• Der aktuelle Stiftungsrat Ferienheim Eriz (von links): Urs Flückiger, Präsident; Rolf Flückiger, Dominic Minder, Sandra Lambroia Groux, Klaus Bangerter, Silvia Gränicher Ryser, Peter Bürki. Auf dem Bild fehlen Fritz Kropf und Guido Guazzini. · Bild: Liselotte Jost-Zürcher

28.12.2018
Huttwil

Von der «Ferienversorgung» zum Ferienheim

Die Stiftung Ferienheim Eriz feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Im Saal des Stadthauses Huttwil kamen der Stiftungsrat, ehemalige Stiftungsratsmitglieder und Behörden für einen Rückblick und ein «Apéro riche» zusammen. Rund zehn Jahre nachdem das Huttwiler Ferienhaus Eriz hätte verkauft werden sollen, ist es wieder im «Aufschwung».

Mit Anekdoten und bleibenden Erinnerungen zeigten die anwesenden Stiftungratsmitglieder am Jubiläumsanlass auf, wie attraktiv das Ferienheim Eriz und die atemberaubend schöne Umgebung bis heute sind.
Einige der Erzählenden haben schon Kindheitserinnerungen an das Huttwiler Ferienheim, andere haben erst vor kurzem mit ihm Bekanntschaft gemacht. Die Faszination aber verspüren alle. Dass Huttwil «sein» Eriz (noch) hat, ist aber alles andere als selbstverständlich. Immer wieder standen und stehen meist langjährige Kämpferinnen und Kämpfer da, die sich für das Heim, seinen Betrieb und das Weiterbestehen einsetzen oder eingesetzt haben. Personen einzeln hier zu erwähnen, würde die Kapazität des «UE» bei weitem überschreiten.

Für kranke und unterernährte Kinder
Die Geschichte des «Eriz» hat ihren Anfang für Huttwil vor über 100 Jahren genommen. Damals nämlich, als 1917 die «Ferienversorgung Huttwil» gegründet wurde. Unterernährte, kränkliche und schwache Kinder, deren es damals viele gab, durften nach Abklärung beim Arzt in Ferienkolonien teilnehmen.
Während dieser Zeit sollten sie möglichst viel an Gewicht und Kraft zulegen. Vor den Ferien wurde jeweils in der Gemeinde Huttwil eine Gross-Sammlung an Lebensmitteln angelegt. Da wurde stets reichlich für die jeweils dreiwöchigen Ferienkolonien gespendet. Die Kinder sollten genug zu essen haben! «Die Gewichtszunahme bei den einzelnen Kindern betrug zwischen einem halben Kilo bis dreieinhalb Kilos», nannte der aktuelle Stiftungsratspräsident Urs Flückiger ein Beispiel, das er auf einer Gewichtsliste 1965 herausgesucht hatte. Zum körperlichen Erstarken sollten die Kinder auch zu Rücksichtnahme, Kameradschaft und zur Liebe zur Natur erzogen werden.
Nach 50 Jahren Ferienkolonie zuerst im Ferienheim Oberwald, Dürrenroth, ab 1941 dann im Ferienheim «Bärg-sunneschyn» in Wynigen, kam die damalige Ferienkommission zum Schluss, dass es von der Grösse und vom Ausbau her vorteilhafter sein würde, ein eigenes Heim zu erwerben. Keines, das zu kaufen war, entsprach den Kriterien der Huttwiler. Auf Anraten des damaligen Gemeindepräsidenten und des Gemeindeschreibers wurde entschieden, eine Stiftung zu gründen und die Ferienversorgung darin zu integrieren.
Als 1966/67 in Innereriz die Inbetriebnahme des Skiliftes erfolgte, setzte dies den Verkauf von viel Bauland frei. Der Landkauf für ein eigenes Ferienheim wurde nun der Gemeinde übertragen. Eine Planungskommission sollte sich um den Bau kümmern. Die Einsprache eines Einheimischen verhinderte jedoch den Baubeginn 1969. Dennoch kam das Vorhaben voran. Integriert in die zu gründende Stiftung waren die Einwohnergemeinde, Kirchgemeinde, Burgergemeinde und Herdgemeinde Huttwil. Vor der Gründung musste diese von den Versammlungen aller vier beteiligten Behörden genehmigt werden.

Ferienversorgung in die neue Stiftung integriert
Am 27. Dezember 1968, letzten Donnerstag vor genau 50 Jahren, wurde die Stiftung Ferienheim Huttwil gegründet mit dem Zweck, ein eigenes Fe-rienheim in der Gemeinde Eriz zu realisieren. Dieses sollte in erster Linie den Schülern der Gemeinde Huttwil für Ferienkolonien, Sportwochen und externe Schulwochen dienen. Dabei wurde die 1917 ins Leben gerufene private Ferienversorgung für minderbemittelte Kinder von der Stiftung übernommen.
Um den Betrieb des Ferienheimes mit einem Minimum an öffentlicher Unterstützung aufrecht zu erhalten, wurde vorgesehen, dieses ausserhalb der Zeiten, während welchen das Heim nicht durch einheimische Benützer belegt ist, auch an andere Gemeinden, Schulen und Institutionen zu vermieten, die gleiche Zwecke verfolgen.
Die Einwohnergemeinde beteiligte sich finanziell mit dem grössten Anteil. Weitere Beiträge leisteten die Kirchgemeinde, Burgergemeinde und Herdgemeinde. Zusätzlich beteiligte sich die Gemeinde Oberburg finanziell am Bau des Heims. Sie konnte im Gegenzug diverse Privilegierungen erwarten. Unter anderem hat sie das Recht auf zwei stimmberechtigte Mitglieder in der Betriebskommission.
Im Weiteren kam Kapital der Ferienversorgung, welches zum Zweck des Erwerbs eines eigenen Ferienheims gehäuft worden war. Auch spontane Hilfe der Bevölkerung und der Einsatz der Frauen aus beiden Turnvereinen trugen dazu bei, dass die notwendigen Mittel aufgebracht werden konnten.Im August 1969 traf endlich die Baubewilligung ein. Die Behörden von Eriz rieten allerdings, bis im Frühjahr mit dem Baubeginn zu warten; man gehe von einem strengen Winter aus. Das war weise … im Mai 1970 lief der Skilift immer noch. Dann aber hielt nichts mehr den Bau auf. Nach einem Jahr und mit gerademal 2500 Stunden Fronarbeit wurde das ersehnte Ferienheim Huttwil eingeweiht.

Talfahrt – aber nicht auf der Skipiste
Es erfüllte die Erwartungen voll und ganz, wurde von vielen Institutionen benützt, bis nach 30 Jahren die ersten grösseren Sanierungen anstanden und gleichzeitig die Benützung durch Huttwiler Schulklassen zurückgegangen war. 2005 wurde das Heim definitiv in Frage gestellt; fast keine Huttwiler Schulen benützten es jetzt noch. Es wurde zum Verkauf ausgeschrieben.
Käufer fand sich keiner, aber 2009 meldete der Kanton Interesse an, das Heim für längere Zeit zu mieten und darin rechtskräftig abgewiesene Asylbewerber einzuquartieren.

Das Heim «schmackhaft» machen
Dazu kam es nicht, denn diese Massnahme hätte den Stiftungszweck nicht erfüllt. Vom Amt für Sozialversicherung und von der Stiftungsaufsicht erfolgte ein negativer Entscheid. Inzwischen aber waren sämtliche Mietverträge gekündigt.
Langsam aber sicher wurde der Betrieb in normale Bahnen zurückgelenkt. 2011 war die Talsohle durchschritten. 2012 wurde mit Fritz Kropf erstmals ein Erizer in den Stiftungsrat gewählt. Es wurden diverse Investi-tionen und Modernisierungen vorgenommen. 2016 fand ein Kollegiumstag der Gesamtschule Huttwil statt, um das Ferienheim einschliesslich der regionalen Attraktionen auch bei der Lehrerschaft wieder bewusst zu machen. Die herrliche Umgebung und die ideale Infrastruktur des Hauses sowie dessen überaus grosszügige Bauweise begeisterte nicht wenige.
Eine neue Homepage und eine ansprechende Tafel am Wanderweg in der Nähe des Hauses tragen viel zur neuen Popularität bei, und mit Riesenschritten geht das Ferienheim auf sein 50-Jahr-Jubiläum zu.
«Vorher sind noch verschiedene Umgebungsarbeiten in Zusammenarbeit mit Schulen, Firmen und Lehrlingen geplant», verriet Urs Flückiger. Beim anschliessenden reichhaltigen Apéro und dem historischen Film vom Bau des Ferienheims wurden noch viele schöne und interessante Erinnerungen ausgetauscht.

Von Liselotte Jost-Zürcher

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