• Kirchgemeinderätin Brigitte Berlincourt hat demissioniert. Sie wird mit Blumen und Beifall verabschiedet. · Bild: Hans Mathys

11.12.2017
Langenthal

Wechsel im Kirchgemeinderat

Die Versammlung der Reformierten Kirche hiess Karin Hauser im Rat willkommen und verabschiedete Brigitte Berlincourt. Die Kirche Geissberg wird saniert. 17 Architekturbüros bewarben sich, ein Büro aus Zürich machte das Rennen.

 

Der Reformierten Kirche Langenthal gehören aktuell 7576 Personen an. Davon sind 6362 stimmberechtigt. 66 von ihnen, also gut 1 Prozent, nahmen an der Kirchgemeindeversammlung im Forum Geissberg teil. Nach zwei Liedern des Kirchenchors – Vreni Aegerter vertrat den in der Ostschweiz engagierten Philippe Ellenberger als Dirigentin – und besinnlichen Worten von Pfarrer Daniel Winnewisser bildete die anstehende Kirchensanierung das Haupttraktandum. Weil es generell viel Neues gab, schrieb Verwalter und Protokollführer Urs Hallauer während der zweieinhalbstündigen Versammlung beinahe seine linke Hand wund: Stress am Abend.

Karin Hauser neu im Rat
Nach dem Wegzug aus Langenthal von Thomas Bertschinger musste dieser als Kirchgemeinderat ersetzt werden. Sympathisch stellte sich Karin Hauser als junge Familienfrau und Mutter dreier Kinder der Versammlung als Kandidatin für das verwaiste Amt vor. Sie betonte die Wichtigkeit, in der heutigen schnelllebigen Zeit den Kindern Werte und Menschlichkeit zu vermitteln. Karin Hauser wurde – mangels Gegenkandidatur – still gewählt, aber mit kräftigem Applaus. Mit Blumen und Dankesworten verabschiedet wurde das auf Ende Jahr zurücktretende bisherige Ratsmitglied Brigitte Berlincourt. Der Versammlung vom Juni 2018 soll ein Kandidat oder eine Kandidatin präsentiert werden.
Spannendes zur Sanierung der Kirche Geissberg erläuterte Kirchgemeinderat Heini Hasler, Vorsteher Bau. Er liess gleich die Katze aus dem Sack: Das Büro Hull Inoue Radlinsky GmbH aus Zürich werde zum Zug kommen. Unter den 17 Architekturbüros seien zwei aus Langenthal gewesen, die sich an der öffentlichen Ausschreibung beteiligt hätten.
Aus der Versammlungsmitte gab Samuel Köhli seinem Bedauern Ausdruck, dass hier ein auswärtiges Büro zum Handkuss kommt. «Man sieht, dass es in Langenthal keine fähigen Architekten gibt. Schade», sagte Köhli – wohl absichtlich überspitzt. «Es hat schlichtweg nicht gereicht», betonte Heini Hasler und verriet, dass am Schluss vier Büros in der engeren Wahl gestanden hätten.
Heini Hasler zeigte nostalgische Bilder der Kirche von 1677, 1825, 1864 und 1897. Der Kirchenumbau von 1956/57 sei ein «radikaler Einschnitt» gewesen. Jetzt werde wieder eine Sanierung der Kirche notwendig, die den Betrieb von 2020 bis 2080 gewährleiste und die den aktuellen sowie den künftigen Bedürfnissen entsprechen würde. Hasler musste vorerst den Nachtragskredit für das Submissionsverfahren von 36 000 Franken begründen. Das Projekt habe sich als «viel komplexer» erwiesen, weshalb der im Herbst 2016 genehmigte Budgetposten von 50 000 Franken für die Phasen 1 und 2 – bis Januar 2018 – nicht reiche. Die Versammlung winkte diesen 36 000-Franken-Nachkredit durch – bei einer Enthaltung. «Die sanierte Kirche wird freundlicher und einladender, bleibt aber traditionell», versprach Hasler.
Ebenfalls lauter Ja-Stimmen und eine Enthaltung gab es beim Antrag, einem Projektierungskredit von 300 000 Franken für die Sanierung der Kirche Geissberg zuzustimmen – «für alle Arbeiten bis zur Baupublikation.»
Heini Hasler stellte den Zeitplan bis 2020 vor und ermunterte alle, den Info-Anlass vom 22. Februar 2018 zu besuchen. Hier könne die Bevölkerung Fragen stellen und Anregungen einbringen, während das Architektenteam aus Zürich die Herangehensweise aufzeige.
«Wir nehmen die Mitwirkung sehr ernst», sagte Ratspräsident Reto Steiner. Es sei aber nicht möglich, alle Wünsche zu berücksichtigen, zumal schon jetzt hier für Stühle und dort für Bänke plädiert werde.
Die Kirchgemeindeversammlung im November 2018 werde letztlich Bauprojekt und Baukredit – man rechnet mit 3,5 Millionen Franken – zu bewilligen haben. Baubeginn könnte ab 1. Juni 2019 sein. «Somit wäre die Kirche ab Mitte 2019 für Veranstaltungen gesperrt», blickte Hasler voraus. Eröffnung der sanierten Kirche Geissberg ist fürs Jahr 2020 geplant.
Wie das Ganze finanziert werden könne, wollte jemand aus dem Plenum wissen. «Die 300 000 Franken für die Projektierung zahlen wir aus der Kasse», sagte das für die Finanzen zuständige Ratsmitglied Roland Knobel, bei den Baukosten von geschätzten 3,5 Millionen Franken würde etwa die Hälfte aus eigenen flüssigen Mitteln bezahlt, die Bank würde den Rest übernehmen. «Wir können das verkraften», so Knobel.

Budget mit kleinem Defizit
Roland Knobel stellte das Budget 2018 vor, das bei Ausgaben von 2,465 Millionen Franken ein Defizit von 1430 Franken vorsieht. Dies bei einer seit über 20 Jahren gleich bleibenden Steueranlage von 0,138 Einheiten – eine der günstigsten im Kanton Bern. Die Annahme des Budgets 2018 erfolgte einstimmig.
Daniel Winnewisser stellte das neue Seelsorgekonzept «Wir haben Zeit für Sie» vor und Reto Steiner das Projekt «0-25», das zum Ziel habe, eine familienfreundliche Kirche zu sein. Die Gottesdienste würden in Kirche und Zwinglihaus einheitlich um 10 Uhr beginnen. Ab Januar 2018 werde eine Kinderbetreuung angeboten, nach der Predigt – wie gehabt – ein Kirchenkaffee. Die Kirchenkonzerte finden neu am Donnerstagabend statt. Wie die insgesamt 380 Stellenprozente im Pfarrkollegium neu aufgeteilt sind, verriet Richard Bobst, der für den Silvesteranlass im Forum Geissberg warb. Von 80 Plätzen seien noch 30 frei. Als neuer Pfarrer mit 30-Prozent-Pensum stellte sich Ingo Koch aus Grünenmatt vor. 

Von Hans Mathys

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