• Das Gettnauer Theaterteam sorgt mit dem Theaterstück «D Jugendsünd» für beste Unterhaltung. · Bild: Rolf Bleisch

15.11.2016
Luzerner Hinterland

Von den Jugendsünden eingeholt

Komplexe und verworrene Liebesgeschichten spielten sich auf der Theaterbühne in Gettnau ab. Jugendsünden und ihre Konsequenzen brachten dem Publikum spannende und amüsante Unterhaltung. «D Jugendsünd» wird morgen Mittwoch und am kommenden Samstag nochmals aufgeführt.

Gettnau · Die Kulisse zeigt ein ländliches Bild: Links die Käserei, rechts ein solider Hühnerstall und im Hintergrund ein Dorf mit zweitürmiger Kirche vor einem Bergzug, der dem Pilatus stark ähnelt. Dort, im Luzerner Hinterland, spielt sich die Geschichte ab. Dass ein Dreiakter helvetischer Herkunft nicht ohne WK-Erlebnisse auskommt, zeigt sich im turbulenten Dorftheater schnell, denn militärische Diensttage hinterliessen vor längerer Zeit im Tessin ihre Spuren. Auf alle Fälle sind es diese «dienstlichen» Nebenbeschäftigungen in der Südschweiz wert, etwas näher erforscht zu werden. Und genau das machen die neun Schauspielerinnen und Schauspieler unter der Regie von Hilda Rösch und sie verweben die Geschichte zu einem vergnüglichen Stelldichein in der Mehrzweckhalle mit feuerrotem Vorhang. Schliesslich geht es ja auch meistens «feuerlich» zu und her auf der Bühne.

Gut interpetierte Charaktere
Verantwortlich für das «Feuer» sind die verschiedenen Charakterdarstellerinnen mit ihren selbstbewussten Auftritten und die Männer, die sich dem schwachen Geschlecht meistens zu fügen haben – und dies auch bestens zum Ausdruck bringen. Die Spiellust der Schauspieltruppe zieht von Beginn weg in den Bann, selbst wenn die Texte teilweise etwas langfädig sind. Aber solch verzwickte Geschichten in begrenzter Zeit auf die Bühne zu bringen, ist nicht einfach und eine grosse Herausforderung für Schauspielerinnen und Schauspieler, um den «heis-sen Draht» bis zum glücklichen Ende durchspielen zu können. Dazu verhelfen träfe Sprüche, mit denen die Figuren und ihre Charakterzüge gut gezeichnet werden können. So umschreibt der Busenfreund den Kopf des Dorfkäsers – um dessen Wirken es in diesem Stück vor allem geht –, dass man mit so einem Gesicht nicht geboren werden könne. Und besagter Käsermeister – der lieber beim Bierchen weilt und dies noch mit vielen Vorstandssitzungen «kaschiert» – von seiner Barbara sagt, sie sei im Laufe der Zeit wie zu Butter geworden. Doch, so scheint es, hat er die Führungsqualitäten seiner Frau wohl etwas unterschätzt. Käsermeister Toni Schneider, überzeugend gespielt von Bruno Kronenberg, verheimlicht seinem Busenfreund Max Baumann (Josef Kreienbühl) aber auch nicht, dass seine Barbara (Vreni Kronenberg), einem wandelnden Tagblatt gleiche. Maxes Frau Monika, gespielt von Cornelia Ineichen, sorgt anderseits immer wieder für Ordnung und unterstreicht dies mit der Erkenntnis: «Bei uns denkt nur eine und das bin ich.»

«Dieser Windhund wohnt hier?»
So kommt es unweigerlich dazu, dass die beiden Herren etwas Genugtuung in ihrer militärischen Vergangenheit suchen und ihre Schmerzen mit ein paar Bierchen wegschwemmen. Dass der Pöstler (Stephan Blum) noch goldige Zeiten in seiner Arbeit erlebt hat und hin und wieder einen Blick in seine auszutragende Post zur Weiterbildung nutzt, ist bekannt. Auf alle Fälle kann er auch über die Steuerveranlagung des Käsermeisters einiges berichten und feststellen, dass da doch noch etwas «Flüssiges» vorhanden sein musste. Das Geheimnis des Geburtstages von Toni lüftet seine Frau Barbara mit viel Vergnügen und lädt seine angebliche Tochter Julia, von der immer lächelnden Esther Achermann gespielt, ein.
Damit der Intrigen nicht genug, denn der Sohn von Toni hat die Tessinerin auch im WK als Serviertochter kennen gelernt. Julia muss auch darunter «gelitten» haben, denn ihre Worte dazu sind: «Mein Herz blutete». Der Ungeheuerlichkeiten nicht genug ging die Geschichte mit dem Auftritt der Mutter von Julia, interpretiert von Doris Kreienbühl, weiter und ihre erste Frage ist denn auch: « Dieser Windhund wohnt also hier?» Einen schwierigen Lebensabschnitt erlebt auch die Tochter von Max und Monika, Elsbeth (Katja Aregger), denn eigentlich soll sie mit Tonis Sohn Heinz, rührend interpretiert von Markus Koller, verheiratet werden. Ihre Liebe aber steht in der Person von Pöstler Stephan neben ihr, selbst wenn das der immer wieder aufbrausenden Mutter Monika gar nicht gefällt.
Der dritte Akt bringt dann die echten Fakten zu Tage. Welche das sind und wie das Theaterstück schlussendlich ausgeht, das sei hier nicht verraten, das geht nur über den Besuch einer der noch ausstehenden Aufführungen von «D Jugendsünd». · Von Rolf Bleisch

Weitere Aufführungen:
Morgen Mittwoch, 16. November, und Samstag, 19. November, jeweils 20 Uhr, in der Mehrzweckhalle Kepinhowa.

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