ausschöpfen, wenn es den Antragsstellern dient. Das ganze Konstrukt befindet sich mitten im Wandel, der Gemischtwarenladen, wie Marc Häusler das Statthalteramt liebevoll nennt, dürfte allenfalls einzelne Aufgaben verlieren, dafür andere dazu erhalten.

Vorfreude auf Empfänge
Blickt Marc Häusler aber nach vorne, stehen die Sorgen nicht im Vordergrund. Unzählige angenehme Projekte führen dazu, dass der in Walliswil bei Niederbipp wohnende Regierungsstatthalter mit Freude auf die nächste Amtszeit blickt. «Unter anderem freue ich mich sehr, auf das Jodlerfest 2018 in Wangen an der Aare, das Landesteilschiessen im 2018 oder das Hornusserfest in Bleienbach im 2021. Das werden allesamt spezielle Events sein, auch weil ich hoffentlich weiterhin als Regierungsstatthalter den Empfang bereiten darf.» Daneben werde auch der in diesem Jahr kommende Oberaargauer Abend ein Highlight, weil an diesem Abend die neue Oberaargauer Tracht präsentiert wird – ein Projekt das Häusler seit der Entstehung in beratender Funktion begleitete.

Ablenkung und Unterstützung
Alle Aufgaben zusammen füllen den Terminkalender von Marc Häusler beinahe restlos. Und wenn mitten in der Nacht auch noch sein Feuerwehr-Pager klingelt, dann wird der 40-Jährige auch mal um seinen Schlaf gebracht. «Manchmal muss man die Reserven anzapfen», sagt Häusler und spricht dabei von einer kürzlich erfolgten Nachtschicht wegen einem glücklicherweise harmloseren Hausbrand. Dafür dient nicht zuletzt der Sport – wenn er im Kalender Platz findet. «Reserviert habe ich wöchentlich zwei Termine. So schaffe ich es zumindest einmal», sagt Marc Häusler. Dort steht aber nicht unbedingt Fussball, Tennis, Unihockey oder eine andere Spielsportart im Vordergrund, sondern Aikido, eine japanische Kampfkunst, die zur Verteidigung dient. «Sie passt irgendwie zu meinem Beruf und verleiht mir beispielsweise bei Verhandlungen Selbstvertrauen», führt Häusler aus. Dabei gehe es darum, den Körper und den Geist zu trainieren, um nicht zuletzt aggressive Angreifer abzuwehren, einen Kampf zu verhindern und dessen Energie so zu umleiten, dass dieser zu Boden geführt wird. «In meinem Job habe ich die Techniken selbst noch nie gebraucht», sagt Marc Häusler mit einem Lachen. So dient ihm der Sport eher als Ablenkung und Entspannung. Genau das Richtige für einen gut gefüllten Terminkalender in den nächsten vier Jahren.

Von Leroy Ryser

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