• Im zum Singspiel modulierten Volksstück hatte der Jodlerklub Huttwil eine musikalische Protagonistenrolle. · Bilder: Hans Minder

  • Der Rancher Ruedi kommt nach Raggiwil, um seine Braut Heidi abzuholen.

23.04.2018
Huttwil

Theaterszene mit Senkrechtstart beflügelt

Der Jodlerklub Huttwil hat ein erfolgreiches Premiere-Wochenende hinter sich. Mit seinen ersten Konzert- und Theateraufführungen füllte er im Hotel Kleiner Prinz zweimal den «Städtli»-Saal mit einem begeisterten Publikum. Der Anlass wird kommenden Freitag und Samstag wiederholt.

Die Konzert- und Theateranlässe des Jodlerklubs Huttwil sind seit Jahren Publikumsmagnete und haben in der Region Kultstatus mit grossem Stammpublikum. Auch heuer hat er die regionale Theaterszene mit einem wahren Senkrechtstart beflügelt und das gros-se Publikum sowohl am Samstag wie am Sonntag hell begeistert.

Eine Auswanderergeschichte
Mit dem Volksstück «s’Heiweh» haben die «Huttu»-Jodler ein klassisches Auswandererstück inszeniert. Es stammt aus der Feder des Rohrbacher Pflästerermeisters Ernst Flückiger. Das Stück erzählt vom sturen Raggiwiler Bauern Joggi Berger, dem der Störenmetzger Ruedi als Schwiegersohn zu wenig ist. Er arrangiert es so, dass der unschuldige Ruedi mit einer schwerwiegenden Rauferei in Verbindung gebracht wird und verurteilt werden soll. Das haben die Braut Heidi und Ruedis Freund Kobi aber verhindert, indem sie Ruedi die Möglichkeit zur Ausreise nach Amerika ermöglicht haben. Dort ist Ruedi auf seiner Farm zu Ruhm und Ehre gelangt. Ob Heidi auf ihn gewartet hat, kann man bei einem Besuch des Huttwiler Theaters erfahren. Ein schönes Happy-End ist aber doch in Sichtweite gerückt.

Urstoff zum Singspiel moduliert
Der seit vielen Jahren in Amt und Würde stehende Regisseur Otto Ruch, assistiert von Michael Jordi, hat das Theater, das die Huttwiler schon vor 48 Jahren einmal spielten, angepasst und für heutige Bühnen spielbar gemacht. Aus dem Urstoff hat Otto Ruch ausserdem ein Singspiel gestaltet, bei dem der Jodlerklub Huttwil, klubeigene Kleinformationen und das Jodelduett Stefan und Marcel Lanz (Handorgelbegleitung Bruno Lanz) musikalisch als Protagonisten ins Spiel gebracht wurden. Die inklusive Statisten weit über dreissigköpfige Theatercrew hat die Geschichte um Feindschaft, Leidenschaft, Liebe und Heimweh stilvoll und ausdrucksstark aufs Parkett gelegt. Gute Arbeit hat auch der Nummernboy Jonas geleistet, der mit seinen Ziffertafeln dafür sorgte, dass man die Geschichte auch zeitlich gut einordnen kann. Die Jodler haben ihre Stellung als Huttwiler Theaterkraft nach einer zweijährigen Pause wieder erneuert und gestärkt.

Lieder im Theater
Mit der Liederwahl hat sich der Jodlerklub Huttwil die Latte hoch gelegt, diese unter der Leitung von Susanne Reber-Meier aber auch mit einem kräftigen, untadeligen «Powerflop» übersprungen. Das tragfähige Stimmenkorsett in allen Lagen, der natürliche, blühende Jutz, ausgarniert mit dynamischen und agogischen Kostbarkeiten, brachte Leben in die Bude. Zu hören waren Kompositionen von Ueli Moor, Hans Walter Schneller, Marie Theres von Gunten, Frowin Neff, Bruno Häner, Jean Clémençon und Ernst Sommer. Zwei Jodellieder haben die Huttwiler im Vorspann konzertant auf die Bühne gezaubert. Das restliche Liederprogramm wurde gekonnt in das Theater eingewoben.

Gelungenes Dirigentinnendebüt
Susanne Reber-Meier, sie ist seit November 2017 musikalische Leiterin des Jodlerklubs Huttwil, hat mit diesen Konzerten ein exzellentes Dirigentinnendebüt auf die Bühne gelegt. Es ist ihr gelungen, das ganze, schlagkräftige Klangarsenal ihrer Jodler und Sänger zu mobilisieren und in den «Kampf» zu schicken. Aber die «Huttwiler» fochten unter ihrem Kommando nicht mit blanken Waffen, sondern mit solider, herzhaft natürlicher Jodlerkost, mit reich gewürzten «Schmankerln», die Herz und Seele berührten. In der Beziehung Dirigentin und Jodlerklub ist, so der einstimmige Chorus der Cantusbrüder, nicht nur die musikalische Wertarbeit, sondern auch die menschliche Dimension stimmig.

Weitere Aufführungen
Freitag, 27. April, und Samstag, 28. April, je 20 Uhr im «Städtli»-Saal, Hotel Kleiner Prinz, Huttwil. Reservationen bei Papeterie Blatter-Imhof AG, Huttwil, Telefon 062 962 21 20 (zu den Öffungszeiten). Mehr Informationen auf: www.jodler.ch

Von Hans Minder

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