• Dritt- bis Fünftklässler arbeiten im Werkraum, in Teamarbeit, konzentriert an den «Teichguckern». · Bild: Elsbeth Anliker

13.06.2018
Oberaargau

Themenweg macht Lernen sichtbar

Auf einem 19 Kilometer langen Themenweg gibt die Schule Gondiswil/Reisiswil kreative Einblicke in das schulische Schaffen beider Schulstandorte und neue ungewohnte Ausblicke in die Umgebung. Am 5. Juli, anlässlich des Schulfestes, wird der Weg feierlich eröffnet. Bis dahin müssen die Schüler noch fleissig arbeiten.

Gondiswil / Reisiswil · Der Bohrer und die Decoupiersäge lärmen. Im Werkraum im Schulhaus Gondiswil arbeiten Dritt- bis Fünftklässler an diesem Vormittag an ihren «Teichguckern». Sie messen, rechnen, und schrauben eifrig in Teamarbeit an ihren Figuren.
Es geht laut zu und her – aber alle sind voll bei der Sache. «Die Teichgucker, das sind Figuren aus einer Dachlatte für unseren Themenweg», erklärt der elfjährige Roy Oberli und schraubt sorgfältig einen Arm an seine Holzfigur, die so gross ist wie er. «Es ist eine Freude zuzusehen, wie die Kinder selbständig arbeiten und sich gegenseitig helfen», sagt die Gestaltungslehrerin Esther Reinhard und erklärt: Ein Thema im Gestaltungsunterricht seien in diesem Schuljahr die menschlichen Proportionen.

Gestalten und NMM verbinden
Die Schüler haben die Aufgabe, aus einer Dachlatte eine Figur zu bauen anhand eines Prototypen. «Dazu haben wir uns gegenseitig gemessen, auch die Länge unserer Arme und Beine», erklärt Roy Oberli. Im Fach Natur-Mensch-Mitwelt (NMM) wählten die Schüler ein Tier aus, das im und rund ums Wasser lebt.
«Ich habe alles Wichtige über den Bergmolch zusammengesucht. Das werden wir auf eine Tafel schreiben, die ich dann meinem «Teichgucker» in die Hand gebe», erzählt Marisa Mathys. Noel Jordi findet den Graureiher interessant und schreibt ebenfalls Wissenswertes auf eine Tafel. «Unsere Teichgucker werden wir rund um das Gondiswiler Seeli installieren; wir bemalen sie aber nicht, weil das rohe Holz besser in das Naturschutzgebiet des Seelis passt», erklärt Alessia Ryser.

Fächerübergreifend lernen
«Mit unserem Themenweg wollen wir auf kreative Weise unsere Schule öffnen und einer breiten Öffentlichkeit einen Einblick in unser Schaffen geben», erklärt die Projektleiterin Esther Reinhard. «Der Weg soll die Vielseitigkeit des Lernens veranschaulichen.» Die Outdoor-Installationen werden aber auch neue, ganz ungewohnte Ausblicke in die Umgebung zeigen. Daher der Name des Themenweges: «Einblicke-Ausblicke».
Die Grundidee zu diesem Projekt sei bereits im letzten Schuljahr entstanden, anlässlich einer Weiterbildung zum Lehrplan21, erzählt die Projektleiterin. Es wurde dann eine Steuergruppe gebildet, die plant, für die nötigen Finanzen sorgt und das Projekt dokumentiert. Die 115 Kinder und Jugendlichen vom Kindergarten bis zur neunten Klasse arbeiten jetzt, im letzten Quartal des Schuljahres, fächerübergreifend während einiger Lektionen an ihren Installationen.
Die jeweiligen Lehrkräfte haben die Arbeiten für ihre Klassen selber geplant – es sind ganz besondere Werke am Entstehen.
Dem ganzen Lehrer-Team ist es sehr wichtig, die Schüler und ihr Schaffen ins Zentrum zu stellen und das Handwerkliche zu stärken.
Im Gondiswiler Schulhaus herrscht eine frohe Stimmung. So auch bei den Erst- und Zweitklässlern, die an diesem Vormittag hingebungsvoll malen. Grosse Buchstaben aus Isoliermaterial, 50 bis 100 Zentimeter gross, werden mit wasserfesten Farben bemalt und dann verziert. «Es geht hier um das Fach Deutsch und im Speziellen ums Alphabet und das Lesenlernen», erklärt ihre Lehrerin und Schulleiterin Käthi Moser. Aber wenn die fertigen Buchstaben auf dem Themenweg aufgestellt werden, geht es auch um Aussichten. Man kann nämlich durch die Buchstaben hindurchblicken – genau das werden die Kinder dann auch tun. Der Buchstabe eines jeden Kindes wird schliesslich dort installiert, wo es seine schönste Aussicht gefunden hat. Das Werk trägt den Namen «Buchstabensuppe».
In der Projektwoche vom 2. bis 5. Juli werden die elf wunderbaren Werke der 115 Kinder und Jugendlichen auf einem 19 Kilometer langen, ausgeschilderten Rundweg installiert. Der Themenweg wird die zwei Dörfer Gondiswil und Reisiswil auf faszinierende Weise miteinander verbinden.
Der Weg führt durch eine schöne, beschauliche Landschaft – und es wird unglaublich viel Interessantes, Traumhaftes, Lehrreiches, Lustiges, Zauberhaftes und auch Kurioses zu betrachten, zu bestaunen und zu entdecken geben. Zum Beispiel, wie sich Kinder ihr Traumschulhaus in zehn Jahren vorstellen – wo sich Schüler selber in zehn oder zwanzig Jahren sehen, das verraten sie bei ihrer Installation «Future People; auf dem Weg werden einem Vogelscheuchen begegnen oder die «Gumi(s)tiere». Ein Werk trägt den Namen «Da spielt d Musig». Da hat man für einmal keinen Ausblick, sondern einen Einblick in ein Vogelhäuschen – und darin gibt es Ungeahntes zu entdecken. Bei allen Installationen wird der Herstellungsprozess auf einer Tafel dokumentiert.

Ein toller Wettbewerb
An drei zusätzlichen Standorten hat es Unterlagen für einen Wettbewerb. «Wir haben in beiden Gemeinden verschiedene «Sitzbänkli» und die Aussicht von dort aus fotografiert», erzählt Esther Reinhard. Man muss dann die Landschaft den entsprechenden Sitzbänken zuweisen. Es winken kulinarische Preise für ganze Familien.

Ein grosses Projekt
Als krönender Abschluss wird der Themenweg am 5. Juli, im Rahmen der Schulschlussfeier, feierlich eröffnet. «Unsere Schule kann dieses grosse, ehrgeizige Projekt nur dank der grosszügigen Unterstützung durch den Kanton, die beiden Schulgemeinden und den Firmen aus der Umgebung realisieren», betont Esther Reinhard und freut sich sehr über die vielen Material- und Geldspenden. «Es wird wohl noch Stolpersteine geben», sinniert die langjährige Gestaltungslehrerin, «da wir noch nie ein Projekt in dieser Grösse umgesetzt haben.»

Von Elsbeth Anliker

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