• Blicken den Schülern beim Arbeiten über die Schultern: «Linguissima»-Projektleiterin Waltraud Zucha, Kursleiter Christoph Schuler sowie Peter Millard, Mitglied Projektteam «Linguissima». · Bild: Walter Ryser

12.07.2017
Langenthal

Tanzend Spanisch lernen oder verstehen wie Grillen miteinander kommunizieren

Wir leben in einer kommunikativen Zeit. Social Media und Internet haben die Kommunikation revolutioniert. Doch kommunizieren ist viel mehr als bloss eine SMS-Nachricht schreiben oder einen FB-Post veröffentlichen. Das haben auch rund 1500 Schüler des Gymnasiums Oberaargau sowie der Berufsfachschule Langenthal erfahren, die sich an der Sprachwoche «Linguissima» beteiligt haben.

«Kommunikation ist in der heutigen Gesellschaft immer wichtiger», hat Waltraud Zucha erkannt. Die Lehrerin an der Berufsmaturitätsschule in Langenthal (Deutsch und Geschichte) amtete als Projektleiterin der ersten Sprachwoche «Linguissima», die das Gymnasium Oberaargau und die Berufsfachschule Langenthal (Bildungszentrum Langenthal bzl) gemeinsam durchgeführt haben. Bereits seit einigen Jahren führen die beiden Schulen zusammen die Sporttage durch. «Deshalb kamen wir auf die Idee, ein ähnliches Projekt auch mit der Sprache zu lancieren», erläuterte Peter Millard, ebenfalls Lehrperson an der Berufsmaturitätsschule (Englisch, zugleich noch QM-Verantwortlicher sowie IDPA-Koordinator) und Mitglied des «Linguissima»-Projektteams.
Während der Sprachwoche «Linguissima» wurden den Schülern der beiden Mittelschulen Workshops und Dichterlesungen zu verschiedensten Themen aus dem Bereich Kommunikation angeboten. Darunter befanden sich beispielsweise Workshops zu Japanisch, über die Kommunikation der Grillen oder des Care Teams Kanton Bern (Krisenkommunikation), über die Computer-Programmiersprache, aber auch «Wie man tanzend Spanisch lernt». Dazu fanden diverse Dichterlesungen mit Lukas Hartmann, Christof Simon, Urs Mannhart oder Matto Kämpf statt. Als Leitgedanke über den insgesamt 96 verschiedenen Angeboten stand der Satz: «Sprache ist ein alltägliches Werkzeug für alle Berufsgruppen in allen Lebenslagen.»

Sprachkompetenz erweitern
Millard und Zucha sind sich einig, dass Kommunikation mittlerweile zu einem Grundbedürfnis in unserer hochtechnisierten, kommunikationsorientierten, globalisierten Gesellschaft geworden ist und eine überlebensnotwendige Kompetenz darstellt. «Linguissima» diene deshalb dazu, die Sprachkompetenz der Schüler durch einen kreativen Umgang mit Kommunikation in allen Formen und Arten untereinander zu erweitern. Die Sprachwoche habe aber auch zum Ziel gehabt, die Neugier der Schüler für die Vielfältigkeit der Kommunikation zu wecken. Aber auch die Lehrer hätten von «Linguissima» profitiert, betonte Peter Millard, habe man doch für einmal Dinge machen können, für die der Lehrplan keinen Platz biete.
Sprache sei viel mehr als bloss Wörter zu büffeln, sind sich Zucha und Millard einig. «Wir konnten den Schülern zeigen: Hey, dies und jenes gibt es im Bereich Sprache und Kommunikation auch noch», bemerkte der 42-jährige Englischlehrer aus Münsingen. Ganz wichtig sei auch gewesen, dass man Angebote ins Programm aufgenommen habe, von denen man auch im täglichen Leben profitieren könne, wie beispielsweise die Kurse «Wie bewerbe ich mich» oder «Sicheres Auftreten» (inklusive Videoanalyse). Projektleiterin Waltraud Zucha zeigte sich nach den drei «Linguissima»-Tagen hoch erfreut und erleichtert. Die erfahrene Lehrkraft hob die gute Stimmung auf dem Campus hervor. «Es herrschte grosses Leben hier und die Schüler machten begeistert mit.»

Hebräisch und Altgriechisch ausgebucht
Zwar sei das Bildungsniveau der Schüler unterschiedlich gewesen, das habe aber in den bunt gemischten Kursen und Workshops kaum eine Rolle gespielt. Im Gegenteil, die Durchmischung der Schüler sei für alle bereichernd gewesen und alle hätten sich relativ rasch zurechtgefunden. Auch hier hätten die Lehrer profitiert, ergänzt Millard: «Die Zusammenarbeit war auch für die Lehrpersonen sehr wertvoll und hat allen gut getan, hat man doch während den drei Tagen verschiedene neue Ideen und Sichtweisen kennengelernt.» Dreiviertel aller Kurse wurden nämlich vom bestehenden Lehrpersonal abgedeckt, für die restlichen Kurse wurden externe Referenten und Workshopleiter engagiert. Überrascht sind die beiden Lehrkräfte, dass vor allem die Fremdsprachen sehr grossen Anklang fanden und überraschend schnell ausgebucht waren, so beispielsweise Hebräisch oder Altgriechisch. Aber auch der Kurs über Logik, sei ein Renner gewesen, erwähnt Waltraud Zucha, die lachend zu verstehen gab, dass sie gerade bei letzterem wohl eher die Flucht ergriffen hätte anstatt sich anzumelden.
Nicht verwunderlich ist deshalb, dass die Verantwortlichen von «Linguissima» von einem vollen Erfolg sprechen, der sich auch durch die bereits zahlreichen mündlich eingegangenen Rückmeldungen der Schüler bestätige. Daneben konnten die Schüler aber auch via Internet ein persönliches Feedback zur Sprachwoche abgeben. Dieses Feedback werde man nach den Ferien auswerten und in allfällige Überlegungen für eine Wiederholung einfliessen lassen. Eine solche fassen sowohl Zucha wie auch Millard ins Auge. «Ideal wäre wohl ein Dreijahres-Rhythmus, damit hätte man auch Gewähr, dass immer wieder neue Schüler in den Genuss dieses Sonderangebotes kommen», erwähnte Peter Millard.

Von Walter Ryser

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