• Vom Pumpwerk Schlossberg aus soll Lützelflüh in Zukunft mit Wasser versorgt werden. · Bild: Ernst Marti

02.06.2017
Emmental

Wasserversorgung erhitzte die Gemüter

Nicht die Gemeinderechnung oder der Nachkredit für die Erschliessung einer Bauzone in Grünenmatt gaben an der Gemeindeversammlung von Lützelfüh Anlass zu Diskussionen. Obschon es sich «bloss» um eine gemeinderätliche Orientierung handelte, war es die Wasserversorgung, welche einige Gemüter erhitzte und zu teils heftigen Disputen führte.

Lützelflüh · Das Thema Wasserversorgung ist in Lützelflüh nicht neu und beschäftigte schon einige Gemeinderatsgenerationen. Weil die bestehende Schutzzone den gesetzlichen Anforderungen nicht mehr genügt, hätte die Wasserversorgung Lützelflüh schon länger ihren Wasserbezugsort Farbschachen ersetzen müssen. Gemeindepräsident Andreas Meister orientierte an der Gemeindeversammlung, dass in der Vergangenheit Besprechungen zwischen der Gemeinde Lützelflüh, Wasserversorgungsgenossenschaft Rüegsau und Umgebung (WBGR) sowie der Wasserversorgung Sumiswald stattfanden. Ein vertraglicher Zusammenschluss Rüegsau, Lützelflüh und Sumiswald sei jedoch derzeit nicht möglich, weil die Sumiswalder Schwandbachquelle bei Trockenheit ausfallen könne. Somit wäre in einem solchen Fall die Versorgungssicherheit nicht gewährleistet. Weil Lützelflüh jedoch eine schnelle Lösung benötige, sei man mit der WVGR überein gekom-men, einen Vertrag abzuschliessen, damit das Wasser von ihrem Pumpwerk Schlossberg bezogen werden könne.

Neue Leitung vom Schlossberg
In einem ersten Schritt soll nun das Wasser ab dem Pumpwerk Schlossberg mit einer Verbindungsleitung ins Verteilnetz von Lützelflüh geführt werden. Den dafür erforderlichen Kredit von rund 400 000 Franken hat der Gemeinderat zwar in eigener Kompetenz bewilligt, er untersteht jedoch dem fakultativen Referendum, das in den nächsten Tagen publiziert werden soll. Vom Gemeindepräsidenten war zu erfahren, dass mit den Grundeigentümern durch deren Land die Leitung geführt werden soll, bereits Kontakt aufgenommen wurde und keine grosse Opposition zu erwarten sei.
Wie zu erfahren war, hat aber auch die WVGR noch einige Hausaufgaben zu erledigen. Deren Schutzzone, die im Jahr 1978 ausgeschieden war, ist zwar noch rechtskräftig, doch das Schutzzonenreglement entspricht auch hier nicht mehr den aktuellen gesetzlichen Vorgaben. Gleichzeitig mit der geplanten Erweiterung der Pumpenleistung soll es nun ebenfalls überarbeitet werden. Erste Kontakte mit den betroffenen Landwirten haben bereits stattgefunden, weitere werden folgen, sobald die beauftragten Spezialisten Werner+Partner AG, Burgdorf die Grundlagenarbeit verfeinert haben.
Einzelne Wortmeldungen zeigten, dass nicht alle mit dem Projekt zufrieden sind. «Warum wollen wir hier die Katze im Sack kaufen? Das riecht nach einem richtigen Kuhhandel, bei dem der Gemeinderat dem AWA (Amt für Wasser und Abfall) alles abkauft», waren noch die mildesten Worte. «Warum nimmt man nicht das gute Wasser von den gemeindeeigenen Quellen oberhalb der Buchegg oder erschliesst neue Quellen auf der Egg», die Frage. Nun, diese konnte von Gemeindepräsident Andreas Meister klar beantwor-tet werden: «Die bestehenden Buch­egg­quellen haben eine Ergiebigkeit von rund 35 Kubikmeter pro Tag, benötigt werden jedoch für die ungefähr 2000 zu versorgenden Einwohner gut 500 Kubikmeter pro Tag. Zudem sind die Quellen auf der Egg seit vielen Jahren nicht mehr unterhalten, wobei auch hier neue Schutzzonen errichtet werden müssen.»
Nach einer langwierigen Diskussion konnte der Gemeinderat für das geplante Vorgehen jedoch auch Lob einheimsen. So stellte ein ehemaliges Ratsmitglied fest, dass ihm das Problem schon während seiner Amtszeit auf dem Magen gelegen sei. «Ich bin froh, dass man bei diesem leidigen Problem nun einer guten Lösung sehr nahe gekommen ist», stellte er fest.

Weitere Veränderungen angedacht
Doch damit nicht genug, denn um die Versorgungssicherheit der beiden Wasserversorgungen langfristig sicher zu stellen, sollen weitere Gespräche mit Sumiswald erfolgen und allenfalls auch ein Anschluss an die Transportleitung der Wasserversorgung Vennersmühle geprüft werden. Ferner soll in naher Zukunft ebenfalls ein Verbund der beiden Wasserversorgungen Rüegsau und Lützelflüh andiskutiert werden.
Gleich rund 350 000 Franken mehr kostete die Sanierung des Primar-schulhauses Lützelflüh, für die im Jahr 2013 ein Kredit von 4,0 Millionen Franken bewilligt wurde. Mehrleistungen gab es laut Gemeindepräsident Andreas Meister mit 200 000 Franken vor allem bei den Malerarbeiten. Die Genehmigung des Nachkredits lag in der Finanzkompetenz des Gemeinderates, sodass die Versammlung nach bloss davon Kenntnis nehmen konnte.
Nachdem nun das aktuelle Primarschulhaus in neuem Glanz erstrahlt, soll nun das ungefähr 1841 erstellte ehemalige Primarschulhaus, in dem heute die Gemeindeverwaltung untergebracht ist, ein Facelifting erhalten. Der für das Projekt zuständige Gemeinderat Franz Held orientierte, dass besonders aus energetischen Gründen eine Sanierung dringend notwendig sei. So müssen zum Beispiel rund 100 Fenster ersetzt werden. Im Innern des Gebäudes sind dagegen nur geringe bauliche Massnahmen geplant. Der Sanierungskredit von 1,25 Millionen Franken wird der Gemeinde an der Urnenabstimmung vom September 2017 zum Beschluss vorgelegt.
Keine Diskussionen gab es bei der Behandlung der Gemeinderechnung 2016, welche mit einem Ertragsüberschuss von 60 195.90 Franken abschliesst. Die Besserstellung gegenüber dem Budget beträgt 438 000 Franken. Auch der Nachkredit von 290 000 Franken für die Erschliessung des gemeindeeigenen Baulandes «Schaad» in Grünenmatt gab keinen Anlass zu Diskussionen und wurde von den 67 Versammlungsteilnehmenden einstimmig genehmigt.

Von Ernst Marti

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