• Das Musical enthielt visuelle und akustische Leckerbissen für die Zuschauer. · Bild: Karin Rohrer

10.01.2018
Oberaargau

Talent alleine reicht nicht

Begnadet bedeutet, mit sehr grossem Talent ausgestattet zu sein. Die Nachwuchstalente der gleichnamigen Castingshow sind sich ihrer Begabung bewusst. Aber können sie den harten Anforderungen des Showbusiness bestehen oder gerät das ganze Projekt ins Wanken, weil die Widersprüche immer grösser werden? Das Musical «begnadet» von Christof Fankhauser und Alex Kurz, welches dreimal in der Kirche Rohrbach zur Aufführung kam, ging diesen Fragen nach.

Rohrbach · Es sollte ein Projekt für Jung und Alt werden, mit gefühlvollen, aber auch mitreissenden Liedern und einer generationenübergreifenden Sprache. Das Ziel wurde vollumfänglich erreicht, denn das Musical «begnadet» lockte ein breites Publikum an und sprach Teenager genau so an wie Familien oder Senioren. Visuelle Leckerbissen mit Tanzeinlagen und akustische Genüsse mit Chor-Gesang, aber auch sicher vorgetragene Soli entführten die Besucher in die schnelllebige und aufregende Welt der Castingshows.
Mit Charme und Witz, aber auch mit Tiefgang und kritischen Fragen gewürzt forderte das spielfreudige Ensemble das Publikum zum Mitdenken auf. Eines der jungen Gesangstalente brachte es, tiefer in sich gehend, auf den Punkt: «Ich kann auch zuhause im Kuhstall singen, warum soll ich mich also auf einer Bühne beweisen.» Fritz Kilchenmann sorgte als Event-Manager und umtriebiger Produktionsleiter Schlunegger mit seinen treffenden, ja manchmal bissigen Kommentaren für einige Lacher.

Bezug zur Reformation
Und Franziska Hirschi ging auf in ihrer Rolle als Journalistin Tina Luder, die mit ihren Fragen das ganze System der Castingshow ins Ungleichgewicht und damit die jungen Talente zum Überdenken ihrer Situation brachte. «Der Name Luder ist natürlich eine feine Anspielung auf Martin Luther, die zentrale Persönlichkeit der Reformation», erläutert Alex Kurz und sieht die Verbindung der christlichen Weltanschauung vor 500 Jahren zur heutigen fortwährenden Suche nach Bestätigung: «Wir suchen doch stets, unbewusst oder bewusst, nach einer Aufgabe, durch die wir uns selbst beweisen können. Und das war schon vor 500 Jahren so, da die Menschen damals überzeugt davon waren, dass ihnen Gott das Leben geschenkt hatte, und dass sie sich nun vor ihm bewähren mussten.»

Talent alleine reicht nicht
In der spannend aufgebauten Musical-Geschichte ging es auch darum, wie viel Einsatz es braucht, um begnadet zu sein und welcher Preis dafür zu teuer ist. Denn auf der Bühne des Lebens jemand zu werden, dazu braucht es harte Arbeit und stetigen vollen Einsatz. Das wird den Sängern und Tänzern von der überzeugend spielenden Choreografin Lisa Käser eingetrichtert. Zunehmend stellen sie sich jedoch die Frage, ob nicht der Ausstieg aus diesem Leistungsprojekt die Lösung ist. Die jungen Protagonisten entdecken nach einem heftigen und ausartenden Streit, dass Neid und Missgunst wie auch Egoismus und Hochnäsigkeit in keiner Art und Weise weiterhelfen, sondern nur zerstörend wirken. Und sie finden den Weg zu Gott, der sie hier und heute im Ausblick auf eine neue Welt «begnadet» leben lässt.

Von Karin Rohrer


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