• Thomas Maurer inmitten des Hornbach-Bettes. Wie hier führen auch viele andere Zuflüsse der Emme kein Wasser mehr. · Bild: Leroy Ryser

29.08.2018
Emmental

Tausenden von Fischen das Leben gerettet

Der trockene Hitzesommer hat auch den Fischen in der Region Mühe bereitet. Zahlreiche Bäche sind ausgetrocknet, jene die noch Wasser führten, waren meist viel zu warm. Die kantonalen Fischereiaufseher haben deshalb zahlreiche Fische umgesiedelt.

Emmental / Oberaargau · Während die anhaltende Hitze in der Region ein bisschen abgenommen hat und vor allem auch die Nächte wieder kühler werden, scheint sich die Lage rund um den Hitzesommer zu entspannen. Könnte man meinen. Thomas Maurer aber verneint. Er ist kantonaler Fischereiaufseher und in dieser Funktion für den Kreis Emmental zuständig und weiss: Noch ist die Gefahr für die Fische nicht überstanden. Weiterhin führen die meisten Zuflüsse der Ilfis und der Emme kaum Wasser, noch heute müssen deshalb Fische abgefischt und umgesiedelt werden. Bis ein Landregen einsetzt, der bestenfalls mehrere Tage dauert, ist die Krise noch nicht ausgestanden. «Ich kann mich erinnern», sagt der mittlerweile seit 18 Jahren als Fischereiaufseher eingesetzte Eggiwiler, «dass der Juni einst ein nasser Monat war. Und dass es früher selbst im Sommer hin und wieder über mehrere Tage regnete.» Beides ist nicht mehr so. Oder zumindest im Jahr 2018 fehlte dies grösstenteils. Aber: Noch ist der Hitzesommer von 2003 laut Thomas Maurer nicht erreicht. «Damals war ich im August vielleicht einen halben Tag zu Hause», erinnert er sich, heuer habe er dann doch etwas weniger zu tun gehabt.

30 Kilometer Gewässer abgefischt
Etwas weniger klingt in Zahlen aber dennoch nach sehr viel. Im gesamten Kanton wurden bisher über 30 Kilometer abgefischt, weit über 10 000 Fische wurden gerettet und deplatziert. Dabei werden die Fische mit einem Elektrofanggerät eingesammelt, in einem Wasserkübel zwischengelagert und an einem anderen Punkt, meist weiter oben im selben System, wieder ausgesetzt. Wenn das Wasser dann zurückkehrt, verteilen sich die Fische automatisch, viele suchen ihr ehemaliges Zuhause wieder auf. «Für die Fische ist das ein Stress. Der Strom, der Transport in einem Kübel in den Sauerstoff gepumpt wird und die Platznot im neuen Zuhause ist unangenehm für die Tiere», fasst Thomas Maurer zusammen. Betroffen von diesen Querelen sind vor allem Bachforellen, Groppen und Alet. Einerseits fehlt schlicht und einfach das Wasser, an einzelnen Stellen war dieses dann auch noch zu warm. «Bachforellen verenden eigentlich bei über 25 Grad. Bei einer Messung in der Emme erreichte das Thermometer 26,5 Grad. Damals konnten wir sie noch retten, weil sie in einem etwas tieferem Gebiet auf kühleres Grundwasser gestos-sen sind.» Zugleich kam für eine kleine Anzahl Fische im emmentalischen Gebiet dennoch jede Hilfe zu spät.

Rattenschwanz wird immer länger
Um möglichst viele Fische zu retten waren die Fischereiaufseher nicht selten im Dauereinsatz. Zwar kontrollieren sie die Bäche nicht selbst, aus Erfahrung weiss Thomas Maurer aber, wie der Rattenschwanz aussieht. «Wenn es an einem Ort beginnt, wissen wir, wo die nächsten Probleme entstehen. In diesem Jahr war dieser Rattenschwanz enorm lang. Und er wird immer länger.» Das habe mit dem Klimawandel, aber auch mit der Geologie zu tun, schätzt Thomas Maurer ein. Der Boden könne seine Funktion als Schwamm nicht mehr wie früher ausführen. Verdichtetes Bauen, schwere Maschinen in der Landwirtschaft, welche den Boden zusammenpressen und Strassen sowie Vorplätze führen oftmals dazu, dass das Wasser nur oberflächlich wegschwimmt, wenn es einmal regnet. Im Oberaargau sind diese Probleme derweil weniger stark vorhanden, auch deshalb bereitete die Langeten kaum Probleme. Dort musste nämlich kein einziger Fisch umgesiedelt werden.

Schlimmste Phase überstanden
90 verschiedene Gewässer mussten kantonsweit insgesamt abgefischt werden und noch ist die Situation nicht ausgestanden.
Einzig die Emme habe sich etwas erholt, beispielsweise der Röthenbach, einer der Bäche der am meisten Sorge bereitete, ist weiterhin arm an Wasser, der Hornbach ist sogar komplett ausgetrocknet. «Alleine im Röthenbach wurden schätzungsweise gegen 10 000 Fische umplatziert», sagt Thomas Maurer. Dafür haben die kantonalen Fischereiaufseher auch auf private Hilfe, sowie auf Helfer von Fischereivereinen zählen können. Hin und wieder seien sie sogar in der Nacht ausgerückt, was wegen der Dunkelheit auch nicht immer ungefährlich war. «Ich bin froh, wenn es ausgestanden
ist und die Notfallaktionen endlich abnehmen. Aber ich denke, die schlimmste Phase ist nun ausgestanden.» Damit die Bäche aber wieder genügend Wasser führen, die Fische sich erholen und an ihre Stammplätze zurückkehren können, braucht es jedoch weiterhin zuerst mehrere Regentage. Alleine das Abkühlen in der Nacht und das Ende der Hitze genügen noch nicht.

Von Leroy Ryser

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