• Der Schafscherer bei der Arbeit. · Bilder: Barbara Heiniger

31.10.2016
Huttwil

Wolle – ein edles und vielseitiges Produkt

Die 36. Schafschur Huttwil beim Spycher Handwerk, auf dem Hof Bäch der Familie Grädel, war ein Grosserfolg. Der Anlass «Vom Schaf zum Kleidungsstück» faszinierte viele Besucher aus nah und fern. Es herrschte bestes Marktwetter für die Arbeiten rund um das edle Naturprodukt Wolle und die diversen Attraktionen. Die Schafschur, Hütehunde-Vorführungen, die Wollverarbeitung und Marktstände begeisterten das Publikum.

Von Barbara Heiniger · «Ich trage alles aus Wolle, von den Schuhen bis zum Hut. Wolle ist im Winter warm und im Sommer kühl», sagte Johann Ulrich Grädel zum «Unter-Emmentaler». Das sich viele Menschen für das wertvolle Naturprodukt interessieren, zeigte sich am Anlass in Schwarzenbach. Unzählige verfolgten die diversen Vorführungen vom Schären, Waschen, Färben, Kardieren, Spinnen, Stricken und Weben. «Um die Wolle und alles rund um das Schaf bekannt zu machen, ist die Schafschur ideal. Die lebendigen Wolllieferanten und ihre Produkte können sich bestens präsentieren», sagen Anna Katharina und Johann Ulrich Grädel, Inhaber des Spycher Handwerks.  

Schafschur inmitten der Schafe
Über 100 Schafe verschiedener Rassen wurden im Verlaufe des Tages vom Schafscherer Armin Hegglin von ihrem Wollkleid befreit. Erstmals fand die Demonstration bei der grossen Scheune statt, inmitten der Präsentation verschiedener Schafrassen. Seit vielen Jahren ist Armin Hegglin an der Schafschur in Huttwil dabei.

Schnelligkeit und Intelligenz
Der Drang zur Arbeit, Intelligenz und Feinfühligkeit wurde bei den Vorführungen mit Hütehunden ersichtlich. Der Border-Collie ist ein Hütehund britischer Herkunft und hat weltweite  Bedeutung als Schafhund erreicht. Durch die geduckte Gangart erweckte er in seiner Verhaltensweise den Eindruck von Unterwürfigkeit gegenüber seinem Schäfer. Nicht nur Schafe, sondern auch Gänse wusste das intelligente Tier in den Wagen zu treiben. Die Zuschauer waren von der Demonstration sehr begeistert.

Handarbeit mit der Wollfaser
Viele Besucher verfolgten auch das Kardieren auf den drei alten, leistungsfähigen Maschinen, die auch grosse Vliese für Schurwoll-Bettinhalte und Dämmwolle hergestellen können.  Wie vielfältige Handarbeiten mit der kostbaren Wollfaser möglich sind, war bei den Vorführungen vom Spinnen, Filzen, oder Weben zu sehen. Lustig surrten die Spinnräder und flinke Finger gaben die Wolle in der richtigen Dosierung dazu, um einen Faden entstehen zu lassen. Auch das Stricken war ein Thema und so klapperten die Nadeln fröhlich im Garn. Die früher weit verbreitete Beschäftigung findet zunehmend wieder Anhänger bei der jüngeren Generation und das Tragen von «Maschen» liegt im Trend. Grosse Beachtung fand auch die Auswahl an Fachliteratur rund um die Wolle, reges Interesse bestand ebenso für die zahlreichen Kursangebote. Im grossen Verkaufsraum, oder an den Marktständen, waren unzählige Artikel aus Wolle erhältlich. Beispielsweise die Auswahl im Bereich Kleider war enorm.

Zimtsterne filzen
Auf dem Rundgang war ebenfalls zu sehen, wie das Waschen, Färben und Karden der Wolle vor sich geht. Für die Kinder waren spezielle Angebote vorhanden, so konnten sie beispielsweise an kleinen Maschinen die Wolle selber Karden. Was genau beim Filzen passiert wurde ebenfalls bestens erklärt. Flink wurden dann von den Kinderhänden schöne Filz-Zimtsterne hergestellt, oder Schuhe verziert. Unter Anleitung konnte auch das Weben entdeckt werden und der geschmolzene, farbige Wachs lockte viele zum Kerzen ziehen.
Begeistert waren die Besucher beim Rundgang auch vom Arche-Hof, auf welchem Tiere aus dem Programm von Pro Specie Rara leben. Diese Stiftung setzt sich für die Erhaltung vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen und Kulturpflanzen ein. Verschiedene Schafrassen, wie Skudden, Spiegelschafe und Walliser Landschafe sowie Lamas, Alpakas, Mohair Ziegen und Kamele konnten besichtigt werden. Die lustigen Wollschweine und viele weitere tierische Artgenossen liessen sich gerne bewundern.
Der «Lammburger» in der Festwirtschaft, welche vom Schafzuchtverein Unteremmental geführt wurde, war ein Erfolg. Dazu gab es weitere feine Schaffleischspezialitäten zu genies-sen. Viele Besucher kamen speziell, um das feine Schafvoressen zu genies-sen. Schaffleisch war auch bei der Metzgerei Flückiger erhältlich.


Infos:
www.kamele.ch / www.schaukarderei.ch

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