• Christian Hadorn hielt Rückblick auf seine 15 Jahre im Grossen Rat. · Bild: Archiv UE/ryl

15.01.2018
Oberaargau

Zwei Rückblicke prägen Neujahrsapéro

Die Rückblicke von Regierungsstatthalter Marc Häusler auf seine erste Amtszeit sowie jener von Christian Hadorn auf 15 Jahre Tätigkeit im Bernischen Grossen Rat prägten den traditionellen Neujahrsapéro im Regierungsstatthalteramt in Wangen a. A. Dabei erwähnte Marc Häusler, dass er in den ersten vier Jahren als Regierungsstatthalter insgesamt 28 Wechsel von Gemeindepräsidenten begleitet habe.

Wangen a. Aare  · Lange, sehr lange habe er darauf warten müssen, bis man ihn als Redner an eine 1. August-Feier eingeladen habe, gab Christian Hadorn im Regierungsstatthalteramt in Wangen a. A. vor rund 60 Gemeinde- und Behördenvertretern sowie Grossräten zu verstehen. Schon in jungen Jahren sei es nämlich sein grosser Wunsch gewesen, einmal eine 1. Augustrede halten zu dürfen. «Als ich dann in den Grossrat gewählt wurde, ging es richtig los. Doch meine Frau hat mir zu verstehen gegeben, dass zwei 1. Augustreden am gleichen Tag ein Scheidungsgrund sei», fuhr Hadorn fort und fügte hinzu: «Deshalb war ich froh, dass einige Gemeinden begannen, ihre 1. August-Feiern bereits am 31. Juli abzuhalten», gab er lachend zu verstehen. Mittlerweile habe er bereits seine 20. 1. August-Ansprache gehalten.
Der Unternehmer aus Ochlenberg war von Regierungsstatthalter Marc Häusler als Gastredner zum traditionellen Neujahrsapéro eingeladen worden, mit der Bitte, den Neujahrsapéro mit einigen Anekdoten aus seiner 15-jährigen Tätigkeit als SVP-Grossrat zu bereichern. Christian Hadorn kam dieser Aufforderung gerne nach und war bei seinem Referat so richtig im Element. Begleitet worden sei er während seiner Grossrats-Zeit von einem Zitat, das er einmal gelesen habe. «Welche Reichtümer wir am Ende hinterlassen ist nicht wichtig, was in Erinnerung bleibt, ist wie wir gelebt haben», bemerkte er.

Der «Fettnäpfli-Treter»
Der Ochlenberger schilderte, wie er 1989 in die Politik einstieg und in seiner Wohngemeinde Gemeinderat wurde. Als er 2001 angefragt worden sei, für den Grossen Rat zu kandidieren, habe er sich als Listenfüller aufstellen lassen und sei zur grossen Überraschung gleich gewählt worden. «Die Wahl-Werbung hat mich damals bloss 500 Franken gekostet, das Apéro bei der späteren Wahlfeier dagegen aber stolze 4000 Franken», lieferte er ein weiteres Müsterchen aus seine Polit-Zeit. Er habe schnell gelernt in Bern und erkannt, dass es Blender gebe, Rhetoriker, wild Entschlossene, aber auch Zuvorderst-Stehende bei den Fotografen sowie ein paar stille Chrampfer. Er dagegen sei eher der Kategorie «Fettnäpfli-Treter» zuzuordnen gewesen. «Momou», fügte Hadorn hinzu, «ich habe sehr wohl versucht, tatkräftig zu rudern und das Boot vorwärts zu bringen, doch manchmal hat man mir zu verstehen gegeben, dass ich bloss Wellen geschlagen, aber nichts bewegt hätte», führte Christian Hadorn aus. Er sei froh gewesen, dass ihn manchmal jemand auf den Boden zurückgeholt habe, dadurch sei er sich immer wieder bewusst geworden, welche Aufgabe er eigentlich zu erfüllen habe. Hadorn gab weiter zu verstehen, dass er rasch erkannt habe: «Wenn man als Grossrat dem Oberaargau dienen will, dann muss man einen guten Draht zur Verwaltung haben. Ein Grossrat muss nämlich helfen können», erläuterte er und dies sei über die ganzen 15 Jahre in Bern immer sein Ziel gewesen. Für sein persönliches und mit viel Humor gespicktes Referat erntete der im letzten Herbst als Grossrat zurückgetretene Christian Hadorn als Zeichen der Wertschätzung einen lang anhaltenden Applaus.
Zurückblicken konnte auch Marc Häusler, auf seine erste Legislatur als Regierungsstatthalter (2014 bis 2017). Dabei erwähnte er, dass er 2014 als Tagespräsident den Verein Arena Oberaargau habe gründen helfen und im gleichen Jahr mit seinem Team einen Tag der offenen Tür auf dem Regierungsstatthalteramt durchgeführt habe. Im folgenden Jahr sei die Suche nach provisorischen Standplätzen für Fahrende ein wichtiges Thema gewesen, im darauffolgenden Jahr sei aufgrund der Flüchtlingskrise die Zahl der Asylgesuche kräftig angestiegen und der Kanton Bern habe für die Bewältigung des Flüchtlingsansturms 7000 Plätze benötigt, aber lediglich 3700 Plätze zur Verfügung gehabt.

Oberaargauer bauen und feiern viel
Beim Blick auf das letzte Jahr erwähnte der Regierungsstatthalter, dass man sich 2017 erneut mit einer rekordhohen Anzahl an Baubewilligungen (210, gegenüber 205 in den beiden vorangehenden Jahren) habe beschäftigen müssen. «Nach wie vor verzeichnen wir in unserer Region eine grosse Bautätigkeit», bemerkte Häusler dazu. Im Oberaargau werde aber auch rege gefeiert und gefestet, fügt er hinzu und erwähnte, dass man letztes Jahr 872 gastgewerbliche Einzelbewilligungen erteilt habe (877 im Vorjahr).
Mit 31 neuen Gastgewerbebetrieben und Vereinslokalen wurde auch in diesem Bereich eine überdurchschnittlich hohe Anzahl Bewilligungen ausgestellt (Vorjahr 18). Insgesamt verzeichnete der Oberaargau per Ende letzten Jahres 624 Gastgewerbebetriebe (Vorjahr 620). Erwähnenswert fand Marc Häusler auch, dass er in den ersten vier Jahren seiner Tätigkeit nicht weniger als 28 Wechsel bei den Gemeindepräsidien begleiten durfte.

Vereinbarkeit von Politik und Beruf
Eröffnet wurde das Neujahrsapéro von Christine Badertscher (Gemeinderätin Madiswil) und Gaudenz Schütz (Gemeindepräsident Attiswil), zwei Mitgliedern der Gruppe junge Gemeinderäte Oberaargau, die vor vier Jahren mit dem Ziel gegründet wurde, jungen Leuten ein politisches Amt schmackhaft zu machen. Die beiden stellten den neusten «Wurf» der Gruppe
vor, den Flyer «Oberaargauer Wirtschaft steht hinter dem Milizsystem». Entstanden ist dieser in Zusammenarbeit mit der Region Oberaargau und dem Wirtschaftsverband Oberaargau (WVO).
«Bei Gesprächen mit jungen Leuten über ein allfälliges politisches Engagement stellt sich jeweils rasch die Frage nach der Vereinbarkeit von Politik und Beruf», erläuterte Baderstscher den Beweggrund, den Flyer zu realisieren. Darin wird denn auch explizit darauf hingewiesen, dass auch die Wirtschaft von politisch aktiven Mitarbeitern profitieren kann. «Ein Milizpolitiker trägt zusätzliches know-how in die Firma und die vielen Kontakte, die er in seinem Amt knüpfen kann, stellen auch für die Unternehmen ein wertvolles Netzwerk dar», erwähnte Gaudenz Schütz zwei von vielen Vorteilen für ein Unternehmen, die sich aus einem politischen Amt eines Mitarbeiters ergeben. Die anwesenden Gemeindevertreter wurden deshalb aufgefordert, den Flyer bei den Unternehmen in ihrem Dorf zu verteilen. «Es geht darum, unser politisches Milizsystem zu erhalten», ergänzte Regierungsstatthalter Marc Häusler.

Von Walter Ryser

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