• Yvonne Wüthrich und Reto Lang ziehen eine positive Bilanz der Saison. · Bild: Hans Mathys

17.05.2018
Langenthal

Stadttheaterleiter «wunschlos glücklich»

Die erste Saison nach der Sanierung des Stadttheaters Langenthal ist Geschichte. Theaterleiter Reto Lang und Yvonne Wüthrich, zuständig für Marketing und Kommunikation, ziehen eine sehr positive Bilanz.

Am 16. Dezember 2017 ist das sanierte, um ein Kleintheater im Untergeschoss erweiterte 101-jährige Stadttheater Langenthal mit einem Tag der offenen Tür wiederöffnet worden. Die Gesamterneuerung war verbunden mit der Verlegung des Haupteingangs von der West- auf die Nordseite. Vergangenen Samstagabend ist die Saison mit einer Komödie im Stadttheater und einer beschwingten Afterparty im Kleintheater, dem Theater 49, ausgeklungen. Reto Lang und Yvonne Wüthrich lassen die erste  Saison nach der Theatersanierung Revue passieren.  
«Eigentlich war der Start zur Saison 2017/18 eine Art Fortsetzung der Übergangssaison 2016/17, die grösstenteils in der Alten Mühle über die Bühne ging», blickt Reto Lang auf das vierte Quartal 2017 zurück. Da war das Stadttheater noch nicht bezugsbereit, weshalb die ersten Vorstellungen der Saison 2017/18 in der Aula des Gymnasiums, in der Aula der Musikschule, im Barocksaal des «Bären», in der Kantine Z3 der Hector Egger Holzbau AG und in der Klosterkirche St. Urban über die Bühne gingen. Lang pickt hier die letzten beiden Orte heraus, die ihm noch besonders in Erinnerung geblieben sind: Die Kantine Z3 mit den Proben zu Franz Hohlers Uraufführung «Cafeteria» – auch des grossen Publikumsinteresses wegen – sowie die Klosterkirche St. Urban, wo die beiden «Tatort»-Kommissare Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl «Eine Weihnachtsgeschichte nach Charles Dickens» spielten. Eine beeindruckende Aufführung in einer imposanten Kulisse.  

So viel Standing Ovations wie nie
In bester Erinnerung ist Yvonne Wüthrich der Tag der offenen Tür am 16. Dezember 2017, wo die Bevölkerung erstmals das neu renovierte Stadttheater besichtigen und zudem einen Blick hinter die Kulissen werfen durfte. „Das Interesse war extrem gross, die Leute entsprechend neugierig“, so die Leiterin Marketing und Kommunikation Stadttheater. Der im Theatersaal nach der Sanierung fehlende Mittelgang sei zuweilen diskutiert, jedoch des andererseits erhöhten Sitzkomforts wegen nicht per se kritisiert worden. Fürs Stadttheater und den neuen Eingang habe es viele «Ah» und «Oh» gegeben. «Der Eingang gefällt oder missfällt den Leuten», hat Yvonne Wüthrich festgestellt. Jeder Architekt bringe halt seine eigene Note, seinen eigenen Charakter ein. Ruth Kormann von der Theaterkasse streicht einen positiven Aspekt des neuen Eingangs hervor: «Es gibt Passanten, die den Eingang – besonders wenn er beleuchtet ist – als sehr einladend empfinden und sich bei uns an der Theaterkasse spontan über das aktuelle Programm erkundigen. Solche Laufkundschaft gab es vor der Stadttheater-Sanierung nicht.» Reto Lang: «Es gab diese Saison keine eigentlichen Höhepunkte, denn es war eine Saison voller Höhepunkte.» Noch nie habe es in einer Saison so viele Standing Ovations gegeben wie in dieser. Der offizielle Start im sanierten Musentempel erfolgte mit dem Familienmusical «Der kleine Lord» am 26. Dezember 2017. Für Yvonne Wüthrich war das Ballett «Notre-Dame de Paris» ihr klarer Höhepunkt – «dazu verschiedene Vorstellungen im Theater 49».

Seminare und Versammlungen
Yvonne Wüthrich freut sich über das zunehmende Interesse von Firmen und Institutionen an Führungen durch das Stadttheater sowie an Versammlungen und an Seminaren im Stadttheater. Die Infrastruktur dazu sei vorzüglich geeignet. Sie lobt das schöne Foyer sowie das Untergeschoss mit den dortigen Garderoben und Toiletten sowie dem Theater 49. Speziell die Realisierung dieses Kleintheaters war den Gegnern der Stadttheater-Sanierung ein nennenswerter Dorn im Auge gewesen. Das Theater 49 erhält nun aber von allen Seiten Bestnoten. «Die auftretenden Künstler loben vor allem die tolle Ambiance und die vorzügliche Akustik im Kleintheater», betont Reto Lang. Er hat ein «Müsterli» auf Lager – vom 14. Februar 2018. Damals stand «Oshumaré» auf dem Programm, «eine musikalische Reise voller Poesie». Die Künstler wollten unbedingt verstärkt werden. Eine Minute vor der Vorstellung stolperte einer der Truppe über ein Kabel, wodurch der Verstärker aus-ser Betrieb gesetzt wurde. Die Zeit fürs Suchen und Beheben des Schadens habe nicht mehr gereicht. Das Konzert war auch unverstärkt ein Genuss und die Akustik einzigartig. Das Publikum hat vom Schaden nichts mitbekommen, und die Künstler waren vollends zufrieden.  

Oper, Ballett und Musical
Zurzeit ist Reto Lang intensiv am Planen der Saison 2018/19. «Zu rund 75 Prozent steht das Programm», das erneut «attraktiv, vielseitig und abwechslungsreich» sein werde. Geplant seien 40 bis 50 Vorstellungen. Nicht alle seien im Abonnement Passepartout P inbegriffen.
Die nach der Sanierung des Stadttheaters erhöhten Preise seien, so Lang, beim Publikum kaum ein Thema gewesen, zumal man seit Jahrzehnten auf eine Erhöhung verzichtet und zu den günstigsten Theatern gezählt habe. Bei den eingekauften Produktionen seien jene für Oper, Ballett und Musical in der Regel die teuersten. Es wäre deshalb weder finanziell möglich noch sinnvoll, eine ganze Saison ausschliesslich Renner wie die im April im Nu ausverkaufte Mozart-Oper «Die Zauberflöte» ins Programm zu nehmen. Kein Zweifel: Der Stadttheaterleiter ist, zumal er selber Regisseur ist, ein absoluter Insider, der sich sein riesiges Netzwerk zunutze macht. Vieles läuft via Theater und Künstler – teils auch über Agenten. Ganz  wichtig ist der direkte Kontakt  zu den Produzenten, von denen er die meisten selber kennt. Qualität sei immer das A und O. Wenn möglich schaut er sich eine Aufführung an oder schafft sich per Mitschnitt oder Trailers einen Eindruck von der Arbeit und Inszenierung.

Glänzende Augen vor Freude
Nach Kinderkrankheiten und Schwierigkeiten mit dem neuen Online-Ticket-System sei dieses Problem nun gelöst. Yvonne Wüthrich: «Die Leute schätzen es, im Internet zu sehen, welche Plätze noch verfügbar sind, um gleich zu buchen – sei es sonntagabends daheim oder montagmorgens vom Büro aus. Diese Möglichkeit, online zu buchen, ist nicht wegzudenken. Viele Theaterbesucher schätzen jedoch auch den direkten Kontakt, weshalb es uns wichtig ist, sie weiterhin an der Theaterkasse bedienen zu können.»
Yvonne Wüthrich wünscht sich für die neue Saison 2018/19 weiterhin so viel Begeisterung fürs Theater, wie sie dies am Tag der offenen Tür, an der Kulturnacht und an so vielen Vorstellungen der nun beendeten Saison 2017/18 habe erleben dürfen. Reto Lang ist aufgefallen, dass in der Spielzeit 2017/18 kaum mehr Schüler mit ihren Lehrern den Weg ins Stadttheater gefunden haben. «Diesbezüglich laufen Gespräche», verrät der Theaterleiter und blickt voraus: «Ich freue mich auf wieder viele schöne Begegnungen mit den Künstlern und dem Publikum, das ich am liebsten zufrieden, freudig oder gar begeistert von dem auf der Bühne Dargebotenen den Heimweg antreten sehe.» Sonst noch ein Wunsch? Reto Lang lächelt verschmitzt. «Nein, ich bin wunschlos glücklich.»

Von Hans Mathys