• Max Galliker ist seiner Heimatgemeinde eng verbunden. · Bilde: Marcel Bieri

29.06.2018
Luzerner Hinterland

«Wir durften vieles realisieren, das dem Ort gut getan hat»

Max Galliker war Mitinitiant und Gründungsmitglied des Fördervereins Luthern, den er elf Jahre lang präsidierte. Im Monatsinterview mit dem «Unter-Emmentaler» verrät er, weshalb er sich für die Luzerner Gemeinde eingesetzt hat. Der ehemalige Direktor der Schweizer Nationalbank in Luzern wirft auch einen Blick auf die aktuelle Finanzwirtschaft und verrät, weshalb wir vermehrt das tun sollten, was uns wirklich gut tut …

Walter Ryser im Gespräch mit Max Galliker

Max Galliker, Sie waren elf Jahre lang Präsident des Fördervereins Luthern Bad. Weshalb haben Sie das Amt abgegeben und sich aus dieser Aufgabe zurückgezogen?
Mein Alter war sicher ein Grund dafür, diesen Entscheid zu fällen, bin ich doch bereits 4000 Wochen alt. Mit der Einweihung des neuen Arm- und Fussbades bei der Kapelle im Luthern Bad konnten wir einen Meilenstein realisieren, der zugleich einen wunderbaren Schlusspunkt meiner Tätigkeit als Vereinspräsident bildete. Auch waren wir in der glücklichen Lage, über einen Nachfolger für mich zu verfügen. Rückblickend darf ich sagen, dass es eine enorm schöne und interessante Zeit war.

Wie fällt Ihre präsidiale Bilanz aus, auf was sind Sie stolz?
Ich war Mitinitiant und Gründungsmitglied des Fördervereins Luthern Bad. Darauf bin ich stolz. Ich glaube, dass es uns gelungen ist, etwas Gutes für den Ort zu tun. Wir durften einige Projekte realisieren, daneben aber auch viele kulturelle und gesellschaftliche Anlässe organisieren. Es war ein gelungener Mix auf verschiedenen Massnahmen, die umgesetzt wurden, die einerseits viel Freude bereitet und andererseits Luthern aufgewertet haben. Dabei denke ich an die 1.-August-Feier 2014, als wir in Luthern mit Johann Schneider-Ammann sogar einen Bundesrat als Festredner hatten. Nebst dem bereits erwähnten Arm- und Fussbad, stellte sicher auch die Realisierung der Publikation ‹Das Wunder von Luthern Bad› einen Höhepunkt im Vereinsleben dar.

Sie sind in Hofstatt bei Luthern aufgewachsen, wohnen seit fast 30 Jahren in Horw, aber engagierten sich bis vor kurzem für ihren Geburtsort. Woher kommt diese Verbundenheit mit Luthern?
Luthern ist meine Heimatgemeinde, mit der ich viele schöne Erinnerungen verbinde. Zu Hause ist man da, wo man die Leute und die Gegend kennt. Das war für mich in Luthern der Fall. Dieses Gefühl sorgt für eine tiefe Verbundenheit. Zwar bin ich bereits im Alter von 20 Jahren nach Bern gezogen, um an der Uni zu studieren, doch die Verbundenheit mit Luthern blieb. Da meine Frau und ich kinderlos blieben, haben wir uns frühzeitig Gedanken über die Zeit nach der Pensionierung gemacht. Dabei sind wir auf die Idee gekommen, die Max und Marlis Galliker Stiftung ins Leben zu rufen. Die Stiftung ist gemeinnützig und unterstützt in der Schweiz, vorrangig im Kanton Luzern und der Gemeinde Luthern, Projekte und Institutionen in den Bereichen Bildung, Kultur, Landschaft und Soziales sowie in besonderen Fällen auch hilfsbedürftige Personen.

Und da haben Sie sich wieder an Ihre Heimatgemeinde Luthern erinnert?
Ich war der Meinung, dass meine Heimatgemeinde Unterstützung gut gebrauchen kann und auch verdient hat. Aus diesem Grunde habe ich durch die Hochschule für Wirtschaft Luzern eine Projektstudie ausarbeiten lassen, die sich mit dem Thema ‹Entwicklungsperspektiven für die Napfgemeinde Luthern› befasst. Diese Studie bildete die Ausganslage für mein Wirken. Im Nachgang zur Studie entstand ein Pilotprojekt ‹Gemeindeentwicklung am Beispiel Luthern›. Parallel dazu haben wir den Förderverein Luthern Bad
gegründet. Die Max und Marlis Galiker Stiftung stellte dem Förder-verein ein kleines Startkapital zur
Verfügung.

Was zeichnet für Sie die Gegend um Luthern aus, weshalb erachten Sie diese Region als förderungswürdig?
Luthern liegt zentral abgelegen. Die Gemeinde liegt zwar mitten in der Schweiz und ist dennoch abgelegen. Seit längerer Zeit kämpft sie gegen die Abwanderung. Dieser Trend bedeutet für die Gemeinde eine grosse Herausforderung und für die jungen Leute ist es keine motivierende Perspektive. Dabei sind gerade in dieser Region sehr viele wertvolle Menschen zu Hause, das durfte ich während meiner Tätigkeit für den Förderverein Luthern Bad immer wieder erfahren. Die Leute sind hilfsbereit, bodenständig und geprägt von einer sozialen Denkweise. Gemeinden, die über solch wertvolle Ressourcen verfügen, verdienen es, unterstützt zu werden.

Seit Ihrer Pensionierung vor 13 Jahren leisten Sie viel Freiwilligenarbeit. Was ist Ihr Antrieb, sich für die Allgemeinheit, unsere Gesellschaft zu engagieren?
Ich hätte es nach der Pensionierung tatsächlich ein bisschen einfacher und komfortabler haben können. Aber ich fühle mich sehr wohl dabei, etwas realisieren zu dürfen. Mit dem Förderverein Luthern Bad durfte ich Projekte auf die Beine stellen, die ich vermutlich sonst nie realisiert hätte. Diese Erfahrung war für mich sehr bereichernd. Ich konnte Spuren hinterlassen, an denen viele Leute Freude haben und die von vielen geschätzt werden. Ich habe immer an das Luthertal geglaubt und war überzeugt, dass sich hier etwas Nachhaltiges entwickeln lässt, das der Gemeinde Mehrwert verschafft. Ich wollte schon immer etwas in Bewegung setzen und das ist mir hier gelungen. Es ist schön, zu sehen, dass so viele mitgezogen haben und bereit waren, diesen Ort zu unterstützen.

Freiwilligenarbeit hat in unserer Gesellschaft je länger desto mehr einen schweren Stand. Niemand möchte seine Freizeit unentgeltlich für andere zur Verfügung stellen. Damit sind viele unserer Errungenschaften wie Vereine, Grossanlässe, das Gemeinwesen, soziale Institutionen gefährdet. Wie können wir kommenden Generationen die Freiwilligenarbeit ‹schmackhaft› machen?
Ich habe nicht den Anspruch, das passende Rezept bereit zu haben, wie der Stellenwert der Freiwilligenarbeit erhöht werden kann. Ich frage mich diesbezüglich aber manchmal, ob die Leute tatsächlich keine Freiwilligenarbeit leisten wollen oder ob das Problem nicht viel mehr darin liegt, dass niemand Verantwortung übernehmen will. Denn bei vielen Projekten oder Anlässen stelle ich immer wieder fest, dass man meistens rasch genügend Helfer rekrutieren kann, aber der Start zu einem Projekt verläuft oft sehr harzig, weil sich niemand zur Verfügung stellen will, der vorne hinsteht, voran geht und Verantwortung übernimmt.

Sie haben viele Jahre bei der Eidgenössischen Finanzverwaltung und später bei der Nationalbank gearbeitet. Sie kennen sich mit Zahlen und Geld aus. Seit dem ‹Euro-Schock› vor drei Jahren steht die Nationalbank unter besonderer Beobachtung. Verfolgen auch Sie die Aktivitäten ihres ehemaligen Arbeitgebers?
Selbstverständlich, wenn man so lange wie ich bei der Nationalbank tätig war, bleibt das Interesse bestehen. Aber es gibt mir zu denken, dass die Nationalbank mittlerweile in der Wirtschaftspolitik eine so wichtige Rolle spielt. Auf der andern Seite darf ich mit Freude feststellen, dass die Nationalbank in den letzten Jahren einen hervorragenden Job gemacht hat. Ich habe damals, am 15. Januar 2015, kurz nach dem ‹Euro-Schock›, Nationalbank-Präsident Thomas Jordan eine E-Mail geschickt und ihm darin zu diesem mutigen Entscheid gratuliert. Rückblickend stelle ich fest, dass die SNB einen weisen Entscheid gefällt hat und diesen auch noch zum richtigen Zeitpunkt vollzogen hat.

Zu Ihrer Zeit waren die Finanzmärkte vermutlich viel krisenresistenter und die Eidgenössische Finanzverwaltung weniger im Fokus von Politik und Medien und damit die Arbeit auch um einiges einfacher...
Wo denken Sie hin. Es hat schon damals, als ich bei der Eidgenössischen Finanzverwaltung arbeitete, sehr schwierige Zeiten gegeben, beispielsweise in den 1970er-Jahren, als die Ölkrise eine Rezession auslöste und dadurch die Finanzpolitik des Bundes tief erschütterte. Aber auch die Zeit nach dem EWR-Nein war äusserst schwierig, das haben wir als Mitarbeiter bei der Nationalbank direkt zu spüren bekommen. Bei der Nationalbank beispielsweise war ich verantwortlich für die Wirtschaftskontakte. In dieser Funktion musste ich den Unternehmen Red und Antwort stehen, was beim starken Schweizer Franken keine einfache Aufgabe war.

Die Schweizer Exportwirtschaft ist zum Teil abhängig von der Nationalbank, die Eidgenössische Finanzverwaltung weiss schon bald nicht mehr, wie sie die steigenden Gesundheits- und Sozialkosten begleichen soll. Woher das Geld nehmen und nicht stehlen ...
(Lacht herzhaft) Sehen Sie, Steuereinnahmen werden durch die Wirtschaft generiert. So gesehen kann man nur hoffen, dass unsere Wirtschaft auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt und Arbeitsplätze generieren kann. Daneben müssen wir unbedingt über das Rentenalter reden. Wir können bei dieser Diskussion die steigende Lebenserwartung nicht einfach ausblenden. Doch hier braucht es noch viel politische Überzeugungsarbeit. Kommt dazu, dass die Arbeit der Nationalbank künftig schwieriger wird, je mehr die Schweiz gegenüber Europa auf Distanz geht. Wir stehen vor grossen Herausforderungen, die politische Kompromissbereitschaft erfordern wird, die zuletzt aber kaum noch spürbar war.

Sie stammen aus einer Unternehmerfamilie, die in Hofstatt bei Luthern den Grundstein zu einem der bedeutendsten Transport-Unternehmen in unserem Land, der Galliker Transport AG, gelegt hat. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Transport-Unternehmen?
Als kleiner Bub war ich mit Haut und Haaren mit dem Familienunternehmen verbunden. Wir waren sieben Kinder und meine Mutter hatte nur wenig Zeit für uns. Deshalb hielten wir uns in unserer Freizeit fast ausnahmslos auf dem Firmengelände auf. Wir haben im Betrieb mitgeholfen und waren Teil des Unternehmens. Vor zehn Jahren dann, habe ich mitgeholfen, zum 90. Geburtstag des Transportunternehmens eine Chronik zu verfassen.

Weshalb haben Sie sich nicht am Familien-Unternehmen beteiligt?
Ich war zeitlebens beruflich lieber alleine unterwegs. Ich war stets der Meinung, dass jeder das tun sollte, was ihm behagt. Es hat sich rückblickend gezeigt, dass dies sinnvoll war. Ich durfte ein Studium absolvieren und war sehr dankbar, dass dies möglich war.

Haben Sie noch Beziehungen zum Transport-Unternehmen?
Natürlich. Es bestehen sehr gute Kontakte zu meinem Bruder Peter, dem heutigen Senior-Chef des Galliker Transportunternehmens. Aber auch zu seinen Kindern, die heute den Betrieb führen, habe ich ein gutes
Verhältnis. Man sieht sich etwa an Familienfeiern und da erfahre ich immer wieder, was in der Firma läuft, welche Projekte oder Bauten realisiert werden.

Was steht nach dem Rückzug aus dem Förderverein Luthern Bad auf ihrer persönlichen Freizeit-Prioritätenliste?
Vorerst habe ich noch einige Pendenzen beim Förderverein zu erledigen. Danach möchte ich tatsächlich etwas mehr Zeit meinen Hobbies Wandern und Garten widmen. Zudem werde ich mich natürlich weiterhin bei meiner Stiftung engagieren, auch bin ich noch Mitglied der Programmgruppe des Europa Forum Luzern und engagiere ich mich als Stiftungsrat beim Museum Rosengart Luzern. Es wird mir also auch in Zukunft nicht an Beschäftigung mangeln.

Als Lebensmotto bezeichnen sie den Spruch: ‹Glücklich leben kann nur, wer weiss, was gut für ihn ist.› Was ist gut für Sie?
Ich bin der Meinung, man sollte stets offen sein für vieles, das ist, glaube ich, ganz wichtig. Ich staune immer wieder, wie viele Leute ihre Interessen, Wünsche und Sehnsüchte nicht erkennen und danach leben können oder wollen. Stattdessen haben in ihrem Leben viele Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten einen ungemein hohen Stellenwert. Dabei sollten wir uns immer wieder fragen, was für uns wichtig ist, was lebenswert ist und was uns wirklich gut tut. Daran sollten wir uns grundsätzlich orientieren.

 

 

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