• Eifrig und mit viel Geschick sticht Noemia Mailänderli aus und bepinselt diese anschliessend mit Eigelb. · Bild: Liselotte Jost-Zürcher

14.11.2016
Region

Zukunftstag auf dem Bauernhof

Unzählige Mädchen und Buben der 5. bis 7. Klasse haben am Donnerstag, am nationalen Zukunftstag, ihren Eltern oder einer sonstigen nahestehenden Person über die Schultern geguckt, um Einblick in das berufliche Lebensfeld zu erhalten. Wo immer möglich durften auc Schülerinnen und Schüler der Heilpädagogischen Schule (HPS) Oberaargau, Standort Huttwil, mitmachen. Der «Unter-Emmentaler» sprach mit der 13-jährigen Noemia. Sie wünschte sich, einen Tag auf einem Bauernhof verbringen zu dürfen – und war sehr begeistert.

Sumiswald · «Diese Güetzli müssen wir nicht backen», sagt Ursula Christen. Und Noemia erkennt richtig: «Wir lassen sie einfach abkalten.» Sorgfältig und mit viel Eifer formt sie zusammen mit Ursula Christen und deren 17-jährigen Tochter Ramona kleine Häufchen aus Schokolade und Cornflakes. Ursula Christen zeigt auf ein Gitter, wo fertig gebackene, exakte runde Plätzchen aus Mailänderliteig mit traditionellen Mailänderlifiguren darauf zum Abkühlen liegen. «Das ist Noemias Erfindung; mir wäre das gar nicht in den Sinn gekommen», lacht die Bäuerin und Hausfrau.

Ihre Zukunft hat sich Noemia bisher gewiss nicht auf einem Bauernhof vorgestellt. «Ich möchte Schminkerin (Visagistin) werden», sagt sie gegenüber dem «Unter-Emmentaler». Doch ihre Lehrpersonen der HPS Oberaargau wollten ihr noch andere Perspektiven zeigen. So tauchte der Wunsch Noemias auf, den Zukunftstag auf einem Landwirtschaftsbetrieb zu verbringen, «weil ich noch nie zuvor auf einem Bauernhof war», wie sie begründet. Bei Familie Hansueli und Ursula Christen in Sumiswald erfüllte sich dieser Wunsch.
Hansueli und Ursula Christen betreiben mit ihren drei Töchtern den Bauernhof Oberhorn, Sumiswald. Dabei helfen ihnen Hans-Ulrich Christen senior und ein Lernender bei der Bewältigung der Arbeit auf dem 25-Hektaren-Milchwirtschaftsbetrieb.
«Wir fütterten zuerst die Kätzchen», erzählt Noemia beim Besuch des «Unter-Emmentaler». «Sie haben geschrien und waren hungrig.» Dann wurde der Schweinestall mit den Mastschweinen begutachtet, später die Kühe und das kleine Kälblein, welches es in der Nacht zuvor gegeben hatte. Zur grossen Freude des Mädchens durfte es dem Kälbchen den Namen geben, «Pia».
Bevor die Hausarbeit in Angriff genommen wurde, wollte Noemia aber nochmals zu den Schweinen: «Das hat mir am besten gefallen», strahlt sie.
Im Haus packte sie dann tüchtig zu, half Betten frisch anziehen, staubsaugen und Kartoffeln rüsten für den Gratin sowie den Tisch decken. «Noemia hat das sehr gut gemacht. Ich war froh, dass sie so fleissig rüstete», lobt Ursula Christen. Abgesehen davon, dass während des Kochens nochmals die nimmersatten Kätzchen gefüttert werden mussten ...
Nach dem Essen und dem Aufräumen der Küche gab es eine längere Mittagspause: Noemia und Ramona spielten UNO – so lange und mit soviel Eifer, bis Ursula Christen die vorbereiteten Güetzli-Teige hervorholte.
Minuten später roch die Küche wie eine Weihnachtsbäckerei. Auch das war neu für Noemia. Doch «manchmal backe ich zuhause mit meiner Mama einen Kuchen», erzählte sie, während sie geschickt mit Teig, Wallholz und Ausstechformen hantierte. Viel zu schnell ging der gemeinsame Tag zu Ende.

Einblick in die Berufswelt
Der Nationale Zukunftstag will dazu beitragen, den Berufswahlhorizont und die Zukunftsperspektiven von Mädchen und Buben frühzeitig zu erweitern. Für Schülerinnen und Schüler der HPS ist die Berufswahl in den allermeisten Fällen recht eingeschränkt. Die Verantwortlichen versuchen, ihnen eine den Neigungen und Fähigkeiten entsprechende Beschäftigung und die dazu gehörende bestmögliche Ausbildung zu gewährleisten. «Geschützte Werkstätten, Haushaltungen, Landwirtschaftsbetriebe, Wäschereien oder kleinere Handwerksbetriebe eignen sich am ehesten», weiss Esther Steiner, HPS Oberaargau, Standortleiterin Huttwil, aus Erfahrung.
Sie ist dankbar, dass bisher die meisten Schulabgänger des HPS-Standorts Huttwil einen geeigneten Platz gefunden haben. Und sie freut sich jedesmal sehr, wenn möglichst viele der Schülerinnen und Schüler aus der Mittel- und Oberstufe am Zukunftstag teilnehmen können, sei dies am Arbeitsplatz eines Elternteils oder sonst in einem Betrieb, wo man bereit ist, sich für sie Zeit zu nehmen. Am letzten Donnerstag waren es neun von 15 Schülerinnen und Schülern, die einen spannenden Tag in einem beruflichen Umfeld verbringen durften. · Von Liselotte Jost-Zürcher

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