• Schöne Aussichten für das Schloss Sumiswald – die historischen Räumlichkeiten sind fast alle vermietet. · Bild: Ulrich Steiner

15.12.2017
Region

Wenig Traktanden und viel Schnee

Die Sumiswalder Budget-Gemeindeversammlung fand am Donnerstag in Wasen statt. Der Voranschlag 2018 schliesst bei einem Aufwand von 17,682 Millionen Franken mit einem Ertragsüberschuss von 40 700 Franken ab. Die Schloss-Vermietung nimmt Fahrt auf.

 

Sumiswald · Der Grund, dass am Donnerstag nur gerade 57 Stimmberechtigte (1,5 Prozent) zur Gemeindeversammlung in die Schulhaus-Aula nach Wasen kamen, liegt wohl kaum beim Sumiswalder «Stubenhocker»-Verein.
Viel wahrscheinlicher ist die Polit-Abstinenz auf die minimale Traktandenliste und das schlechte Winterwetter zurückzuführen.
Eingangs durfte Gemeindepräsident Fritz Kohler die Neuntklässler aus Wasen zu einer realen Lektion Staatskunde begrüssen. Stichwortartig streifte der Vorsitzende die wichtigsten kommunalen Aufgaben, welche aus den Steuern und Gebühren finanziert werden. «Über das wollen wir heute in der Budget-Debatte diskutieren», erklärte Kohler den Jugendlichen.

Lehmann übernimmt temporär
Wegen einer Erkältung übergab er dann die Leitung der Versammlung an seinen Vize Fritz Lehmann. Dieser meisterte die «Feuertaufe» mit Überraschungseffekt souverän. Für das Haupt-Traktandum erteilte er das Wort Ratskollege Rolf Ryser. Das Budget 2018 schliesst bei einem Aufwand von 17,682 Millionen Franken und einem Ertrag von 17,722 Millionen Franken mit einem Ertragsüberschuss von 40 700 Franken ab.
Die um fast sieben Prozent beziehungsweise 617 000 Franken höheren Steuereinnahmen wirken sich ungünstig auf die Erträge aus dem Finanzausgleich aus.
Neuerdings werden die Abschreibungen nach Anlagekategorien und linear nach Nutzungsdauer berechnet. Damit fällt der Abschreibungsaufwand im Vergleich zu HRM1 höher aus und belastet die Erfolgsrechnung über einen längeren Zeitraum. Dies hat zur Folge, dass der Handlungsspielraum für neue Ausgaben abnimmt. Ryser bezeichnete die im Finanzplan absehbare Zunahme des Fremdkapitals von 8,5 auf 14 Millionen Franken als eine leidige Sache und eine grosse Herausforderung für den Gemeinderat.

Erfreuliches aus dem Schloss
Die Gemeinde Sumiswald plant für das kommende Jahr Nettoinvestitionen in der Höhe von knapp drei Millionen Franken. Am meisten zu Buche schlagen dabei die Spezialfinanzierung Abwasser, der Strassenunterhalt und die Schulliegenschaften. Ausserdem muss das Stalldach beim Landwirtschaftsbetrieb Schloss saniert werden.
Nach kurzer Diskussionsrunde verabschiedete die Versammlung den Voranschlag mit einem unveränderten Steuersatz von 1,79 Einheiten und einer Liegenschaftssteuer von einem Promille einstimmig.
Gemeinderat Fritz Lehmann ist zuständig für das gemeindeeigene Schloss, welches seit dem Wegzug des Altersheims vor bald zwei Jahren leer stand. «Nun ist wieder Leben ins historische Gebäude gekommen. Neben dem «Bed and Breakfast»-Angebot im Turmbereich haben sich bereits sechs Geschäfte eingemietet.
Am Wochenende der offenen Schloss-Türen von anfangs Dezember sind wir schier überrannt worden», freute sich Lehmann. Im Nachgang der öffentlichen Besichtigung konnten nochmals drei Mietverträge abgeschlossen werden, so dass nun 60 bis 70 000 Franken Mietzinse resultieren.
Im Jahr 2021 will der Gemeinderat Bilanz ziehen und über das weitere Vorgehen entscheiden.
Bereits entschieden hat der Rat betreffend den präsidialen Sprechstunden. Dieses Angebot fällt künftig wegen mangelndem Interesse seitens der Bevölkerung weg.
Auf Anfrage stünden die Ratsmitglieder allerdings gerne für eine Privat-Audienz zur Verfügung.
Bereits nach einer Dreiviertelstunde schloss Präsident Fritz Kohler die Versammlung und wünschte einen guten Heimweg. Was bei dem ausgiebigen Schneefall auch von Nöten war.

Von Ulrich Steiner