• Der «Cowboy» von Werner Neuhaus steht am Eingang der Kulturmühle.

  • Der sonnige «Birkenweg» von Fred Baumann. · Bild: Christian Siegenthaler

05.11.2018
Emmental

Zwei Emmentaler Künstler in der Kulturmühle

Fred Baumann (Bärgli, Rohrbachgraben) mit seinen Ölbildern und Werner Neuhaus (Wanner 433, Zollbrück), mit seinen Skulpturen aus Eichenholz konnten sich in der Kulturmühle über die grosse Besucherzahl freuen. Hans Grunder (Rüegsauschachen) hielt die Laudatio an der Vernissage der Kunstausstellung.

Lützelflüh · Neben dem Eingang zur Kulturmühle steht eine grosse Eichenskultptur. Es ist ein Kuhmensch namens Cowboy und wirkt hier wie ein Türsteher. Was macht der sich wohl für Gedanken über die eintreffenden Besucher? Auch die Besucher stellen sich Fragen. Vielleicht zum Verhältnis Mensch-Tier, oder suchen sie sogar einen Zusammenhang mit der Abstimmung über die Kuhhorninitiative? Zu weit gesucht? Beim Eintreten in die Ausstellung erwartet die Besucher eine prachtvolle und farbenfrohe Reihe von 42 Ölbildern. Kontrastierend eingestreut sind Skulpturen aus Eichenholz.

Vernissage der Ausstellung
Regina Gilgen (Co-Präsidium Verein Kulturmühle) freute sich darüber, die beiden Künstler und die zahlreichen Besucher zu begrüssen. Seit gut 25 Jahren organisiert der Verein Kulturmühle unermüdlich immer wieder Veranstaltungen und bringt damit Leben in das altehrwürdige Gebäude. Ein Vergleich mit dem sich stets drehenden Mühlenrad mit seinem Räderwerk drängt sich auf. Es ist ein Symbol für stilles, ständiges Wirken, das auch für den Vorstand und die Mitglieder des Vereins zutrifft. In seiner Laudatio sagte Nationalrat Hans Grunder als Emmentaler zu den Emmentaler Künstlern, dass ihr Schaffen und ihre Werke ihn tief berühren – gibt’s ein höheres Lob? Untermalt wurde die Eröffnungsfeier durch Werner Krebs (Hindelbank) mit seinem Spiel am Flügel mit Kompositionen von Bach, Rachmaninoff und Debussy.

Die beiden Künstler
Nun zu den Werken der beiden Künstler, die unterschiedlicher Generation angehören, unterschiedliche Materialien verwenden und kontrastierende künstlerische Absichten haben. Fred Baumann, der ältere der beiden, will vor allem schöne, stille, feine Orte im Emmental und im Bernbiet darstellen. Wenn er auf seinen Wanderungen auf ein passendes Objekt stösst, macht er Skizzen. Oft führt ein Weg in das Bild hinein. Dieser ist auch ein Symbol für den Lebensweg. Zumeist bereits am nächsten Morgen macht er sich in seinem Atelier an die Arbeit. Der Eindruck ist so noch frisch. Zuerst trägt er den Malgrund mit Acrylfarbe auf. Danach wird zumeist mit dem Spachtel die Ölfarbe aufgetragen. Nach und nach entwickelt sich das lebendige Bild bis ins Detail.
Treffend beschreibt seine Tochter in seinem neusten Buch «Licht und Schatten – oder hundert Jahre zu spät» seine Werke: «Lieber Leser, ich soll Ihnen in ein paar Sätzen, die ein paar Adjektive enthalten, meinen Vater näher bringen. Dies ist wohl das schwierigste Unterfangen, das ich je in meinem Leben in Angriff genommen habe. Meinen Vater kann man schlecht beschreiben. Man muss ihn sehen, erleben und ihn kennen. Sehen Sie sich seine Bilder an. Was sehen Sie? Sehen Sie Licht und Schatten? Sehen Sie die Tiefe und die Aussagekraft seiner Gemälde? Spüren Sie seine Kreativität? Sicherlich. Aber das meinte ich nicht. Schauen Sie sich seine Werke aus der Nähe an. Was sehen Sie nun?» Die spannende Fortsetzung ist im Buch nachzulesen. Und was ist gemeint mit «hundert Jahre zu spät»? Fred Baumann sagt es so: «Das wäre etwas gewesen, zusammen mit Künstlern wie Monet, Manet und weiteren Impressionisten in Paris zu leben!» Da hat er recht, seinen heutigen Stil könnte man als Neoimpressionismus bezeichnen.
Die Werke des jüngeren Künstlers, Werner Neuhaus, bedeuten eine spannende Ergänzung zu seinen Werken. Werner Neuhaus will mit seinen Skulpturen aus Eichenholz Fragen auslösen, das emanzipierte Denken anregen und freie Interpretationen ermöglichen. Er glaubt, dass die ausgestellten Werke von ihm und von Fred Baumann, die sich im Umfeld der Natur bewegen, ein besonderes Spannungsfeld ergeben.
Die Bilder von Fred Baumann bedeuten für den Betrachter Erholung, Entspannung und stille, heimelige Freude. Sie zeigen unversehrte Landschaftsausschnitte. Die rustikalen, knorrigen Eichenskulpturen von Werner Neuhaus regen zum Nachdenken an. Werner Neuhaus sucht aktuell das Gegenteil von intakten Landschaften. Er ist künstlerischer Leiter des Projekts «Pot», ein internationales Kunstprojekt in der kriegsversehrten Kurdenstadt Kobanê in Nordsyrien. Das Team, bestehend aus Künstlerinnen und Künstlern aus der Schweiz, Syrien und dem Irak, unterstützt von verschiedenen Institutionen, u. a. dem Kriegsmuseum Kobanê, will dort Lehrer und Schüler anleiten, Werke aus Ton zu gestalten. Die zwar zerbrechlichen Objekte haben das Potenzial, Jahrhunderte zu überdauern. Sie sollen somit einen tröstlichen Gedanken in Zeiten der Zerstörung und der Unsicherheit bedeuten. Das Projekt startet im November 2018.
Nach dem Besuch der Vernissage und dem gemütlichen Apéro soll Neuhausens «Cowboy» einigen Besuchern beim Hinaustreten in die Finsternis einen Schreck eingejagt haben.

Von Christian Siegenthaler